"Aldi wird zum Warenhaus"

"Aldi wird zum Warenhaus"

Der ehemalige Aldi-Manager und Albrecht-Vertraute Dieter Brandes skizziert im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa Zukunftsvisionen für den Discounter.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
2 Min.· Aktualisiert am
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Mit seinem Sohn Nils berät der Insider heute weltweit Handelsunternehmen. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur beantworten die beiden Experten Fragen zur möglichen Zukunft von Aldi. Aktive Manager des Unternehmens geben grundsätzlich keine Interviews.

Nähern sich Discounter und Supermärkte an?



Was das Sortiment angeht, nähern sich beide tatsächlich an: Discounter erweitern ihre Sortimente, Aldi ergänzt um Markenartikel, Supermärkte haben ihre Eigenmarken ausgeweitet und folgen den Preisen von Aldi und Lidl. Aldi jedoch tendiert zu einem neuen Format, das es bisher nicht gab: Aufgrund des steigenden Nonfood-Anteils wird Aldi zunehmend zu einer Art Warenhaus. Aldi Süd hat kürzlich viele Filialen erweitert mit einem weiteren Gang für Nonfood. Aldi verkauft deutlich mehr als 3.000 Nonfood-Artikel pro Jahr. Der Umsatzanteil beträgt 20 Prozent, bald vielleicht 30 Prozent.

Ist der Aldi-Aufbau mit vielen Regionalgesellschaften noch zeitgemäß?


 
Früher war es zwar auch wichtig, Konzernstrukturen mit umfassenden Publikationspflichten und Gesamtbetriebsrat zu vermeiden. Die Regionalgesellschaften sind aber vor allem eine wesentliche Methode, um Komplexität zu vermeiden. Kleine Einheiten sind überschaubarer, einfacher zu managen, produzieren bessere Ergebnisse. Aus unserer Sicht könnte Aldi sich sogar nochmals teilen. Beispielsweise in Aldi Nordwest und Nordost oder Aldi Südwest und Mitte mit jeweils 17 Regionalgesellschaften.

Muss auch Aldi irgendwann einen Internetshop eröffnen?



Muss nicht. Blumen haben sie schon. Sie werden sich aber sicherlich damit beschäftigen und das eventuell testen. Für Lebensmittel ist das allerdings ein zweifelhafter Weg. Besonders für einen Discounter, der niedrigste Kosten und niedrigste Verkaufspreise braucht. Und zu selten noch wird heute die Problematik der Zustellung an die Haustür beachtet.

Verwässern Markenartikel wie Coca-Cola das Aldi-Discountprinzip?


 
Ja, aus unserer Sicht ist das ein starker Verstoß gegen das erfolgreiche Aldi-Prinzip. Aldi wird Lidl immer ähnlicher. Zum Discountkonzept gehört, möglichst viele Eigenmarken zu verkaufen. Wenn man die gleiche oder bessere Qualität anbieten kann, streicht man die Industriemarke und bietet einen wesentlich niedrigeren Preis. Das sind oft bis zu 40 Prozent weniger.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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