Bio aus der Ferne: Billig für Verbraucher, teuer für die Umwelt

Bio aus der Ferne: Billig für Verbraucher, teuer für die Umwelt

Ein Großteil der Bio-Produkte kommt mittlerweile aus dem Ausland - dort ist die Produktion häufig günstiger als hierzulande. Der heimische Anbau dagegen droht zu stagnieren.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
Teilen
Drei Viertel der Bundesbürger haben inzwischen wenigstens gelegentlich Bioprodukte im Einkaufswagen, wie eine Studie des Bundesagrarministeriums ergab. Beliebter werden sie besonders bei jüngeren Kunden. Doch auf deutschen Äckern ist von dieser Dynamik nichts zu sehen: 2012 wuchs der Anteil der biologisch bewirtschafteten Felder nach amtlichen Daten nur noch um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent der gesamten Nutzfläche. Mit diesen gut einer Million Hektar steht Deutschland in der Welt an achter Stelle.

Lohnkosten in Deutschland hoch

Warum es nicht deutlich mehr wird? Bauernpräsident Joachim Rukwied formuliert es so: "Die relative Vorzüglichkeit ist nicht so stark ausgeprägt." Will sagen: Es lohnt sich nicht, trotz öffentlicher Beihilfen für den, der seinen Betrieb umstellen will. Wer als Bauer beispielsweise ohne Spritzmittel auskommen muss, braucht mehr Arbeitskräfte, um Unkraut zu bekämpfen. Doch die Lohnkosten in Deutschland sind vergleichsweise hoch, wie Rukwied erläutert. "Bio-Bauern in Rumänien und Bulgarien produzieren deutlich günstiger."

"Verarbeiter und Händler sind gezwungen, ausländische Ware zu kaufen, obwohl sie regionale bevorzugen würden", kritisiert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Seit Supermärkte und Discounter sowie zunehmend auch Kantinen und reine Bio-Ketten in den Städten Produkte mit dem Öko-Siegel fordern, kommt immer mehr Bioware per Schiff oder Lastwagen über die Grenze: jeder zweite Apfel, jeder dritte Liter Milch und jedes vierte Pfund Butter aus dem nachhaltigen Segment.

Branche fordert mehr Fördermittel

Dass gut die Hälfte des inzwischen mehr als sieben Milliarden Euro schweren Bio-Angebots in den Regalen von Supermärkten und Discountern steht, hat für die Kunden zwar auch einen Vorteil - die effizienten Abläufe der Branchenriesen senken Kosten und damit die Preise.

Der BÖLW verweist aber auf Nachteile: "Die Öko-Bilanz weit gereister Bio-Produkte verschlechtert sich deutlich." Dabei war die Öko-Bilanz den Vätern der Biobewegung ein Kernanliegen. Die Branche fordert vom neuen Agrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mehr Fördermittel für Betriebe und Forschung, damit sich Kunden wohnortnah eindecken können.

Vorteile für die Natur offensichtlich

Der neue Minister hält sich bislang bedeckt: "Wir schreiben niemandem etwas vor", ließ er sich zum Biomarkt von der "Bild"-Zeitung lediglich entlocken. "Entscheidend ist, dass wir den Verbrauchern eine große Vielfalt an hochwertigen und gesunden Lebensmitteln zur Verfügung stellen, aus der er auswählen kann, was ihm schmeckt." Woher die Ware kommen sollte, ließ Friedrich offen.

Für mehr Tempo beim Ausbau der heimischen Bioproduktion wirbt das Umweltbundesamt. Die Vorteile für die Natur seien offensichtlich, sagt der amtierende Präsident Thomas Holzmann und erinnert an das Ziel der Bundesregierung, auf 20 Prozent der Anbaufläche zu kommen.
"Wenn wir so weitermachen wie bisher, erreichen wir es im Jahr 2078."

Teilen
Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.