Google testet Suche ohne klassischen Button
Google erprobt offenbar eine neue Oberfläche für seine Websuche, bei der der seit 1998 prägende Such-Button nicht mehr angezeigt wird. Wie ITMagazine.ch berichtet, rücken stattdessen mehrere KI-Funktionen direkt unter die Suchleiste. Damit würde eines der bekanntesten Elemente der Google-Suche nach fast drei Jahrzehnten zumindest in einem Test durch eine deutlich stärker assistenzorientierte Bedienlogik ersetzt. Der Schritt ist noch nicht als finale Produktentscheidung zu verstehen, zeigt aber, wie konsequent Google die Suche an seine KI-Offensive anpasst.
In der getesteten Variante erscheinen unter dem Eingabefeld drei neue Schaltflächen: „Create images“, „Ask about files“ und „Brainstorm“. Ergänzt werden sie durch den bekannten Button „Auf gut Glück“. Der klassische Such-Button fehlt hingegen vollständig. Entdeckt wurde die Oberfläche laut Bericht von „Search Engine Watch“ in den USA. Sichtbar war sie demnach zunächst nur für nicht eingeloggte Nutzerinnen und Nutzer. Gerade dieses Detail ist bemerkenswert, weil mindestens zwei der drei neuen Funktionen auch ohne Google-Account nutzbar sein sollen. Die neuen Schaltflächen wirken daher nicht allein wie ein Hinweis auf bestehende Google-Dienste, sondern wie ein direkter Umbau der Suchoberfläche selbst.
Die Funktionen folgen im Kern naheliegenden Anwendungsfällen rund um KI: „Create images“ soll Bilder erzeugen, „Brainstorm“ beim Entwickeln von Ideen unterstützen. „Ask about files“ setzt offenbar auf eine dateibasierte Interaktion. Nutzer können Dateien in die Suchoberfläche ziehen und anschließend Fragen dazu stellen. Beschrieben wird die Funktion als ähnlich zur klassischen Google-Bildsuche, erweitert um die Möglichkeit, Inhalte über Fragen gezielt auszuwerten. Damit verschiebt sich die Suche stärker von der reinen Eingabe eines Suchbegriffs hin zu einem dialogischen und kontextbezogenen Werkzeug. Im Zentrum steht nicht mehr nur das Finden von Webseiten, sondern die Bearbeitung konkreter Aufgaben.
Sollte Google die getestete Oberfläche beibehalten, könnte sich die alltägliche Nutzung der Suchmaschine spürbar verändern. Der Such-Button war über Jahrzehnte ein Symbol für die klassische Websuche: Begriff eingeben, Suche starten, Ergebnisse prüfen. Die neue Variante legt nahe, dass Google die Suche stärker als Arbeitsfläche für generative und dateibezogene Funktionen versteht. Besonders die prominente Platzierung direkt unter dem Suchfeld deutet darauf hin, dass solche Werkzeuge nicht als Nebenfunktion, sondern als fester Bestandteil der Bedienung gedacht sein könnten. Noch handelt es sich jedoch um ein frühes Teststadium, weshalb offen bleibt, ob und wann die Oberfläche breiter ausgerollt wird.
Für Nutzer wäre ein solcher Umbau mehr als eine optische Änderung. Wenn die klassische Suche zugunsten von Bildgenerierung, Datei-Fragen und Ideensammlung in den Hintergrund tritt, verändert sich auch die Erwartung an Suchmaschinen. Google würde dann nicht nur Antworten auffindbar machen, sondern Aufgaben direkt in der Oberfläche anstoßen. Zugleich bleibt der Test vorsichtig einzuordnen: Die beobachtete Version war offenbar nur temporär und nur für eine begrenzte Nutzergruppe sichtbar. Dennoch markiert sie ein deutliches Signal, dass Google seine bekannteste Benutzeroberfläche im Zeichen von generativer Technologie neu denkt.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge