
Amazon gibt Verdi einen Korb
Nach der Kritik an seiner Beschäftigungspolitik will Amazon mehr Mitbestimmung im Unternehmen fördern. Der Onlinehändler hat allerdings keine Lust, mit der Gewerkschaft Tarifverhandlungen zu führen.
Björn BöerChefredakteur"Von Angriffen der Gewerkschaft enttäuscht"
"Von Verdis scharfen Angriffen und Anschuldigungen in den letzten Tagen sind wir enttäuscht", sagte die Sprecherin. Die Gewerkschaft hatte dem Unternehmen angesichts des Wirbels um den Umgang mit Leiharbeitern mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorgeworfen.
Verdi hatte zuvor mitgeteilt, Amazon wolle keine Tarifverhandlungen. Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nannte dies "völlig unakzeptabel".
Er kritisierte nach einem Gespräch mit der Amazon-Geschäftsführung am Standort Leipzig: "In der aktuellen Lage muss Amazon doch alles für ein besseres Image tun. Dazu gehört, wer viel von seinen Beschäftigten hält, muss auch bereit sein, faire Arbeitsbedingungen tariflich zu vereinbaren."
Verdi will Annahme des Flächentarifvertrags
Die Gewerkschaft kämpft um höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten des Versandhändlers. Verdi verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben.
Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche und sieht sich nicht als Einzelhandelsunternehmen. Amazon teilte mit, die Vergütung der Mitarbeiter liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.
Amazon war nach einem TV-Bericht über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in die Kritik geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst sowie von einem weiteren Dienstleister getrennt. In einer ARD-Dokumentation waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden.
dpa

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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