
Böttcher, Existenzsorgen, Delivery Hero, Briefe, Rakuten France, Tiktok, Thailand, Google Finanzen, KI-Werbung, KI statt Chefs
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
Böttcher wächst zweistellig und tritt auf die Bremse
Der Büro-Spezialist Böttcher legt geplante Investitionen in Millionenhöhe vorerst auf Eis, meldet Logistik-Heute.de. Trotz zwölf Prozent Umsatzplus durch Neukunden agierten Bestandskunden auffallend sparsam, bestellten kleinere Mengen und griffen zu günstigeren Alternativen. Der Online-Händler wolle erst wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen abwarten, bevor Vorhaben zu Automatisierung, IT und digitalen Services neu bewertet würden. Stattdessen organisiere man um und verschiebe die Sortimente Baumarkt und Werkzeug nach Zöllnitz.
Im Zweifel gegen den Händler: BGH dreht die Beweislast
Tritt binnen zwölf Monaten nach dem Kauf ein Defekt auf, müssen Händler beweisen, dass die Ware bei Übergabe einwandfrei war, urteilte der Bundesgerichtshof laut Haendlerbund.de. Schon die theoretische Möglichkeit eines Materialfehlers genüge, um die Vermutung zugunsten des Käufers auszulösen. Der bloße Verweis auf eine denkbare Fehlbedienung trage nicht mehr. Ausgeschlossen sei die Haftung nur bei nachweislich unsachgemäßem Umgang.
Im Einzelhandel wackelt jedes sechste Unternehmen
8,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen ihre Existenz bedroht, so die Ifo-Konjunkturumfrage vom April. Im Einzelhandel klettere der Anteil auf einen Höchststand von 17,4 Prozent, getrieben von Kaufzurückhaltung, der wachsenden Konkurrenz durch den Online-Handel und die ausländischen Billiganbieter. Besonders eng werde es in Beherbergung und Gastronomie, wo sich jeder fünfte Betrieb bedroht sehe.
Aspex erhöht Anteil an Delivery Hero auf 15 Prozent
Weil Großaktionär Prosus seine Anteile auf EU-Geheiß unter 10 Prozent senken muss, konnte Vermögensverwalter Aspex Management seine Beteiligung an Delivery Hero auf rund 15 Prozent aufstocken, meldet Manager-Magazin.de. Das dürfte den Druck auf CEO Niklas Östberg erhöhen, dessen Absetzung sowie den Rückzug aus ganzen Regionen Aspex bereits gefordert habe. Auf der Hauptversammlung am 23. Juni könnte ein Misstrauensantrag folgen.
DHL-Chef stellt die tägliche Briefzustellung infrage
Die klassische Briefzustellung in Deutschland sei langfristig kaum noch wirtschaftlich tragfähig, sagt DHL-Chef Tobias Meyer laut Nadr.de, nachdem der Konzern erstmals mehr Umsatz mit Paketen als mit Briefen generiert hat. Sinkende Briefmengen träfen auf ein teures Zustellnetz mit gleichbleibenden Fixkosten, besonders in dünn besiedelten Regionen. Die tägliche Zustellung sei in Deutschland jedoch Teil des gesetzlich verankerten Universaldienstes, während andere europäische Länder ihre Rhythmen längst gelockert hätten.
HANDEL INTERNATIONAL
Rakuten France sucht Käufer
Rakuten France, einst als „Priceminister“ Frankreichs Antwort auf Ebay, sucht einen Käufer für seinen Marktplatz, wie Ecommercenews.eu berichtet. Andernfalls beginne die Abwicklung im dritten Quartal. Seit 2016 sei die Zahl aktiver Kunden um 33 Prozent gesunken, der Traffic um 42 Prozent. Im dritten Quartal 2025 habe die Plattform in Frankreich 9,5 Mio. monatliche Besucher gezählt – Amazon im Vergleich 38,8 Mio.
Tiktok führt in Großbritannien erstmals ein werbefreies Abo ein, wie Engadget.com berichtet. Für vier britische Pfund im Monat bekämen Teilnehmer des Programms keine Werbung mehr gezeigt; andere Funktionen biete das Abonnement nicht. Tiktok-UK-Chef Kris Boge sagte, die Option gebe Nutzern „mehr Kontrolle über ihr Erlebnis“. Über eine Ausweitung des Programms auf andere Länder gebe es keine Informationen.
Thailand will Plattformgebühren halbieren
Thailands Regierung will die Gebühren großer E-Commerce-Plattformen drücken, berichtet Thephuketnews.com. Der derzeit übliche Satz von rund 30 Prozent – Kommission, Zahlungs- und Plattformgebühr – sei deutlich zu hoch, so Digitalminister Chaichanok Chidchob. Zehn bis 15 Prozent hielte er für angemessen, denn besonders kleinere Händler ächzten unter den schrumpfenden Margen. Handels- und Digitalministerium planten gemeinsame Gespräche mit den Betreibern. Juristische Möglichkeiten, eine Obergrenze festzulegen, gäbe es laut Wettbewerbsbehörde TCCT aber nicht.
Google rüstet Finanzdienst mit KI auf
Google rollt eine KI-gestützte Version seines webbasierten Finanzdienstes Google Finanzen in ganz Europa aus, meldet ITMagazine.ch. Nutzer könnten per KI-Recherche Fragen zu Aktien und Markttrends stellen und erhielten Antworten samt weiterführenden Links. Neue Chart-Werkzeuge zeigten technische Indikatoren und erklärten Kursbewegungen einzelner Tage. Ein Echtzeit-Newsfeed liefere Daten zu Rohstoffen und Kryptowährungen; die Quartalsberichterstattung der Unternehmen komme mit Live-Audio, synchronisierten Transkripten und KI-Highlights.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Die meisten Internet-Straftaten geschehen beim Online-Shopping
Elf Prozent der Internetnutzenden in Deutschland wurden 2025 Opfer von Cyberkriminalität, gegenüber sieben Prozent im Vorjahr, zitiert Zeit.de den Cybersicherheitsmonitor von BSI und ProPK. Mit 22 Prozent erwische es Kunden am häufigsten beim Online-Shopping, Konto-Übernahmen und Betrug beim Online-Banking folgten auf Rang zwei und drei. 88 Prozent der Betroffenen klagten über Schäden, ein Drittel über finanzielle Einbußen.
KI macht Werbung schneller, aber schwieriger unterscheidbar, berichtet Techradar.com. Da die Werkzeuge auf Mustern beruhten, ähnelten sich Tonfall, Aufbau und Aussagen ganzer Kampagnen und verschwänden damit in den überfüllten Feeds der Nutzer. Besonders kleinere Händler verlören dadurch ihren wichtigsten Vorteil: Individualität. Wer auffallen wolle, könne KI zur Ausführung nutzen, müsse die strategische Arbeit aber konsequent in menschlicher Hand halten.
Chefs kann die KI leichter ersetzen
Fast jede dritte erwerbstätige Person in Deutschland glaubt, ihr Chef wäre durch KI ersetzbar, so eine Bitkom-Umfrage. Die eigene Tätigkeit schätzten dagegen nur 23 Prozent als weitgehend austauschbar ein. 22 Prozent berichteten, im eigenen Unternehmen würden Stellen bereits nicht mehr nachbesetzt oder abgebaut, weil KI die Aufgaben übernehme. Allgemein erhielten 38 Prozent Zugang zu KI-Anwendungen ihres Arbeitgebers und 27 Prozent nutzten diese aktiv.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge