
"Das Internet ist immer da"
Es gibt keine Grenze mehr zwischen Offline und Online: Petri Kokko von Google Deutschland erläutert, warum das Internet auch im Handel selbstverständlich werden muss, damit er zukunftsfähig ist
Björn BöerChefredakteurVor allem zwei Bausteine bilden die Basis für den Geschäftserfolg von Händlern: Die Grenzen zwischen Offline und Online verschwinden. Das Internet ist immer da. Und Händler müssen effizienter werden, was die Deckung der Nachfrage betrifft und hierfür Kundendaten besser analysieren und effektiver nutzen.
Einfacher Dialog, mühelose Informationsbeschaffung
Reden wir vom Verwischen der Grenzen zwischen Online und Offline im Handel, so ist damit eine
Shoppingwelt gemeint, die dem Konsumenten genau das einmalige, geräteunabhängige
Einkaufserlebnis bietet, das er sich wünscht. Das bedeutet auch, dass der Dialog mit den Kunden auf
allen Kanälen ganz einfach funktionieren muss und der Kunde immer mühelos die Informationen bekommt, die er gerade benötigt. So merken die Käufer praktisch gar nicht mehr, wo ihr Kauf eigentlich stattfindet.
Dabei spielen mobile Geräte, die den Kaufprozess nicht nur jederzeit und an jedem Ort ermöglichen,
sondern auch vermehrt zum Shoppen genutzt werden, eine entscheidende Rolle. Wir reden also nicht länger von Offline- oder Onlinehandel, sondern vom sogenannten No-Line-Handel, in dem Offline und Offline fließend ineinander übergehen und keine Grenzen mehr zu erkennen sind.
Kanäle spielen keine Rolle
Um ein paar Beispiele zu nennen: Ein Konsument sucht sowohl nach Produkten oder Dienstleistungen im Internet via PC, Smartphone oder Tablet, kauft diese dann aber im Ladengeschäft ‒ der klassische "ROPO"-Effekt (Research Online, Purchase Offline). Es ist aber genauso der Fall, dass ein Verbraucher ein Produkt in einem Geschäft sieht, sich aber nicht zum stationären Kauf entschließen kann und genau dieses Produkt nach einiger Überlegung dann doch kauft ‒ jedoch im Onlineshop.
Oder aber: Ein Kunde ist in einem Laden und nutzt während des Einkaufsprozesses sein Smartphone oder Tablet, um zusätzliche Informationen zu bekommen, zum Beispiel zur Verfügbarkeit einzelner Produkte in eben diesem Geschäft. Händler müssen es schaffen, auf dieses veränderte Recherche- und
Shoppingverhalten ihrer Kunden zu reagieren. Das Schlüsselwort heißt hier "Demand Creation", die Bedarfsweckung. Wenn Händler Online- und Offlinekanäle so miteinander miteinander verknüpfen, dass sie für eine bestimmte Ware auch die entsprechende Nachfrage beim Kunden erzeugen, sind sie bestens für den harten Konkurrenzkampf gerüstet.
Datenmengen analysieren
Gerade wenn es um Demand Creation geht, kommt ein weiterer wichtiger Baustein zum Tragen ‒ die
Analyse großer Datenmengen. Die hohe Transparenz und der starke Wettbewerb im Markt führen bei
Händlern zu sinkenden Margen. Das bedeutet für sie, dass sie wesentlich effizienter in ihrer
Wertschöpfungskette werden und eine Nachfrage für ihr Produkt bei den Kunden kreieren müssen.
Hier geht es um die Kundendaten. Wenn Händler es schaffen, relevante Daten in Sekundenschnelle zu
analysieren, dann erhalten sie spannende und umfassende Erkenntnisse über ihre Zielgruppe. Um nur
ein Beispiel zu nennen: Eine Analyse der Daten, die ihre Kunden ihnen liefern, ermöglicht Händlern
unter anderem, ihre Marketingaktivitäten besser auf ihre Zielgruppe auszurichten.
Schauen wir uns einmal den Nutzen dieser Analysen am Beispiel eines Schulranzenherstellers und verschiedener Saisonalitäten an: Entgegen der landläufigen Meinung, suchen Konsumenten nicht in erster Linie in den Sommerferien und damit kurz vor Schulbeginn nach Schulranzen, sondern vor allem auch im Februar ‒ genau dann, wenn die Schülerinnen und Schüler für die Schule angemeldet werden. Für den Schulranzenhersteller bedeutet die Auswertung seiner Kundendaten, dass es für ihn mindestens genauso wichtig ist, die Ranzen im Februar zu bewerben wie in den Sommermonaten, die Margen könnten sogar im Februar höher sein.
Festzuhalten bleibt: Es ist ein grenzenloser Kundenservice und ein besseres Verständnis der
Konsumenten und ihrer Bedürfnisse mit Hilfe von Datenanalyse, die Händlern zukünftig zum Erfolg
verhilft. Wer diese Faktoren berücksichtigt, ist auf dem besten Wege, nationale und internationale
Märkte zu erobern und dabei den Konsumenten nie aus dem Blick zu verlieren.
Petri Kokko ist Director Retail bei Google Deutschland

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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