3D-Illustration verzweigter Datenpfade als Symbol für KI-Sichtbarkeit ohne Umsatzbezug
© Black Forest Labs / Flux

KI-Suche wird zu Wahrscheinlichkeitsrechnung

Vermarkter stehen zunehmend unter Druck, die KI-Sichtbarkeit belastbar mit Umsatzzahlen zu verknüpfen, berichtet Digiday.com. 73 Prozent hätten zwar in Tools wie Profound, Scrunch oder Semrush investiert, um ihre KI-Sichtbarkeit zu überwachen, doch eine Verbindung zum Umsatz entstehe so nicht. So würden Shopper oft KI-Ergebnisse lesen, aber trotzdem woanders kaufen; kein Tool stelle das Gesamtbild dar. Es bleibe nur die Möglichkeit, eigene Modelle zu entwickeln und sich dabei auf Wahrscheinlichkeiten zu stützen.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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KI-Sichtbarkeit wird zur neuen Messlücke im digitalen Marketing

Vermarkter geraten zunehmend unter Druck, die Sichtbarkeit ihrer Marken in generativen Suchsystemen mit belastbaren Geschäftszahlen zu verbinden. Wie Digiday.com berichtet, haben laut einer aktuellen AI-Search-Umfrage bereits 73 Prozent der Befragten in Tools wie Profound, Scrunch oder Semrush investiert, um ihre Präsenz in KI-Antworten zu überwachen. Doch diese Systeme zeigen vor allem, wie Large-Language-Modelle Marken darstellen und auf welche Quellen sie sich stützen. Ob daraus Umsatz, Leads oder andere kommerzielle Effekte entstehen, bleibt offen.

Damit wird KI-Sichtbarkeit für CMOs zu einem Zero-Click-Problem mit wirtschaftlicher Dimension: Nutzer können Antworten in Google AI Overviews oder ChatGPT lesen, ihre Kaufentscheidung aber an anderer Stelle abschließen. Ein einzelnes Tool, das diesen Weg vollständig abbildet, gibt es laut Branchenstimmen nicht. Für Teams im Marketing bedeutet das, dass sie verschiedene Signale zusammenführen müssen – etwa Sichtbarkeitsdaten, Suchanfragen, Webtraffic, Conversion-Daten und eigene First-Party-Daten. Die zentrale Herausforderung lautet, aus fragmentierten Hinweisen ein plausibles Bild der Wirkung zu modellieren.

Einige Unternehmen gehen bereits über einfache Näherungen hinaus. Rippling kombiniert laut Bericht Sichtbarkeitsdaten aus Profound und AirOps, Conversion-Daten aus bezahlten ChatGPT-Anzeigen, Traffic aus markenbezogenen und generischen Suchanfragen sowie ein eigenes Media-Mix-Modell auf Basis von Googles Open-Source-Plattform Meridian. Ziel ist es, den Wert der KI-Präsenz über mehrere Datenpunkte zu triangulieren. Dieser Ansatz ist datenintensiv, könnte aber für größere Marketingorganisationen richtungsweisend werden, weil er nicht auf eine direkte Attribution vertraut, sondern auf modellierte Wahrscheinlichkeiten.

Der Bedarf an besseren Messverfahren wächst auch deshalb, weil KI-generierter Traffic an Bedeutung gewinnt. Demandbase zufolge stiegen von ChatGPT vermittelte Besuche bei B2B-Marken von rund 645.000 im Juni 2025 auf 2,6 Millionen im Juni 2026 – ein Plus von 303 Prozent. Gleichzeitig verschärft dieser Zuwachs alte Attributionsfragen: Selbst wenn ein Nutzer über ChatGPT recherchiert, ist damit noch nicht belegt, welcher Anteil späterer Umsätze auf diese Sichtbarkeit zurückgeht. Agenturen wie Roast setzen daher statistische Verfahren ein, darunter Googles Causal-Impact-Modell, das mit Bayes’scher Logik Suchsignale und Geschäftsergebnisse in Beziehung setzt.

Auch die Infrastruktur für Messung entwickelt sich weiter. Das IAB hat standardisierte Leitlinien veröffentlicht, an denen Vermarkter eigene Messsysteme ausrichten können. Google ergänzte im Juni die Search Console um generative AI Performance-Daten. Dennoch bleibt die operative Konsequenz eindeutig: Wer die kommerzielle Wirkung von KI-Sichtbarkeit verstehen will, muss eigene Datenmodelle aufbauen, First-Party-Daten einbeziehen und bekannten KI-Traffic sauber abgrenzen. Eine einfache Linie von LLM-Präsenz zu steigenden Umsätzen lässt sich derzeit nicht ziehen.

Parallel versuchen Marken, ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten aktiv zu beeinflussen. Weil Plattformen wie YouTube und Reddit häufig in LLM-Ergebnissen auftauchen, beobachten manche Unternehmen stark frequentierte Diskussionen und greifen dort reputationsorientiert ein. Seeking.com ließ etwa relevante Reddit-Threads identifizieren und kommentieren. Solche Maßnahmen zeigen, dass Reputationsmanagement und Suchstrategie näher zusammenrücken. Die entscheidende Aufgabe bleibt jedoch, Sichtbarkeit nicht nur zu steigern, sondern ihren geschäftlichen Beitrag nachvollziehbar zu bewerten.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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