
Amazon-Mitarbeiter in Streiklaune
Für Verdi sind die aktuellen Streiks bei Amazon erfolgreich. Das Unternehmen hingegen versichert, dass es keine Lieferausfälle gebe. Vielleicht könnte sich das aber ändern.
Björn BöerChefredakteurMitarbeiter demonstrieren in Düsseldorf
Amazon erklärte, dass es keine Lieferverzögerungen gebe. Kunden erhielten ihre Ware pünktlich. "Wir nutzen unser Logistiknetzwerk in ganz Europa", sagte Unternehmenssprecherin Anette Nachbar. Verdi versucht seit mehr als einem Jahr, das Unternehmen mit Streiks zu Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen. Amazon sieht sich jedoch als Logistikunternehmen und lehnt das ab.
In Düsseldorf demonstrierten am Mittwochvormittag rund 200 Mitarbeiter der NRW-Standorte vor der Messe NeoCom, die Amazon-Geschäftsführer Ralf Kleber besuchte. Mitarbeiter aus Graben zogen am Mittag für eine Kundgebung vor die Amazon-Zentrale in München.
Krank durch Arbeit?
Der Grabener Verdi-Streikleiter Thomas Gürlebeck erhob außerdem schwere Vorwürfe gegen Amazon. Ein Viertel der Mitarbeiter in Graben sei "langzeitkrank". Die Gewerkschaft führt das auf eine hohe Arbeitsbelastung zurück. Krankmeldungen würden zudem nachlässig bearbeitet und Mitarbeiter für unentschuldigtes Fehlen zu Unrecht abgemahnt.
Amazon-Sprecherin Nachbar wies die Vorwürfe zurück. Die gewissenhafte Buchung von Krankschreibungen spiele eine sehr wichtige Rolle im Unternehmen.
Amazon-Mitarbeiter streiken seit Montagmorgen an den fünf Standorten. Bislang seien jeden Tag rund 2.000 der bundesweit 9.000 Beschäftigten dem Aufruf gefolgt. Nach Angaben von Amazon beteiligten sich am Montag rund 1.400 Mitarbeiter an dem Streik, am Dienstag seien es 1.650 gewesen. Am Mittwoch zählte Amazon bis zum Mittag etwa 820 Mitarbeiter.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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