Amazon Echo Look: Noch ein Sargnagel für den Handel

Amazon Echo Look: Noch ein Sargnagel für den Handel

Dank Kamera kann Amazon Echo jetzt auch gucken. Amazon Echo Look wird als Styling-Hilfe beworben. Ist aber auch ein gewaltiger Datensammler, der Amazon noch klüger macht. Wer im Daten-Wettrüsten nicht mithalten kann, bleibt alsbald auf der Strecke.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Es gibt eine Anekdote aus der Zeit als das Soziale Netzwerk StudiVZ noch in Saft und Kraft stand und mit dem jungen Shooting-Star Facebook über einen Verkauf verhandelte. Damals vor rund zehn Jahren saß das Management der Holtzbrinck-Tochter mit Selbstbewusstsein am Verhandlungstisch, musste sich dann aber von den Facebook-Managern die Nachricht vom bevorstehenden Untergang anhören.

„You are dead. You want to know, why you are dead? I can show you”, bekamen die verdutzten Manager damals zu hören. Das Wissen über das baldige Ende (2011 wurden die VZ-Netzwerke bei den Mitgliederzahlen in Deutschland erstmals von Facebook überholt) war weniger eine Folge von Schätzungen, sondern das Ergebnis kluger Datenprognosen. Heute ist StudiVZ im Grunde Geschichte und Facebook eines der Unternehmen in der Reihe der GAFA-Giganten (Google, Amazon, Facebook und Apple), die mit ihren Ökosystemen und Daten immer mehr Macht bei sich konzentrieren.

Giganten wie diese werden auf Dauer ihre Rivalen zu sterbenden Zuschauern machen. Was Riesen wie Amazon groß macht, ist nämlich nicht allein die atemberaubende Innovationsgeschwindigkeit, sondern das immer weiter um sich greifende Ökosystem, in dem sich immer mehr Daten sammeln und vernetzen lassen. Anders gesagt: Wer die Künstliche Intelligenz auf der Payroll hat, wird immer reicher, alle anderen werden langsam ärmer.

Warum beispielsweise schaut Amazon häufig unbekümmert zu, wie Startups scheinbar lukrative Märkte besetzen? Warum hat Amazon nicht, wie von etailment 2012 gefordert, beispielsweise Zalando gekauft? Wenn man weiß, wohin die Daten zeigen, kann man warten bis sich der Einstieg in den Markt für einen selbst richtig lohnt.

Mit dem Amazon Echo Look bietet Amazon nun einen digitalen Assistenten mit Kamera für Fotos und Video auf. Der kann dann mit Hilfe von Fashion-Experten und Algorithmen zunächst Styling-Tipps geben, aber auch Einkaufsempfehlungen. Aber nicht nur das. Es geht dabei um viel, viel mehr.Algorithmen sind längst schlau genug, um die Stimmung anhand der Mimik zu interpretieren, können nun leichter Problemzonen an Bauch und Po erkennen, Shopping-Routinen prognostizieren und Rückschlüsse auf die Ernährung treffen. Mit auf ewig gespeicherten Daten, wie sie Amazon Echo von dem Ganzkörperbild generiert, wissen Marketer besser denn je, wann sie dem Kunden welches Angebot in welcher Stimmung machen müssen. Dabei geht es nicht nur um schlichte Personalisierung und Individualisierung im Verbund mit all den Daten aus der Kaufhistorie und einer Fülle an demographischen Informationen. Gerade Plattformen und Netzwerke können mit leichter Hand das passende Produkt empfehlen, das gerade den größten Profit verspricht.

Künstliche Intelligenz entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit

Mit ihren Daten und mit wachsender Künstlicher Intelligenz sind Anbieter wie Amazon in einer deutlich besseren Position als jeder mittelständische Händler. Nur die großen Player (und man darf vielleicht mit etwas gutem Willen noch ein paar Handelsgiganten wie beispielweise Otto, Walmart, Media-Saturn, Zalando dazuzählen) können sich die Kosten für das intensive Datenmanagement leisten, sind attraktiv genug, um hunderte Entwickler täglich neue Code-Zeilen schreiben zu lassen. Dort, nicht im Vertrieb oder im Marketing, wird über die weitere Lebensfähigkeit entschieden.

Wer die Entwickler hat, wird der Gewinner sein

Nicht ohne Grund hat ja Rewe Digital, Digitalisierungs-Tochter des Konzerns, in einer mehr als überschaubaren Zeit, im Kölner Carlswerk mehr als 500 Mitarbeiter versammelt. Bei Zalando darf man die Zahl der Entwickler, die sich mit neuen Anwendungen und der Analyse großer Datenmengen beschäftigen, bei rund 2000 Menschen verorten. Wer aber die Entwickler hat und das passende Netzwerk hat, wird schneller wachsen als der atemlos hinterherhechelnde Wettbewerb. Mit guten Grund startet Amazon reichlich Lockangebote, damit Entwickler weitere Skills (Mini-Programme) für Alexa entwickeln.Dieses menschliche und technische Know how wird umso entscheidender, wenn sich digitale Sprachassistenten wie Amazon Echo und Google Home auf breiter Front durchsetzen. Bei Suchanfragen über die Sprach-Assistenten kann sich mangels Platz für vertonte Werbung nur noch der Top-Anbieter durchsetzen. Bei visuellen Suchanfragen der Generation Snapchat muss der visuelle Reiz sofort stimmig sein. Der Kampf um Platz 3 und 4 auf der Google-Suchergebnisseite wird uns gegen diesen Gladiatoren-Kampf dann wie ein Softball-Spiel vorkommen.

Eine Studie von Accenture erwartet, dass die Mehrheit der Kunden bereits in fünf Jahren überwiegend über solche digitalen Mittelsmänner einkauft.

Technology Vision 2017 - Overview from Accenture Technology

Diese Verbraucher schaufeln dann immer persönlichere Daten in die Server der Handelsriesen.Der Mittelbau, der ohnehin gerne am Kunden vorbei digitalisiert, wird damit nur noch weiter erodieren, selbst wenn er mit etlichen Klimmzügen mehr und Kanäle besetzt und den Kunden vom Showroom bis zu WhatsApp adressiert und seine Prozesse weiter digitalisiert.

Nur bei den guten reicht es dabei nämlich schon zum Daten-Monitoring, nur bei den Besten auch zu Analyse der Daten. Die meisten aber stecken immer noch in dem Dilemma, einen Prozess aufzusetzen, wie sie den Online-Gutschein in der Filiale einlösbar machen.Wahrscheinlich schaut sich das auch ein Amazon-Manager an und denkt sich dann „You are dead. You want to know, why you are dead? I can show you”.


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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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