Schweizer Detailhandel wächst trotz schwacher Konsumlaune
Der Schweizer Detailhandel hat seinen Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt. Nach dem NIQ Markt Monitor liegt der Umsatz per Ende Juni 2,6 Prozent über Vorjahr, wie NielsenIQ.com berichtet. Besonders dynamisch entwickelte sich der Onlinehandel, der um über elf Prozent zulegte. Damit wächst der digitale Vertrieb deutlich schneller als der Gesamtmarkt.
Die positive Bilanz steht im Kontrast zu einer weiterhin angespannten Verbraucherstimmung. Die Konsumstimmung lag im Juni 2026 laut Bundesamt für Statistik bei minus 36 Punkten und damit unter dem Vorjahresniveau. Entsprechend bleibt die Kaufneigung selektiv und bedarfsorientiert. Zugleich fiel die Teuerung mit 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat moderat aus. Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung erwartet die Expertengruppe Konjunkturprognosen ein Wachstum von 0,9 Prozent im Jahr 2026 und 1,6 Prozent im Jahr 2027.
Zum Wachstum tragen beide Hauptsegmente bei: Food/Nearfood legte um 2,5 Prozent zu, Nonfood wuchs mit 2,7 Prozent sogar leicht stärker. Im FMCG-Markt zeigen sich vor allem Frischprodukte, Tiefkühlwaren sowie Süsswaren und Snacks als Wachstumstreiber. Laut NielsenIQ kaufen Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin bewusst ein, sind aber bereit, für relevante Produkte gezielt Geld auszugeben. Im Food-Bereich stiegen die Umsätze insgesamt leicht. Tiefkühlprodukte gehörten zu den wichtigsten Impulsgebern, Süsswaren und Snacks entwickelten sich ebenfalls positiv. Bei Kochzutaten kompensierten steigende Preise rückläufige Verkaufszahlen, während Nahrungsmittel insgesamt leicht nachgaben, weil sinkende Preise den leichten Mengenzuwachs nicht ausgleichen konnten.
Der Getränkemarkt entwickelte sich im ersten Halbjahr leicht positiv. Besonders alkoholfreie Getränke legten zu; Mineralwasser und Süssgetränke sorgten für den wesentlichen Schub. Säfte entwickelten sich dagegen rückläufig. Alkoholische Getränke blieben insgesamt unter Vorjahr, insbesondere Wein zeigte eine schwache Entwicklung. Bier konnte innerhalb dieses Segments als einzige genannte Kategorie wachsen. Bei Frischprodukten trugen Gemüse, Metzgereiprodukte und Milchprodukte zum soliden Umsatzwachstum bei, vor allem über höhere Absatzmengen. Auch Eier und Früchte leisteten einen Beitrag, während die Bäckerei leicht rückläufig war.
Im Nonfood-Bereich sorgten Freizeit, DIY und Heimelektronik für überdurchschnittliche Impulse; Fashion erreichte das Vorjahresniveau. Begünstigt wurde die Entwicklung durch das zweite Quartal mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen und überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden. Dadurch stieg die Nachfrage nach sommernahen Warengruppen. Hinzu kamen Kaufimpulse durch Grossereignisse wie die Fussball-WM, die sich von Sportartikeln über Fan- und Sammelprodukte bis hin zu Unterhaltungselektronik bemerkbar machten. Freizeit blieb der wichtigste Wachstumsträger: Spielwaren verzeichneten erneut ein deutliches Plus, gestützt durch Games, Puzzles und Konstruktionssets; Sammelalben profitierten zusätzlich von der Fussball-WM.
Insgesamt zeigt der Markt eine robuste Entwicklung in einem anspruchsvollen Umfeld. Die Zahlen deuten auf einen Handel hin, der trotz verhaltener Stimmung und vorsichtigem Kaufverhalten wächst. Entscheidend bleibt, dass Händler relevante Sortimente, saisonale Nachfrage und digitale Vertriebskanäle konsequent zusammendenken. Der starke Zuwachs im Onlinegeschäft unterstreicht, wie wichtig digitale Reichweite für weiteres Wachstum im Schweizer Detailhandel bleibt.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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