
Aldi verstößt gegen die reine Discounterlehre
Aldi hat in den zuletzt kräftig die Preise gesenkt - aber das interessiert die Kunden nur bedingt. Der Discounter will nun mit einem ungewohnten Angebot die Konsumenten in seine Läden ziehen.
Thomas RehmRedakteurRewe und selbst Lidl machen es vor
Für je zehn Euro Einkaufswert erhalten die Aldi-Süd-Kunden ab dem 18. Oktober sechs Wochen lang je eine Stickertüte mit Panini-Sammelbildern für das National-Geographic-Sammelalbum "Die Welt in Farbe". Insgesamt 168 Bilder samt Album sollen kindliches Quengelpotenzial wecken.
Das ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Schließlich lockt die Konkurrenz seit Jahren mit ähnlichen Angeboten: Rewe etwa zuletzt mit Sammelkarten zur Fußball-Weltmeisterschaft. Und auch Discount-Konkurrent Lidl ging schon erfolgreich mit Stikeez-Sammelfiguren auf Kundenfang.
Wer billig verkauft, macht auch weniger Umsatz
Und doch sorgt es bei Experten für einiges Aufsehen. "Das ist nach meiner Kenntnis ein absolutes Novum bei Aldi", erklärt der Handelsexperte Matthias Queck vom Marktinformationsdienst Planet Retail. "Genaugenommen ist es ein Verstoß gegen die reine Discounter-Lehre, alle unnötigen Kosten zu vermeiden, um ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu gewährleisten." Auch Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte bei der GfK, ist überzeugt: "So etwas hat es noch nicht gegeben."
Doch gibt es gute Gründe für Aldi, nicht länger nur auf Rotstiftaktionen zu setzen. Denn die aggressiven Preissenkungen in diesem Jahr sind für Aldi ein zweischneidiges Schwert. Zwar konnte der Marktführer damit sein Preisimage schärfen, wie GfK-Experte Adlwarth betont. Doch sei es dem Discounter nicht gelungen, durch die Preisreduzierungen die eigenen Umsätze anzukurbeln. Schließlich zieht die Konkurrenz meist umgehend nach.
Supermärkte steigern Umätze, Disounter nicht
Generell laufen die Geschäfte der deutschen Discounter in diesem Jahr nicht besonders gut. Während die klassischen Supermärkte in den ersten acht Monaten dieses Jahres ihre Umsätze um 1,8 Prozent steigern konnten, hatten die Discounter laut GfK rund 1,3 Prozent weniger Geld in den Kassen - nicht zuletzt wegen des Preiskampfes.
Aber auch aus einem anderen Grund ist die Sammelbild-Aktion nach Einschätzung von Queck für Aldi attraktiv: Das Unternehmen will damit offenbar Kinder und junge Familien wieder stärker an sich binden. "Denn bei jüngeren Käuferschichten hat das Unternehmen längst nicht mehr die unangefochtene Marktstellung wie bei der älteren Generation", beobachtet Queck. "Die Jüngeren sind auch mit Lidl, Penny und Netto aufgewachsen." Der Erfolg von Lidl mit seinen Stikeez-Sammelfiguren dürfte Aldi Süd die Entscheidung erleichtert haben, glaubt der Experte.
Erich Reimann, dpa

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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