
Bischöfe verlieren Glauben an Weltbild
Die Verlagsgruppe Weltbild hat am Freitag vergangener Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Die katholischen Bischöfe als Eigentümer des Unternehmens verweigern die notwendigen Finanzmittel.
Björn BöerChefredakteurGeschäftsführung zeigt sich von Entscheidung der Bischöfe überrascht
Die Geschäftsführung um Carel Halff und Josef Schultheis gibt den Gesellschaftern die Schuld für den Gang zum Insolvenzrichter: "Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung heraus gestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird. Aus diesem Grunde und dem damit verbundenen Wegfall der Fortführungsprognose war zum Bedauern der Geschäftsführung eine unverzügliche Antragstellung unausweichlich."
Laut Berichten sollten die Bischöfe statt der bereits vereinbarten 65 Millionen Euro 135 Millionen Euro nachschießen, hierzu waren die Gesellschafter, die am vergangenen Donnerstag zusammengekommen waren, jedoch mangels Perspektiven für die Verlagsgruppe nicht bereit.
Zerstrittene Gesellschafter behindern Sanierung
Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung sieht ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Verantwortung für die Miesere von Weltbild in der Zerstrittenheit der konservativen und progressiven Flügel der katholischen Kirche. Darüber hinaus habe die Geschäftsführung die Entwicklung des Marktes verpasst.
Auch der für Weltbild zuständige Verdi Sekretär Thomas Gürlebeck sieht die katholischen Eigentümer in der Pflicht: "Es ist unfassbar, dass nach dem positiven Votum des Aufsichtsrats und der Banken jetzt die geistlichen Führer der Kirche ihre Beschäftigten zum Teufel jagen. Die Eigentümer sind in der Pflicht, die Existenzen der Kollegen und ihrer Familien nachhaltig zu sichern. Der einzige und beste Weg dafür ist die Fortführung des Betriebs", so Gürlebeck.
Der Geschäftsbetrieb der Verlagsgruppe Weltbild mit rund 420 Buchhandlungen (Weltbild, Jokers, Wohltat) in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie den Onlineshops Weltbild.de, Jokers.de, Kidoh.de, bücher.de soll in Abstimmung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz fortgeführt werden. Geiwitz hatte im vergangenen Jahr die Schlecker-Insolvenz betreut.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge