Kanadas Einzelhandel legt im Juni zu – Onlinegeschäft wächst besonders stark
Der kanadische Einzelhandel hat im Juni 2026 spürbar zugelegt: Die Umsätze stiegen laut Statistics Canada um 0,6 Prozent auf 74,3 Mrd. kanadische Dollar beziehungsweise umgerechnet 46,07 Mrd. Euro, wie Retail-Insight-Network.com berichtet. Sieben von neun Teilsegmenten meldeten höhere Erlöse. Besonders aussagekräftig ist der Kernumsatz ohne Tankstellen, Kraftstoffanbieter sowie Fahrzeug- und Teilehändler: Er wuchs um 1,2 Prozent und verzeichnete damit den zweiten monatlichen Anstieg in Folge.
Ein zentraler Wachstumstreiber war der digitale Handel. Saisonbereinigt legten die E-Commerce-Umsätze um 9,9 Prozent auf 3,53 Mrd. Euro zu; in kanadischer Währung entsprach das 5,7 Mrd. Dollar. Der Anteil des Onlinegeschäfts am gesamten Einzelhandel erhöhte sich von 7,1 Prozent im Mai auf 7,7 Prozent im Juni. Damit gewann E-Commerce innerhalb des kanadischen Handels deutlich an Gewicht, auch wenn der stationäre Handel weiterhin den Großteil der Umsätze stellt.
Auch mehrere klassische Handelssegmente entwickelten sich positiv. Händler mit Waren des täglichen und allgemeinen Bedarfs steigerten ihre Erlöse um 2,7 Prozent. Noch stärker fiel das Plus bei Bekleidung, Accessoires, Schmuck, Lederwaren, Gepäck und Schuhen aus: Dieses Segment wuchs um 3,1 Prozent. Fahrzeug- und Teilehändler verzeichneten ein Plus von 1,0 Prozent und damit den dritten Zuwachs in Folge. Insgesamt stiegen die Einzelhandelsumsätze preisbereinigt nach Volumen um 1,5 Prozent.
Schwächer entwickelte sich dagegen der Lebensmittel- und Getränkeeinkauf. Diese Kategorie war der einzige Kernbereich mit rückläufigen Erlösen: Die Verkäufe sanken um 0,4 Prozent. Supermärkte und andere Lebensmittelhändler ohne Convenience-Anbieter meldeten ein Minus von 0,6 Prozent, nachdem sie im Mai noch um 0,8 Prozent zugelegt hatten. Den stärksten Rückgang gab es bei Tankstellen und Kraftstoffanbietern, deren Umsätze um 4,1 Prozent fielen und damit eine viermonatige Wachstumsphase beendeten. Nach Volumen gerechnet stiegen die Verkäufe in diesem Segment jedoch um 4,2 Prozent.
Regional zeigte sich ein überwiegend positives Bild: In sieben Provinzen nahmen die Einzelhandelsumsätze zu. Ontario erzielte den größten Zuwachs in absoluten Dollarbeträgen; dort stiegen die Erlöse um 1,6 Prozent, gestützt durch stärkere Verkäufe im Bereich General Merchandise. Im Großraum Toronto legte der Einzelhandel sogar um 3,9 Prozent zu. Quebec meldete ein Plus von 0,5 Prozent, Montréal kam auf 1,0 Prozent. Alberta verzeichnete hingegen den stärksten Rückgang unter den Provinzen: Die Umsätze fielen um 1,3 Prozent, vor allem wegen schwächerer Verkäufe bei Tankstellen und Kraftstoffanbietern.
Für das zweite Quartal insgesamt weist Statistics Canada ein Umsatzplus von 2,2 Prozent aus, während die Absatzvolumina um 0,4 Prozent stiegen. Der positive Juni dürfte jedoch nicht ohne Anschlussrisiko bleiben: Die vorläufige Schätzung der Behörde deutet für Juli auf einen Rückgang um 0,8 Prozent hin. Damit bleibt die Entwicklung im kanadischen Einzelhandel trotz breiter Juni-Erholung und starkem Onlinewachstum anfällig für monatliche Schwankungen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge