
Das Streichfest
Wenn Aldi den Rotstift ansetzt, gerät der Markt in Bewegung. Auch andere Lebensmittelhändler haben auf die Schnelle ihre Butterpreise nach unten korrigiert.
David WöllensteinRedakteurVieles hängt von Russland ab
Dass der Preisverfall auf den Erzeugermärkten ausgerechnet bei Butter als erstes an die Verbraucher weitergegeben wird, liegt nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) daran, dass die Lieferkontrakte mit dem Handel beim Streichfett in der Regel monatlich neu verhandelt werden. Bei anderen Produkten wie Frischmilch, Joghurt oder Käse seien längerlaufende Verträge üblich.
"Es ist deshalb schwierig zu sagen, ob künftig auch andere Milchprodukte für Verbraucher billiger werden", sagte Andreas Gorn, AMI-Bereichsleiter für Milch und Milchprodukte. Dies hänge von der weiteren Marktentwicklung ab. "Wenn sich relativ schnell neue Wege für die Ware finden, die nach Russland gegangen wäre, oder die Russen den Importstopp aufheben, könnte sich der Markt relativ schnell erholen", sagte er.
Aldi setzt das Maß
Zuletzt waren die Butterpreise im Einzelhandel im März dieses Jahres unter Druck geraten. Innerhalb weniger Tage sank damals der Preis für die 250-Gramm-Packung bei den Discountern von 1,19 Euro auf 99 Cent. Noch 2013 hatte sich die Branche über Rekordpreise freuen können.
Dass ausgerechnet Aldi die Vorreiterrolle bei der Butterpreissenkung übernahm, passt in die aktuelle Strategie des Billiganbieters. Der Discounter treibt zurzeit mit immer neuen Rotstift-Aktionen die Konkurrenz an. Erst am vergangenen Samstag hatte das Unternehmen die Preise für Milchsnacks und Kinder-Fruchtquarks gesenkt. Die Aldi-Aktionen haben Auswirkungen auf den gesamten Handel. Denn viele Wettbewerber orientieren sich im Preiseinstiegsbereich am Discount-Marktführer.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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