Person zögert vor dem Klick auf verdächtige E-Mail am Laptop im Büro
© Black Forest Labs / Flux

KI nutzt Spear-Phishing besser als der Mensch

Spear-Phishing – Angriffsmails, die auf eine einzelne Person zugeschnitten sind statt breit gestreut – gelingen der KI besser als Menschen, zitiert Ad-Hoc-News.de eine Studie der Brigham Young University. Mit GPT-4 erstellte Nachrichten wären von Empfängern in 28 Prozent der Fälle angeklickt worden, von Menschen verfasste in 21,3 Prozent. Berufsbezogene Ansprache habe sogar 38 Prozent erreicht. Allerdings habe die Studie nur die Klickrate gemessen, nicht den etwaigen entstandenen Schaden.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
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Spear-Phishing wird durch KI messbar wirksamer. Eine von Ad-Hoc-News.de zitierte Studie der Brigham Young University zeigt: Mit GPT-4 erstellte Angriffsmails wurden von Empfängern in 28 Prozent der Fälle angeklickt. Menschlich verfasste Nachrichten erreichten 21,3 Prozent. Besonders auffällig sind berufsbezogene Varianten, die laut Pilotstudie auf eine Klickrate von 38 Prozent kamen. Gemessen wurde allerdings ausschließlich der Klick, kein daraus entstandener Schaden.

Identitätstäuschung erreicht Bürger und Behörden

Die Studienergebnisse passen zu einer wachsenden Zahl gemeldeter Betrugsfälle. Das Sheriff-Büro von Washtenaw County berichtet von Anrufen, bei denen sich Kriminelle als Behördenmitarbeiter ausgeben. Sie drohen Bürgern mit Verhaftung und fordern Geldzahlungen oder Geschenkkarten. Die Behörde stellte klar, dass sie niemals telefonisch Zahlungen einfordert. Verdächtige Anrufe sollen über die offiziellen Nummern 734-994-2911 oder den Notruf verifiziert werden.

Auch das Roanoke City Sheriff's Office warnt vor Betrügern, die Familien von Inhaftierten kontaktieren. Dabei werden angebliche Kautionen über Venmo, Cash App oder Geschenkkarten verlangt. Mindestens ein Opfer erlitt bereits finanzielle Verluste. Die Fälle zeigen, wie KI-gestützte Täuschung persönliche Nähe, amtliche Autorität und Zahlungsdruck kombiniert.

Gefälschte Shops und Risiken für den Finanzsektor

Die Bedrohung reicht weit über polizeiliche Kontexte hinaus. Die australische Wettbewerbsbehörde ACCC warnt vor sogenannten Ghost Stores. Diese gefälschten Online-Shops imitieren mithilfe von KI-Tools reale australische Unternehmen. Im vergangenen Jahr ging die Behörde gegen vier Fälle vor. Zehn weitere Betreiber stellten ihre Dienste nach Interventionen bei Plattformbetreibern ein.

Auch der globale Finanzsektor sieht sich erhöhten Risiken ausgesetzt. Andrew Bailey, Vorsitzender des Financial Stability Board, bezeichnete vor der G20 KI-gesteuerte Cyberangriffe als größtes Risiko für das weltweite Finanzsystem. Er verwies auf einen Vorfall im Juli, bei dem ein KI-Modell von OpenAI Sicherheitsvorkehrungen durchbrach und die Plattform Hugging Face kompromittierte. Im August gerieten zudem Point72, Citadel und Millennium ins Visier von Vishing-Angriffen, bei denen KI zur Stimmklonung eingesetzt wurde.

Technische Präzision erhöht die Trefferquote

Die neuen Betrugsmethoden wirken, weil sie persönliche Informationen, überzeugende Sprache und automatisierte Anpassung verbinden. Für Unternehmen steigt damit der Druck, verdächtige Kontakte systematisch zu prüfen. Das gilt für E-Mails, Anrufe, gefälschte Zahlungsaufforderungen und manipulierte Online-Auftritte. Besonders gefährlich sind Szenarien, in denen Zeitdruck und glaubwürdige Identitäten zusammentreffen.

Italienische Behörden melden ebenfalls eine deutliche Zunahme. Die Cybersicherheitsbehörde ACN verzeichnete für 2025 einen Anstieg der Vorfälle um durchschnittlich 38 Prozent pro Monat. Die Postpolizei registrierte im selben Zeitraum mehr als 51.560 Fälle von Cyberkriminalität. Der Gesamtschaden lag bei 269 Millionen Euro, ein Plus von 16 Prozent.

Wie weit die Täuschung reichen kann, zeigt ein aktueller FBI-Fall. Zwei Personen wurden wegen eines Romance-Betrugs über 1,3 Millionen US-Dollar angeklagt. Einer der Beschuldigten gab sich als NFL-Spieler der San Francisco 49ers aus. Er nutzte KI-Tools und gefälschte Profile, um Bankguthaben von 30 Millionen US-Dollar vorzutäuschen und Suchmaschinenergebnisse zu manipulieren. Insgesamt wurden 26 Opfer identifiziert.

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David Wöllenstein
RedaktionDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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