Streaming setzt sich weiter ab
Die Mediennutzung in Deutschland verschiebt sich weiter in Richtung Internet. Laut Bitkom-Befragung rufen 89 Prozent der Deutschen Videos, Sendungen oder Filme über das Internet ab. Klassisches Fernsehen über Kabel, Satellit oder Antenne bleibt mit 81 Prozent aber weiterhin fest im Alltag verankert. Besonders deutlich zeigt sich der Altersunterschied: Bei Menschen ab 65 Jahren liegt lineares Fernsehen mit 94 Prozent noch vor Videostreaming mit 68 Prozent. Bitkom wertet diese Entwicklung als langfristigen Strukturwandel, der sich mit dem Generationenwechsel weiter zugunsten des Streamings verschieben dürfte.
Auch Zahlungsbereitschaft ist vorhanden. 61 Prozent der Videostreaming-Nutzenden zahlen für Inhalte. 46 Prozent geben Geld für einzelne Abrufe aus, im Schnitt 12,80 Euro monatlich. 44 Prozent nutzen kostenpflichtige Abos und zahlen durchschnittlich 18,50 Euro pro Monat. Neue Abo-Modelle mit Werbung stoßen dagegen auf Vorbehalte: 59 Prozent stört es, mehr zahlen zu müssen, um werbefrei zu schauen.
Audio bleibt hybrid
Beim Hören zeigt sich ein ähnliches Bild. 88 Prozent der Befragten streamen Audioinhalte, zugleich bleiben 91 Prozent dem klassischen Radio treu. Auffällig ist die Rangfolge der digitalen Angebote: 69 Prozent nutzen Videoplattformen zum Hören, reines Audio-Streaming folgt mit 63 Prozent auf Platz zwei. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Video- und Audioplattformen weiter. Für Anbieter von Musik, Podcasts und begleitenden Medienformaten bleibt relevant, dass Nutzung nicht zwingend über spezialisierte Audio-Dienste erfolgt.
Parallel verändern Geräte und Zubehör den Markt. VR-Brillen und Smart Glasses etablieren sich laut Bitkom allmählich. Zudem suchen 71 Prozent regelmäßig ihre Kopfhörer. Solche Alltagsbefunde zeigen, wie stark Unterhaltungselektronik bereits in mobile und persönliche Nutzungssituationen eingebunden ist.
KI erzeugt Nachfrage nach Kennzeichnung
Der technische Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz prägt Filme, Musik und vernetzte Geräte. Gleichzeitig ist das Vertrauen an klare Transparenz gebunden. 91 Prozent verlangen eine eindeutige Kennzeichnung von KI-erzeugten Medieninhalten. Die Sorge vor Marktveränderungen ist ebenfalls ausgeprägt: 72 Prozent sehen KI als Bedrohung für die Filmindustrie, 75 Prozent für die Musikindustrie.
Für Medienanbieter und Plattformen entsteht damit ein klarer Handlungsrahmen. KI-Funktionen können neue Formate ermöglichen, müssen aber nachvollziehbar gekennzeichnet werden. Gerade bei synthetischen Stimmen, Bildern oder Musikstücken dürfte Transparenz ein zentraler Faktor für Akzeptanz bleiben.
Markt für Unterhaltungselektronik schrumpft weiter
Die wirtschaftliche Lage der Branche bleibt angespannt. Bitkom prognostiziert für 2026 einen Rückgang der Umsätze mit Unterhaltungselektronik um 2,4 Prozent von 7,8 auf 7,6 Milliarden Euro. Nach dem coronabedingten Hoch von 9,3 Milliarden Euro sinkt der Markt damit das sechste Jahr in Folge. Bitkom-Präsidiumsmitglied Olaf May verweist auf selektiveres Kaufverhalten: Größere Anschaffungen würden stärker abgewogen, verschoben oder über Aktionen realisiert.
Flat-TVs bleiben mit 2,81 Milliarden Euro der größte Einzelbereich, liegen aber 3,5 Prozent unter Vorjahr. Die Fußball-WM und größere Bildschirme stützen zwar den Absatz, Preisdruck und Promotions belasten jedoch die Erlöse. Spielekonsolen erreichen nach einem starken Vorjahr voraussichtlich 840 Millionen Euro und verlieren 9 Prozent. Audiogeräte sinken um 4 Prozent auf 870 Millionen Euro.
Leicht im Plus liegen nur einzelne Segmente. Audio- und Videozubehör wächst auf 1,71 Milliarden Euro, Digitalkameras legen um 2 Prozent auf 580 Millionen Euro zu. Sonstige Consumer Technology wie Blu-ray- und DVD-Player, Media-Sticks, Set-Top-Boxen oder Wechselobjektive kommt auf 810 Millionen Euro. Der nächste Prüfpunkt bleibt, ob neue Geräteklassen und KI-Funktionen den Umsatzrückgang im Markt von 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2026 bremsen können.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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