Speicherkrise treibt Gerätepreise nach oben
Amazon erhöht die Preise für eigene Geräte wie Kindle-E-Reader, Fire-TV-Produkte und Echo-Lautsprecher deutlich. In vielen Fällen liegen die Aufschläge laut T3N.de bei 40 Prozent und mehr. Die Preisanpassungen waren in den USA bereits einige Tage zuvor sichtbar und erreichen nun auch weitere Märkte. Hintergrund ist die anhaltende Speicherkrise, die Elektronikhersteller zunehmend zwingt, höhere Einkaufskosten an Kund:innen weiterzugeben.
Auslöser ist der starke Ausbau von Rechenzentren im Zuge des KI-Booms. Für die neue Infrastruktur werden große Mengen an Chips, SSDs und Arbeitsspeicher benötigt. Chiphersteller richten ihre Produktion daher stärker auf diesen Bedarf aus, weil die Ausstattung neuer Rechenzentren als besonders lukrativ gilt. Die Folge: Speicherkomponenten für Computer, Laptops, Smartphones und smarte Geräte werden knapper und teurer. Damit geraten auch Hersteller unter Druck, deren Produkte bislang stark über attraktive Einstiegspreise verkauft wurden.
Amazon steht mit den Erhöhungen nicht allein. Auch Apple verlangt für ein Macbook Air inzwischen rund 200 Euro mehr als noch vor wenigen Monaten; beim iPad lag der Preis vor einem halben Jahr etwa 50 Euro niedriger. Zudem haben Samsung, Dell und Lenovo ebenfalls Preiserhöhungen angekündigt. Die Entwicklung zeigt, dass die Speicherknappheit nicht nur einzelne Produktlinien betrifft, sondern weite Teile der Elektronikbranche erfasst.
Kindle, Echo und Fire TV werden teurer
Besonders sichtbar sind die neuen Preise bei Amazons hauseigenen Geräten. Beim Kindle Paperwhite, einem der populären E-Reader-Modelle, steigt der Preis von bisher 169,99 Euro auf künftig 209,99 Euro. Das Gerät bietet ein 7-Zoll-Display mit E-Ink-Technologie, einen internen Speicher von 16 Gigabyte und laut Herstellerangaben eine Akkulaufzeit von bis zu 128 Stunden pro Ladung. Für Leser:innen bleibt der Kindle damit ein kompaktes Gerät für E-Books, Zeitschriften und Comics, wird aber deutlich teurer.
Auch Echo-Geräte sind betroffen. Amazons Alexa-Lautsprecher dienen unter anderem zum Abspielen von Musik, zum Stellen von Timern, für Wetter- und Verkehrsinformationen sowie zur Steuerung von Smart-Home-Geräten wie Lampen oder Staubsaugrobotern. Fire-TV-Produkte zählen ebenfalls zu den Gerätegruppen, bei denen Amazon die Preise anhebt. Laut Bericht sind auf dem Marktplatz jedoch weiterhin einzelne reduzierte Angebote sichtbar, sodass Käufer:innen aktuell noch unter Umständen zu alten oder rabattierten Konditionen bestellen können.
Für Verbraucher:innen bedeutet die Entwicklung vor allem: Wer ohnehin ein Kindle-, Echo- oder Fire-TV-Gerät kaufen wollte, sollte Preise sorgfältig vergleichen und laufende Rabatte prüfen. Die Branche reagiert auf eine Kostenwelle, die durch knappe Speicherkomponenten ausgelöst wurde und sich bereits bei mehreren großen Herstellern zeigt. Kurzfristig können vorhandene Angebote noch attraktiv sein; mittelfristig dürfte die neue Preisbasis jedoch den Markt für viele Elektronikprodukte prägen. Entscheidend ist daher ein bewusster Kaufzeitpunkt, insbesondere bei Geräten, deren Preise bereits angehoben wurden oder kurz vor einer Anpassung stehen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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