"Acht Euro Stundenlohn muss möglich sein"

"Acht Euro Stundenlohn muss möglich sein"

Dirk Rahn, Geschäftsführer Operations bei Hermes, spricht über ein Gütesiegel für die Vertragspartner und verbesserte Arbeitsbedingungen der Paketboten.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Mit welchem Ergebnis?
Zunächst haben wir die Zusteller befragt, wie zufrieden sie mit ihren Arbeitsbedingungen sind. Nun haben wir sämtliche unserer rund 400 Vertragspartner, die für uns die Auslieferung managen, zertifiziert.

Und was muss ein Partner tun, um zertifiziert zu werden?
Jedes Unternehmen muss 85 Fragen beantworten. Bekommen die Zusteller den Stundenlohn, den Hermes erwartet? Gibt es eine Entgeltfortzahlung im Urlaubs- und Krankheitsfall? Wird die tägliche Arbeitszeit von maximal zehn Stunden nicht überschritten? Sobald auch nur ein beschäftigter Zusteller gefunden wird, bei dem eine dieser Anforderungen nicht erfüllt wird, bekommt sein Arbeitgeber kein Zertifikat.

Wie wollen Sie festangestellte und solche Boten vergleichen, die wiederum als Subunternehmer bei Ihren Vertragspartnern arbeiten?
70 Prozent der Zusteller sind festangestellt, nur noch 30 Prozent arbeiten als Subunternehmer. Wir wollen keine Kettenverträge etwa für Subunternehmer von Subunternehmern mehr. Das überprüfen wir – wie auch Fragen nach der Sicherheit am Arbeitsplatz und der Einhaltung der Hermes-Umweltnormen – bei der Auditierung unserer Vertragspartner.

Im besagten ARD-Bericht war auch von miserabler Entlohnung der im Auftrag von Hermes tätigen Fahrer die Rede. 60 Cent pro ausgeliefertes Paket wurden genannt.
Das ist nicht akzeptabel. Entsprechend stellen wir derzeit in Zusammenarbeit mit den Vertragspartnern die Entlohnung der Fahrer um. Sie sollen nicht mehr nach Stück – also gelieferten Paketen – sondern nach Stunden bezahlt werden. Damit wird auch Geld verdient, wenn eine Sendung nicht zugestellt werden konnte. Ein für Hermes tätiger Zusteller muss auf jeden Fall zwischen sieben und acht Euro Stundenlohn verdienen.

Haben auch Vertragspartner das Zertifizierungsverfahren nicht bestanden?
Oh ja, etwa ein Drittel muss nachbessern. Aber es gibt Unterschiede: Da fehlt nur ein Feuerlöscher – woanders hingegen wird noch per Stücklohn bezahlt. Hier geben wir den Firmen zwischen zwei und vier Wochen Zeit nachzubessern.

So ein Gütesiegel für vorbildliche Vertragspartner gilt dann ewig?
Nein, die Auditierung wird jährlich wiederholt.

Interview: Steffen Gerth

Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins Online Handel erschienen. Hier können Sie ein kostenloses Probeexemplar anfordern.

Teilen
David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.