Kurier übergibt Essenslieferung an Kundin an moderner Wohnungstür in der Dämmerung
© Black Forest Labs / Flux

Amerikaner sparen – nicht bei Lieferdiensten

Doordash, Uber Eats und Instacart verbuchen im jüngsten Quartal deutliches Wachstum, während amerikanische Verbraucher sonst den Gürtel enger schnallen, berichtet Businessinsider.com. So habe Walmart unlängst das schwächste vergleichbare Wachstum seit 2020 gemeldet, die Einzelhandelsumsätze wären insgesamt um 0,6 Prozent geschrumpft. Die Gründe für das Liefer-Plus wären Bequemlichkeit und der leichte Zugang. Für Nicht-Autofahrer seien Lieferdienste teilweise günstiger als der Supermarktbesuch.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Lieferdienste wachsen gegen den Sparkurs

Während viele Verbraucher in den USA ihre Ausgaben genauer prüfen, melden DoorDash, Uber Eats und Instacart im jüngsten Quartal deutliches Wachstum. Laut Businessinsider.com bleiben Kunden bereit, für gelieferte Restaurantgerichte und Lebensmittel mehr zu bezahlen. Das steht im Kontrast zur breiteren Konsumlage: Walmart verzeichnete zuletzt das schwächste vergleichbare Wachstum seit 2020, die US-Einzelhandelsumsätze sanken im Juli um 0,6 Prozent statt wie erwartet um 0,1 Prozent zu steigen.

Die Entwicklung zeigt eine auffällige Verschiebung im Konsumverhalten: Gespart wird nicht überall gleichermaßen. Bei Restaurantbesuchen und Einkäufen achten viele zwar stärker auf den Preis, was etwa Burger King und Chili’s mit wertorientierten Menüangeboten Rückenwind gibt. Gleichzeitig bleibt Lieferung ein Ausgabeposten, den viele Nutzer rechtfertigen können — selbst dann, wenn einzelne Bestellungen deutlich teurer sind als der Einkauf oder die Abholung vor Ort.

Ein zentraler Treiber ist die wachsende Reichweite der Plattformen. DoorDash erweitert nach Angaben von CFO Ravi Inukonda das Angebot kontinuierlich um zusätzliche Händler. Dazu zählen mehr regionale Lebensmittelhändler sowie die Möglichkeit, über Kroger mit SNAP-Lebensmittelhilfen zu bestellen. Damit werden Liefer-Apps nicht nur für Restaurantessen genutzt, sondern stärker als Infrastruktur für den täglichen Bedarf. Inukonda verweist zudem auf die besondere Stabilität der Kategorie: Menschen essen regelmäßig, „21 Mal pro Woche“, ob als Mahlzeit oder über Lebensmitteleinkäufe.

Für viele Kunden entscheidet vor allem der praktische Nutzen. Nutzer berichten gegenüber Business Insider, dass die Lieferung an die Haustür den Aufpreis wert sei. Ein 41-jähriger DoorDash-Kunde aus der Nähe von Philadelphia bestellt nach eigenen Angaben fünf- bis sechsmal pro Woche Abendessen, lebt mit einer Behinderung und fährt nicht Auto. Für ihn bedeuten DoorDash, Instacart und Walmart+ nicht nur Komfort, sondern ein Stück Unabhängigkeit. Der Moment, in dem die Bestellung ankommt, wird zudem als unmittelbare Belohnung beschrieben — vergleichbar mit der positiven Rückmeldung in sozialen Medien.

Auch Zeitersparnis spielt eine große Rolle. Ein DoorDash-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, nutzt die App mindestens dreimal pro Woche für Mittagessen. Zwar profitiert er von einem arbeitgeberfinanzierten DashPass, der Liefergebühren entfernt und Servicegebühren reduziert. Doch selbst ohne diesen Vorteil wäre der Dienst aus seiner Sicht die Kosten wert, weil Einkaufen, Planen, Kochen und Aufräumen erheblich mehr Zeit beanspruchen würden.

Andere Nutzer haben ihre Bestellfrequenz seit der Pandemie reduziert, halten aber an den Apps fest. Ein pensionierter Tech-Mitarbeiter aus Texas berichtet, seine Familie habe 2020 drei- bis viermal pro Woche über DoorDash und Uber Eats bestellt. Heute nutzt sie die Dienste seltener, aber weiterhin für Abholbestellungen oder nach besonders anstrengenden Tagen. Dann überwiegt der Wunsch, Essen ohne zusätzlichen Aufwand zu erhalten — für viele bleibt Lieferung damit bezahlter Komfort, nicht bloßer Luxus.

Für Haushalte ohne Auto kann Lebensmittellieferung sogar günstiger sein als der Weg in ein Geschäft. Eine Kundin aus der Nähe von Austin nutzt Walmart+ für den Großteil ihrer Einkäufe und DashPass etwa einmal im Monat für Restaurantlieferungen. Da sie kein Auto besitzt, kann die Lieferung eine Alternative zu zusätzlichen Wegen, Zwischenkäufen oder teureren Optionen im stationären Handel sein. Damit erklärt sich ein Teil des Wachstums: Lieferdienste profitieren nicht allein von Bequemlichkeit, sondern auch von Zugang, Alltagstauglichkeit und einer immer breiteren Rolle im E-Food-Markt.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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