Abstrakte 3D-Illustration symbolisiert Prüfung einer Firmenübernahme durch US-Behörde
© Black Forest Labs / Flux

Washington prüft Sheins Everlane-Kauf

Der US-Ausschuss Cfius prüft Sheins Kauf des amerikanischen Modehändlers Everlane, berichtet Scmp.com. Shein habe die Prüfung zwar selbst angestoßen, allerdings erst, nachdem der 80-Mio.-Dollar-Deal im Mai bereits durch war. Üblich ist der umgekehrte Weg. Im Mittelpunkt stehe, dass Everlane Personendaten von Amerikanern verwalte. Cfius (Committee on Foreign Investment in the US) kann Übernahmen freigeben, mit Auflagen belegen oder rückabwickeln. Shein habe seinen IPO ursprünglich in New York geplant, sei aber nach kritischen Reaktionen nach Hongkong ausgewichen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Cfius prüft Sheins Everlane-Kauf nachträglich

Der US-Ausschuss Cfius nimmt Sheins Kauf des amerikanischen Modehändlers Everlane unter die Lupe. Wie Scmp.com berichtet, geht es um eine nationale Sicherheitsprüfung, die nach Abschluss der Transaktion eingeleitet wurde. Der Fall ist für Shein besonders heikel, weil der in China gegründete Fast-Fashion-Anbieter in einem seiner wichtigsten Märkte ohnehin mit wachsenden regulatorischen Hürden konfrontiert ist.

Im Zentrum steht ein 80-Mio.-Dollar-Deal, der bereits im Mai abgeschlossen wurde. Shein soll die Prüfung freiwillig angestoßen haben, allerdings erst nach dem Vollzug der Übernahme. Genau dieser Ablauf gilt als ungewöhnlich: Unternehmen suchen die Freigabe durch das Committee on Foreign Investment in the US normalerweise vor dem Closing, weil eine Cfius-Genehmigung spätere Anfechtungen in der Regel verhindert.

Der Kern der Prüfung betrifft mögliche Risiken rund um Personendaten von Amerikanern. Everlane verwaltet solche Daten, weshalb die Transaktion aus Sicht der US-Behörden sicherheitsrelevant sein könnte. Damit rückt nicht allein ein Modegeschäft in den Fokus, sondern auch die Frage, wie sensibel Kundendaten bei grenzüberschreitenden Firmenkäufen behandelt werden. Für den Datenschutz im internationalen Handel ist der Fall daher ein weiterer Hinweis auf die wachsende Bedeutung regulatorischer Kontrolle.

Cfius ist ein behördenübergreifendes Gremium unter Führung des US-Finanzministeriums. Es kann Transaktionen freigeben, mit Bedingungen versehen, blockieren oder rückabwickeln, wenn eine Gefährdung der nationalen Sicherheit festgestellt wird. Die laufenden Verfahren sind vertraulich; das Finanzministerium äußerte sich dem Bericht zufolge nicht. Shein erklärte, das Unternehmen sei zur Einhaltung geltender Regeln in allen Märkten verpflichtet, in denen es tätig ist.

Für Shein kommt die Prüfung zu einem sensiblen Zeitpunkt. Das Unternehmen hatte seinen Börsengang ursprünglich in New York geplant, wich nach kritischen Reaktionen jedoch nach Hongkong aus. Zugleich unterhält Shein trotz der Verlegung seines Hauptsitzes nach Singapur weiterhin wesentliche Aktivitäten in China. Die Cfius-Prüfung zeigt damit, wie eng Marktexpansion, Datenzugriff und geopolitische Bewertung inzwischen miteinander verbunden sind.

Der Fall ist mehr als eine nachträgliche Formalie. Sollte Cfius Auflagen verlangen oder die Transaktion infrage stellen, könnte dies Sheins Position im US-Markt belasten. Zugleich sendet das Verfahren ein Signal an internationale Handels- und Plattformunternehmen: Bei Käufen von Firmen mit Zugang zu sensiblen Kundendaten kann eine regulatorische Prüfung auch dann noch erhebliche Folgen haben, wenn der Deal bereits abgeschlossen ist.

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Björn Böer
RedaktionBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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