Alibaba wächst vor allem mit Cloud und KI
Alibaba hat im Juni-Quartal vor allem dank seiner neuen Sparte AI Cloud and Compute Services deutlich zugelegt. Der Bereich, der das Cloud-Geschäft und die Chip-Einheit T-Head umfasst, steigerte den Umsatz um 45 Prozent auf 48,4 Milliarden Yuan beziehungsweise 7,26 Milliarden Dollar. Damit erreichte die Sparte laut berichtet Scmp.com das höchste Wachstumstempo seit 22 Quartalen.
Besonders dynamisch entwickelten sich die Produkte rund um KI: Sie erzielten 12,4 Milliarden Yuan beziehungsweise 1,86 Milliarden Dollar Umsatz und verzeichneten damit bereits das zwölfte Quartal in Folge ein dreistelliges Wachstum. Gegenüber dem Vorquartal, in dem 8,97 Milliarden Yuan ausgewiesen wurden, legte dieser Teil des Geschäfts erneut spürbar zu. Die Zahlen unterstreichen, wie stark Alibaba seine Wachstumsstory inzwischen auf Cloud-Infrastruktur, Rechenleistung und Anwendungen Künstlicher Intelligenz ausrichtet.
Auch das Kerngeschäft blieb im Plus, wenn auch deutlich moderater. Der E-Commerce-Bereich wuchs um vier Prozent auf 30,89 Milliarden Dollar. Insgesamt erhöhte sich der Konzernumsatz im Jahresvergleich um neun Prozent auf 269 Milliarden Yuan beziehungsweise 40,35 Milliarden Dollar. Damit lag Alibaba nahezu auf Höhe der Bloomberg-Konsensschätzung von 268,5 Milliarden Yuan und beschleunigte das Wachstum gegenüber dem Vorquartal, in dem der Konzern nur drei Prozent Umsatzplus erreicht hatte.
Die Ergebnisse zeigen jedoch auch die Kosten der neuen Prioritäten. Das bereinigte EBITDA fiel im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 27,3 Milliarden Yuan beziehungsweise rund vier Milliarden Dollar, lag damit aber über der Analystenerwartung von 26,6 Milliarden Yuan. Für die Bilanz bedeutet das: Alibaba wächst wieder schneller, muss dafür aber deutlich höhere Ausgaben schultern.
Die Investitionen stiegen um 75 Prozent auf 67,7 Milliarden Yuan beziehungsweise 10,16 Milliarden Dollar; im Vorquartal hatten sie noch bei 26,9 Milliarden Yuan gelegen. Gleichzeitig weitete sich der freie Mittelabfluss von 18,8 Milliarden Yuan im Vorjahr auf 44,7 Milliarden Yuan aus. Der Ausbau der Cloud-Infrastruktur belastet damit kurzfristig die Cash-Generierung, soll Alibaba aber im Wettbewerb um KI-gestützte Rechenkapazitäten strategisch stärker positionieren.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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