Unternehmen erwarten Lohndruck durch KI vor allem bei weniger erfahrenen Beschäftigten
Der Einsatz von KI verändert aus Sicht vieler Unternehmen die Perspektiven am Arbeitsmarkt – allerdings nicht für alle Beschäftigtengruppen gleichermaßen. Die Hälfte der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, geht davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren die Löhne für Arbeitskräfte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung sinken werden, meldet das Ifo-Institut. Damit richten sich die pessimistischsten Erwartungen vor allem auf Beschäftigte am Beginn ihrer Laufbahn.
Auch erfahrenere Arbeitskräfte sind aus Sicht vieler Betriebe nicht vollständig vor Lohndruck geschützt. 40 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass die Vergütung auch für Erfahrene zurückgehen könnte. Besonders skeptisch zeigen sich nach den Angaben Dienstleister und Handel. In diesen Bereichen scheint die Erwartung verbreitet zu sein, dass der produktive Einsatz von KI Tätigkeiten verändert und damit auch die Bewertung bestimmter Qualifikationen beeinflussen kann.
Deutlich anders fällt die Einschätzung für Beschäftigte mit höherer formaler Qualifikation aus. Wer über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss verfügt, muss nach Ansicht der befragten Unternehmen wahrscheinlich nicht mit Einbußen rechnen. Die Einschätzung deutet darauf hin, dass Bildungsniveau und Berufserfahrung in den Erwartungen der Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um mögliche Folgen des KI-Einsatzes auf die Lohnentwicklung geht.
Für besonders qualifizierte und zugleich erfahrene Beschäftigte sehen einige Unternehmen sogar positive Effekte. Kommt zu einem Hochschulabschluss eine lange Berufserfahrung hinzu, könnten die Löhne sogar steigen, glauben zumindest 26 Prozent der Unternehmen. Die Ifo-Angaben zeichnen damit kein einheitliches Bild sinkender Löhne, sondern eine differenzierte Erwartung: Je nach Erfahrung, Qualifikation und Branche können die angenommenen Auswirkungen von KI auf die Vergütung deutlich auseinandergehen.
Für Unternehmen und Beschäftigte ist die Prognose vor allem als Hinweis auf eine mögliche Verschiebung der Wertigkeit von Qualifikationen zu lesen. Während Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie weniger erfahrene Arbeitskräfte aus Sicht vieler KI-nutzender Betriebe stärker unter Druck geraten könnten, bleiben höhere Abschlüsse und lange Erfahrung in den Erwartungen der Unternehmen ein möglicher Schutzfaktor – und in bestimmten Fällen sogar ein Vorteil.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge