US-Onlinehandel verliert im Juli an Tempo
Der US-amerikanische E-Commerce ist im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat erstmals in diesem Jahr geschrumpft. Nach Berechnungen von Digital Commerce 360 auf Basis von Daten des U.S. Department of Commerce lagen die Online-Umsätze im Einzelhandel bei 136,9 Mrd. Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 2,2 Prozent gegenüber Juni. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt der Markt jedoch klar im Plus: Die Online-Umsätze stiegen um 7,7 Prozent und lagen weiterhin über jedem einzelnen Monatswert vor 2026.
Der wichtigste Sondereffekt war die Verlegung des Prime Day durch Amazon. Das Shopping-Event fand 2026 nicht wie historisch häufig im Juli, sondern vom 23. bis 26. Juni statt. In diesem Zeitraum gaben US-Verbraucher online 26,4 Mrd. Dollar aus. Zugleich passten andere Händler ihre Rabattaktionen an das Ereignis an. Dadurch legten die Online-Umsätze im Juni im Jahresvergleich um 14,2 Prozent zu – das erste zweistellige Juni-Wachstum seit 2021.
Der schwächere Juli ist damit weniger als abrupter Nachfrageeinbruch zu lesen, sondern vor allem als Verschiebung von Umsatzvolumen in den Vormonat. Gleichwohl zeigt der Vergleich, wie stark große Aktionstage die Monatsdynamik im digitalen Handel prägen. Seit Januar 2019 verzeichnete der US-Onlinehandel laut den ausgewerteten Daten keinen Monat mit rückläufigem Umsatz gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Rückgänge traten in diesem Zeitraum nur im Monatsvergleich auf.
Auch der gesamte Einzelhandel in den USA folgte im Juli einem ähnlichen Muster. Die gesamten Retail-Umsätze stiegen zwar im Jahresvergleich, sanken aber gegenüber Juni – ebenfalls der erste monatliche Rückgang im Jahr 2026. Im Juli erreichte der gesamte US-Einzelhandel 763,6 Mrd. Dollar, nach 768,07 Mrd. Dollar im Juni und 766,19 Mrd. Dollar im Mai. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag der Zuwachs bei mehr als 35 Mrd. Dollar. Einen Rückgang im Jahresvergleich hat der US-Einzelhandel seit Mai 2020 nicht mehr gesehen, als die Einschränkungen der Pandemie die Branche belasteten.
Für die Einordnung der Zahlen ist die Methodik entscheidend: Digital Commerce 360 berechnet die Onlinehandelsumsätze auf Basis der Commerce-Department-Daten und klammert Segmente aus, die typischerweise kaum online verkaufen, darunter Restaurants, Bars, Autohändler, Tankstellen und Brennstoffhändler. E-Commerce wird dabei als Bestellung oder Verhandlung von Preis und Konditionen über Internet, Extranet, EDI, E-Mail oder andere Online-Systeme definiert; die Zahlung muss nicht zwingend online erfolgen. Die Daten sind saison-, feiertags- und handelstagbereinigt, jedoch nicht preisbereinigt. Prozentuale Veränderungen können deshalb aufgrund von Rundungen leicht von absoluten Dollarwerten abweichen.
Unter dem Strich bleibt der US-Onlinehandel trotz des Julirückgangs auf hohem Niveau. Der Markt wächst weiter gegenüber dem Vorjahr, doch die Monatswerte reagieren sichtbar auf die Terminierung großer Handelsereignisse. Für Händler bedeutet das: Aktionskalender und Umsatzplanung müssen enger zusammengedacht werden, weil ein verschobenes Event wie der Prime Day nicht nur einzelne Plattformen, sondern die gesamte Monatsstatistik im digitalen Handel beeinflussen kann.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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