Fruugo schafft die Rückkehr in die Gewinnzone
Der Crossborder-Marktplatz Fruugo hat 2025 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Nach einem Verlust von 10,1 Mio. britischen Pfund im Vorjahr erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 1,4 Mio. Pfund, wie Ecommercenews.eu berichtet. Auch operativ verbesserte sich die Lage deutlich: Nach außergewöhnlichen Posten lag der operative Gewinn bei 1,2 Mio. Pfund, während im Vorjahr noch ein operativer Verlust von 11,2 Mio. Pfund ausgewiesen worden war. Fruugo sieht sich damit seit 2024 in einer stabileren Position.
Die Rückkehr in die Profitabilität gelang allerdings in einem deutlich verkleinerten Geschäft. Der Umsatz sank im zweiten Jahr in Folge, von 56,4 Mio. auf 38,4 Mio. Pfund Umsatz. Auch der Transaktionswert ging um 33 Prozent zurück. Fruugo begründet die Entwicklung mit einer Bereinigung der Händlerbasis und des Sortiments sowie mit Anpassungen an neue regulatorische Anforderungen. Für den Marktplatz bedeutete das weniger Breite, aber offenbar mehr wirtschaftliche Kontrolle.
Fruugo wurde 2006 in Helsinki gegründet und hat seinen Sitz heute in Großbritannien. Die Plattform ermöglicht Händlern den internationalen Verkauf in mehr als 40 Ländern. Verkäufer bleiben dabei für ihre Warenbestände verantwortlich und organisieren auch den Versand selbst. Damit positioniert sich Fruugo als Infrastruktur für grenzüberschreitenden E-Commerce, ohne zentrale Lager- oder Fulfillment-Strukturen in den Vordergrund zu stellen.
Ein zentraler Hebel der Ergebnisverbesserung waren Kostensenkungen. Fruugo reduzierte die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten einschließlich externer Kräfte von 184 im Jahr 2024 auf 165 Mitarbeitende im Jahr 2025. CEO Fergal Gara sprach von Fortschritten bei der Neuausrichtung des Unternehmens für die Zukunft, verwies aber zugleich darauf, dass weitere Schritte notwendig seien. Er dankte dem Team, den Händlern und Partnern im Marktplatz-Ökosystem für ihre Unterstützung.
Parallel zur Konsolidierung treibt Fruugo seine Expansion weiter voran. Seit Juni können Händler aus Australien, Singapur, Neuseeland und Norwegen nicht nur international, sondern auch im jeweiligen Heimatmarkt über Fruugo verkaufen. Zudem wurden Estland, Litauen und Lettland als neue Verkäuferländer aufgenommen. Händler aus diesen Märkten können sich nun aktiv registrieren, onboarden und über den Marktplatz internationale Kundschaft erreichen. Fruugo beschreibt diese Schritte als Teil einer breiteren europäischen Marktplatzstrategie.
Die Entwicklung zeigt eine klare Verschiebung: Fruugo setzt weniger auf ungebremstes Wachstum als auf ein kontrollierteres Modell mit bereinigtem Händlernetz, angepasstem Sortiment und strikterer Kostenbasis. Für den internationalen Onlinehandel bleibt die Plattform damit relevant, vor allem für Händler, die ohne eigene lokale Präsenz zusätzliche Auslandsmärkte erschließen wollen. Entscheidend wird sein, ob Fruugo die neue Profitabilität halten kann, während das Unternehmen seine Reichweite in Europa und darüber hinaus wieder gezielt ausbaut.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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