B2B-Monitor 2026: KI erreicht den Einkauf, aber nicht alle Unternehmen
Der Schweizer B2B-Einkauf steht zwischen technologischer Öffnung und spürbarer Zurückhaltung. Wie Carpathia.ch unter Berufung auf den „B2B-Monitor 2026“ berichtet, ist KI inzwischen im Beschaffungsalltag angekommen, verteilt sich aber deutlich ungleich über die Unternehmenslandschaft. Insgesamt nutzen 27 Prozent der Befragten KI für die Produkt- oder Lieferantensuche. Bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden liegt der Anteil dagegen bei 54 Prozent. Damit zeigt sich: Nicht das Alter der Einkaufenden, sondern vor allem die Unternehmensgröße entscheidet darüber, wie stark neue Technologien bereits eingesetzt werden.
Der Monitor zeichnet ein ambivalentes Bild des B2B-Commerce in der Schweiz. Einerseits eröffnen digitale Werkzeuge neue Möglichkeiten in Sourcing, Beschaffung und Bestellprozessen. Andererseits bleiben die Erwartungen an neue Technologien insgesamt gedämpft. KI ist damit zwar sichtbar im Markt angekommen, aber längst nicht überall erwünscht. Besonders deutlich wird diese Spannung entlang der Customer Journey: Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit zählen zu den zentralen Anforderungen. 96 Prozent der Teilnehmenden bewerten die Verfügbarkeit in Echtzeit im Onlineshop als wichtig oder eher wichtig.
Auch bei der Systemintegration zeigt sich eine klare Trennlinie nach Unternehmensgröße. Während 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden regelmäßig oder gelegentlich aus dem eigenen System bestellen, sind es bei kleineren Firmen lediglich 19 Prozent. Größere Organisationen scheinen damit stärker in integrierte Prozesse eingebunden zu sein, während kleinere Betriebe häufiger auf andere Bestellwege setzen. Für Anbieter im E-Commerce bedeutet das: Technologische Lösungen müssen nicht nur leistungsfähig sein, sondern zur tatsächlichen Arbeitsweise der jeweiligen Zielgruppe passen.
Der Bericht differenziert zudem zwischen projektorientierten und produktorientierten Kunden. Projektorientierte Kunden kaufen demnach eher beim Händler, produktorientierte eher beim Hersteller ein. Besonders markant ist die Rolle des Großhandels bei Installateuren und Systemintegratoren: 68 Prozent dieser Gruppe decken sich primär im Großhandel ein und nicht direkt beim Hersteller. Damit bleibt der Handel in vielen B2B-Konstellationen ein wichtiger Beschaffungspartner, auch wenn Hersteller und digitale Kanäle an Bedeutung gewinnen.
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Dienstleistungen. Differenzierung entsteht nicht allein über Technologie, sondern weiterhin stark über persönliche Betreuung. 92 Prozent der Befragten halten den persönlichen Ansprechpartner für wichtig oder eher wichtig. Services wirken damit nicht nur als Faktor der Kundenbindung, sondern spielen laut Monitor indirekt auch eine Rolle in der Akquise. Gerade in einem Umfeld, in dem technologische Erwartungen verhaltener ausfallen, bleibt der Faktor Mensch ein entscheidender Bestandteil erfolgreicher B2B-Beziehungen.
Der „B2B-Monitor 2026“ ist die zweite Erhebung zum B2B-Commerce aus Einkaufssicht. Im Mittelpunkt stehen Sourcing und Beschaffung, Bestellprozesse und Systeme sowie Aftersales und Services. Die Online-Befragung wurde von April bis Juli 2026 durchgeführt und umfasst 146 vollständig ausgewertete Antworten. Nicht am Einkauf beteiligte Personen wurden über eine Kontrollfrage ausgeschlossen. Die Teilnehmenden stammen aus unterschiedlichen Branchen und Unternehmensgrößen; vertreten sind unter anderem Geschäftsführende, Projektleitende und Einkaufende. Die vollständige Publikation soll zeigen, wie unterschiedlich B2B-Einkauf heute funktioniert – und wo Unternehmen zwischen technologischen Möglichkeiten, bewährten Prozessen und persönlicher Interaktion Prioritäten setzen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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