Alibaba – in den Fesseln der kommunistischen Partei?

Alibaba – in den Fesseln der kommunistischen Partei?

Stellen wir uns vor, Uli Hoeneß würde die USA kritisieren - und Amazon entfernt daraufhin alle FC-Bayern-Trikots aus seinem Shop. Undenkbar. Nicht nur denkbar, sondern möglich ist derlei, wenn es um Alibaba und China geht. Dort wird gerade ein Club der National Basketball League (NBA) abgestraft. Der Fall ist eine warnende Lehre auch für deutsche Marken und Händler.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Was ist passiert?

Die Alibaba-Plattformen Taobao und Tmall sowie der Rivale JD.com haben offenbar Artikel des NBA-Clubs Houston Rockets aus dem Shop entfernt. Eine Suche nach "Houston Rockets" und "Rockets" liefert jedenfalls laut CNBC keine Ergebnisse. Dabei hatte sich doch Jack-Ma-Nachfolger und Alibaba-CEO Daniel Zhang gerade noch zum Rockets-Fan erklärt.

Hintergrund für die unsportliche Lage dürfte sein, dass Daryl Morey, General Manager des NBA-Teams, per Tweet die Hongkonger Anti-Regierungs-Proteste unterstützt hatte. Das nahm die Parteiführung in China wohl übel. Der staatliche Sender CCTV will außerdem keine Spiele der Rockets zeigen. Der wirtschaftliche Schaden für den Verein: immens. Der Image-Schaden für Alibaba und Co aber ist womöglich noch größer.

Denn die Frage stellt sich: Kann man mit einem Unternehmen unter solchen Bedingungen noch planbare Geschäfte machen?

Mit der Strafaktion dürften sich jedenfalls alle jene bestätigt fühlen, die Alibaba und andere Unternehmen lediglich als parteigetriebene Geschäftseinheiten sehen, die keinen eigenen Bewegungsspielraum im Markt haben. Zeigt das Verhalten doch, wie weit der Arm des Politbüros in den operativen Alltag hineinragt. Selbst oder sogar gerade beim größten börsennotierten Unternehmen Chinas.Schon werden in US-Foren wieder Stimmen lauter, die rein ideologische Gründe hinter dem Abgang vom Alibaba-Gründer Jack Ma (natürlich Parteimitglied) vermuten. Oder eher: persönliche Gründe. Xi Jinping, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, und die politische Führung würden, so heißt es salopp gesagt, auf Dauer keine anderen Götter neben sich dulden. Jack Ma aber sei längst zu prominent – und zu beliebt gewesen.

Fesseln der Parteiführung

Die zuweilen eher losen Fesseln scheinen jedenfalls wieder fester zu werden. Man sollte „nicht automatisch zu dem Schluss kommen, dass chinesische Unternehmen als Vertreter der Partei fungieren, weil diese Unternehmen letztlich immer noch für ihre eigenen Geschäftsentscheidungen verantwortlich sind. Aber die Linien sind gefährlich verschwommen. Chinesische innerstaatliche Gesetze und Verwaltungsrichtlinien sowie unausgesprochene Vorschriften und interne Parteikomitees machen es ziemlich schwierig, zwischen dem, was privat und dem, was staatlich ist, zu unterscheiden“, urteilte „Foreign Policy“, wahrlich kein Revolverblatt der Verschwörungstheoretiker, schon im Frühjahr.

Ärger für Tiffany

Daher regieren Unternehmen lieber mal hypersensibel auf eine verschnupfte Parteispitze in Peking. So handelte sich das Luxuslabel Tiffany gerade erst Ärger ein, weil es in einer Anzeige eine Frau zeigte, die ihre Hand über ihr rechtes Auge hielt. In China sah man darin eine Anspielung auf den Protestanten in Hongkong, dem im August ins Auge geschossen wurde. Tiffany liest das Werbemotiv (das übrigens schon im Juni zu sehen war) prompt verschwinden. Der Kotau folgte natürlich.

Mercedes-Benz entschuldigt sich für Dalai Lama


2018 musste sich Mercedes-Benz reumütig entschuldigen, weil man in einem Werbebildchen auf Instagram den Dalai Lama zitiert hatte. In China betrachtet man ihn als Staatsfeind. Das sind die sichtbaren Dinge. Hinter verschlossenen Türen reicht der Arm längst weiter. Etliche ausländische Unternehmen in China haben Parteikomitees im Haus. Schon 2017 zitierte Reuters Führungskräfte, die über den Einflussversuche von Parteivertretern berichteten – bis hin zu Vorstandsposten und Entscheidungsmacht über den Geschäftsbetrieb und Investitionen.MEHR ZUM THEMA:

Teilen
OK
Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.