
Amazon: Die Weltherrschaft ist nicht genug
Amazon bringt die Pizza. So schlagzeilten wir am Donnerstag. Der Restaurant-Lieferservice, er betrübt vor allem Anbieter wie Lieferando, Delivery Hero und Co. Es ist nicht das einzige Projekt der jüngsten Zeit, mit dem der Online-Riese auf den lokalen Handel schielt. Doch es geht um weit mehr.
"Amazon bringt die Pizza". So schlagzeilten wir am Donnerstag. Der Restaurant-Lieferservice, er betrübt vor allem Anbieter wie Lieferando, Delivery Hero und Co. Es ist nicht das einzige Projekt der jüngsten Zeit, mit dem der Online-Riese auf den lokalen Handel schielt. Doch es geht dabei um weit mehr.
Vorerst nur in Seattle hat Amazon ein Webangebot gestartet, mit dem Kunden via Amazon ihr Fast-Food bei der Pizzabude um die Ecke bestellen und via Amazon bezahlen können. Reichweite, Macht der Marke, Bequemlichkeit – das Angebot, als Submarke von Amazon Fresh installiert, könnte punkten.
Wenige Tage zuvor wurde klar, dass Amazon auch ins Reisegeschäft einsteigt und die Buchung einer handverlesenen Auswahl von Hotels ermöglichen will. Hier stand Amazon Local Pate, mit dem Amazon seit der Gründung 2011 jenseits von Schnäppchen nicht so recht etwas anzufangen wusste.
Der Gedanke rund um lokale Geschäfte steht auch im Fokus bei dem gerade erst angestoßenen Marktplatz für lokale Dienstleistungen "Amazon local Services". Handwerker-Dienste können Kunden in New York, Los Angeles und Seattle damit zum Kauf entsprechender Produkte gleich dazubuchen.
Generalangriff auf den lokalen Handel
Nimmt man noch Amazon fresh, jenen in den USA immer weiter ausgebauten Lebensmittel-Lieferdienst, dessen bislang unbestätigte Umsetzung in Deutschland auch hiesige Händler in panikartigen Betriebsamkeit versetzte, dann kann man darin einen Generalangriff auf den lokalen Handel und auf die lokale Infrastruktur sehen. Das sollte man auch.
Doch die Visionen von Amazon-Gründer Jeff Bezos reichen weiter.
Auf der Hardware-Seite zeigen Produkte wie Amazon Echo, wie sich Amazon darauf vorbereitet, sich im Smart-Home einzunisten. Der Zaubstab Amazon Dash, mit dem sich mal eben schnell die Produkte daheim scannen lassen, um sie später bei Amazon zu bestellen, positioniert sich als Haushaltshilfe. Und das ist ja auch noch das Amazon Smartphone, bislang ist das Weltidentifizierungswerkzeug allerdings eher ein Flop.
Von den aktuellen Vorstößen im Bereich Lokales sollten sich daher nicht nur einzelne Branchen bedroht fühlen.
Amazon geht es nicht nur darum, einzelne Märkte zu besetzen, sondern das Unternehmen platziert sich ganz bewusst in Allerweltssegmenten, die ein jeder vergleichsweise regelmäßig nutzt. Amazon will nämlich - und dazu gehören auch das Kindle, die Streaming Box Fire TV und Amazon Prime Instant Video - zum allumfassenden Betriebssystem des Alltags werden.
Betriebssystem des Alltags
In diesem Bild bekommt sogar der Vorstoß ins Pampers-Geschäft mit der Eigenmarke „Amazon Elements“ noch einmal zusätzliche Bedeutung. Wie kundenbindend kann es sein, wenn man von klein auf mit einem Alltagsprodukt der Marke groß wird? Wie vertrauensbildend kann es sein, wenn man Mütter und Väter mit einem Produkt an einer hochsensiblen Stelle überzeugt?
„Amazon Elements“ als elementare Markenerfahrung
Denn wenn Amazon für die Windeln per QR-Code zusätzliche Produktinformationen transparent macht, dann geht es dabei nur in erster Linie darum, Vertrauen in das Produkt aufzubauen und besondere verantwortungsvolle Produktionsmethoden zu kommunizieren. Auf lange Sicht geht es auch darum, dass Vertrauen in die Marke Amazon zu stärken und das Gefühl zu vermitteln, dass der Kunde mit ihr in allen Bereichen gut und sicher gepolstert ist.
Foto oben: Weitere entsprechende Bastelvorlagen bei cubeecraft.com. Die abgebildete Danbo-Vorlage stammt von Gizzlobber.
Wer nicht basteln will, bekommt das inoffizielle Amazon-Maskottchen im Shop auch als Aktion-Figur.
Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
Alle Beiträge