Oxfam GB skaliert Online-Resale mit Thriftify
Oxfam GB führt die KI-Listing-Software Thriftify künftig flächendeckend ein. Wie Channelx.world berichtet, folgt die Entscheidung auf ein Pilotprojekt, in dem die Plattform deutliche Effizienz- und Verkaufseffekte gezeigt hat. Die Zahl der täglichen Online-Anzeigen pro Mitarbeiter stieg um 292 Prozent, der durchschnittliche Verkaufspreis legte um 24 Prozent zu, und die Kommissionierzeit je Bestellung sank um 51 Prozent.
Thriftify ist eine Omni-Channel-Plattform für den Wiederverkauf gebrauchter Waren. Die Software nutzt KI, um aus Fotos gespendeter Mode automatisch vollständige, marktplatzfähige Produktanzeigen zu erstellen. Dazu gehören Angaben zu Größe, Material, Passform, Bundhöhe, Saison und weitere Artikelmerkmale, die insbesondere für die Suche auf Ebay relevant sind. Im Pilotprojekt wuchs die Menge der Artikeldaten pro Produkt laut Thriftify um bis zu 1.200 Prozent.
Für Oxfam GB ist der Schritt vor allem operativ bedeutsam: Mehr Artikel können schneller gelistet, präziser beschrieben und über mehrere Kanäle gleichzeitig veröffentlicht werden. Die automatisch ergänzten Produktdaten verbessern die Auffindbarkeit in Marktplatzsuchen und tragen dazu bei, dass Artikel schneller und zu höheren Preisen verkauft werden. Julie Tyrrell, Head of E-commerce & Retail Sustainability bei Oxfam GB, betont, jeder durch gespendete Waren erwirtschaftete Pfund könne in die Arbeit gegen Armut fließen. Thriftify helfe dabei, mehr Produkte zu listen, höhere Durchschnittspreise zu erzielen und die Abverkaufsrate zu steigern.
Die Vereinbarung unterstreicht zugleich die zunehmende Professionalisierung des digitalen Secondhand-Handels. Oxfam GB zählt zu den größten Resale-Unternehmen Großbritanniens und gilt als ursprünglicher Charity-Retailer. Für Thriftify ist die Partnerschaft ein wichtiger Enterprise-Gewinn: CEO Rónán Ó Dálaigh bezeichnet die Zusammenarbeit als starke Bestätigung der eigenen Lösung und verweist darauf, dass die Plattform jeden Schritt der Wertschöpfungskette eines gebrauchten Artikels verbessern soll – vom Sortier- und Auswahlprozess bis zur Lieferung an den Kunden.
Der Markt bietet dafür erhebliches Potenzial. Der britische Charity-Retail-Sektor erwirtschaftet laut Charity Retail Association jährlich mehr als 387 Millionen Pfund Gewinn und umfasst über 10.000 Shops. Der Online-Wiederverkauf gilt als am schnellsten wachsender Teil dieses Segments. Große Wohltätigkeitsorganisationen stehen damit vor der Aufgabe, gespendete Ware in größerem Maßstab effizient in Einnahmen umzuwandeln. Oxfams Ausbau mit Thriftify zeigt, wie Automatisierung im Resale diese Entwicklung beschleunigen kann – und macht deutlich, welche Rolle datenreiche Listings künftig im E-Commerce mit gebrauchten Produkten spielen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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