Frau übergibt gebrauchtes Regal an Käufer im Rahmen von Ikeas neuem Second-Hand-Marktplatz
© Black Forest Labs / Flux

Ikea UK eröffnet eigenen Second-Hand-Marktplatz

Ikea startet in Großbritannien einen eigenen Second-Hand-Marktplatz für gebrauchte Möbel, berichtet Theguardian.com. Die Plattform solle Mitgliedern des Ikea-Family-Programms in den kommenden Monaten direkten Handel untereinander ermöglichen. Der schwedische Konzern habe das Modell bereits erfolgreich in Spanien und Norwegen erprobt. Verkäufer erhielten 15 Prozent Aufschlag, wenn sie sich mit einer Geschenkkarte auszahlen ließen; Käufer zahlten ab Januar fünf Prozent Schutzgebühr, ähnlich wie bei Vinted.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.
Teilen

Ikea baut Second-Hand-Geschäft in Großbritannien aus

Ikea startet in Großbritannien einen eigenen Online-Marktplatz für gebrauchte Möbel und positioniert sich damit direkter gegen etablierte Anbieter wie Ebay, Facebook Marketplace und Vinted. Die Plattform soll in den kommenden Monaten an den Start gehen und zunächst Mitgliedern des Ikea-Family-Programms offenstehen. Im Mittelpunkt steht der direkte Handel untereinander: Käufer und Verkäufer sollen lokal miteinander in Kontakt treten und gebrauchte Ikea-Artikel schnell und unkompliziert weitergeben können.

Der Schritt folgt auf Tests in Spanien und Norwegen, die Ikea nach eigenen Angaben erfolgreich erprobt hat. In Großbritannien ergänzt das neue Angebot ein bestehendes Second-Hand-Modell: Bereits seit fünf Jahren kauft und verkauft Ikea in einigen britischen Filialen gebrauchte eigene Produkte. Nun verlagert der Konzern den Ansatz stärker ins Digitale und schafft einen geschlossenen Raum für seine Mitglieder. Laut Unternehmen soll das Weitergeben „geliebter Ikea-Stücke“ möglichst reibungslos werden; Ziel sei ein vertrauenswürdiger und lebendiger Marktplatz für den direkten Austausch.

Ein Blick auf die spanische Version zeigt, wie Ikea den Handel vereinfachen will. Dort unterstützt der Händler Verkäufer mit vorausgefüllten Produktbeschreibungen und Preisvorschlägen. Zusätzlich erhalten Anbieter einen 15 Prozent höheren Auszahlungswert, wenn sie sich den Verkaufserlös als Ikea-Geschenkkarte gutschreiben lassen. Für Käufer ist ab Januar eine Schutzgebühr von fünf Prozent vorgesehen, mit der verkaufsbezogene Kosten finanziert werden sollen. Das Modell ähnelt damit Mechanismen, die Nutzer bereits von Vinted kennen.

Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Second-Hand-Angebote in Großbritannien breiter nachgefragt werden. Plattformen wie Vinted, Facebook Marketplace und Gumtree profitieren vom Trend zu gebrauchten Waren; zugleich wächst das Angebot in Bereichen wie Haushaltswaren, Elektronik und höherwertigen Möbeln. Auch spezialisierte Anbieter und Händler wie Currys und AO verkaufen gebrauchte oder wiederaufbereitete Produkte. Damit verschärft sich der Wettbewerb um den sogenannten Preloved-Markt, der zunehmend aus der Nische in den Massenmarkt rückt.

Für Ikea ist der neue Marktplatz nicht nur ein zusätzlicher Vertriebskanal, sondern auch Teil einer strategischen Antwort auf veränderte Konsumgewohnheiten. Das Unternehmen verknüpft den Ausbau des Gebrauchtgeschäfts mit seinem Ziel, bis 2030 „klimapositiv“ zu werden. Dazu gehört der Anspruch, Produkte aus erneuerbaren, recycelbaren und recycelten Materialien herzustellen. Der Second-Hand-Marktplatz stärkt damit zugleich Nachhaltigkeit, Kundenbindung und Ikeas Rolle im E-Commerce.

Offen bleibt, welche Detailfunktionen die britische Plattform zum Start bieten wird. Weitere Angaben will Ikea in den kommenden Monaten veröffentlichen. Klar ist jedoch: Mit dem Einstieg in eigene Second-Hand-Marktplätze versucht der Möbelkonzern, Wertschöpfung, Community und Kreislaufgedanken enger an die eigene Marke zu binden. Darüber berichtet auch Theguardian.com.

Teilen
Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.