
Saubere Daten - Diese Standards muss jeder Händler kennen
Was haben Heimatfilme und Barcodes gemeinsam? Ganz einfach. Sie funktionieren schwarz-weiß. Und beide sind damit erfolgreich. 13 Ziffern und vertikale schwarze Striche auf weißem Grund haben Warenwirtschaft, Logistik und Datenmanagement revolutioniert. GS1 Germany ist "the Master of the Codes" und sorgt für Verwaltung und Vergabe der Codes.
Iki KühnRedakteurin Der Handel / etailmentHeute werben Unternehmen mit „same day delivery“ also der Lieferung bestellter Ware am selben Tag. Um solche Versprechen einhalten zu können, ist ein reibungsloses Warenwirtschaftssystem die Grundvoraussetzung. 13 Ziffern codiert in gruppierten schwarzen Strichen machen es möglich – sie haben die Warenwirtschaft revolutioniert. Die Rede ist vom Barcode.
GS1 Germany steht für das Ordnungssystem, um Produkte oder Dienstleistungen überschneidungsfrei zu kennzeichnen und zwar weltweit. Ob Fernseher, Obst, Joghurt oder Sofa – jedes Produkt erhält eine Art Pass mit auf die Reise zum Kunden, so dass über die Ziffernfolge jederzeit die in einer Datenbank hinterlegten Informationen abrufbar sind und nachvollzogen werden kann, wo sich der Artikel befindet.
Über die Codierung als Barcode sind diese Informationen maschinell schnell einlesbar und können per Tastendruck weiterverarbeitet werden. Das gilt ab der Produktion über die gesamte Logistik, den Verkauf bis zur Auswertung im Warenwirtschaftssystem. Diese Grunddaten lassen sich modular erweitern. Weltweit arbeiten heute über eine Million Unternehmen mit den Standards und Prozessen von GS1.
Unerkanntes Potenzial
Bereits 1948 werden die maschinell lesbaren vertikalen Striche erfunden, erst rund 20 Jahre später interessiert sich die Welt dafür. Diese Erfindung setzt eine umwälzende Veränderung in Gang. Doch es mussten mehrere Faktoren zusammenkommen, um aus diesem Patent einen Welterfolg zu machen.
1. Keine Erfindung für Solisten. Der Einsatz von Barcodes ist aufwändig und unrentabel, solange nur ein Unternehmen sie verwendet und sei es auch international präsent. In Deutschland hatten Handel und Industrie Anfang der siebziger Jahre die Bedeutung erkannt und 1974 die Centrale für Coorganisation gegründet (heutige GS1 Germany), mit dem Deutschen Markenverband und dem EHI Retail Institute als Gesellschafter. Nach langen Verhandlungen einigten sich 1976 Branchenvertreter aus zwölf europäischen Staaten auf ein einheitliches Zahlen-System, die spätere EAN. In Deutschland vergab die CCG im selben Jahr die ersten Zahlenblöcke und am 1. Juli 1977 erschien das erste Produkt mit Barcode.
2. Henne oder Ei?. Was nutzen EAN Codes, wenn sie keiner maschinell lesen kann? Scannerkassen waren 1979 in Deutschland noch die absolute Ausnahme, gerade mal neun Stück deuteten die Zukunft in Supermärkten an. Dann ging es flott, ab 1984 trugen fast alle in Deutschland verkauften Lebensmittel einen Strichcode, auch die Händler rüsteten auf Scannerkassen um. Ende der achtziger Jahre waren sie Alltag, außer bei Aldi, die erst mit der Jahrtausendwende nachzogen.
Jederzeit entscheidungsfähig
Der herausragende Vorteil der Codes: qualitätsgesicherte und valide Artikeldaten. Sie haben an Relevanz gewonnen und sind Basis für Category Management, Shopper Research, Shopper Marketing oder auch Rückrufaktionen. Ob die Abverkaufsdaten für einen Aktionsartikel, die Verknüpfung der Touchpoints oder der Einsatz von mobile Couponing – EAN oder GTIN sind die Voraussetzung für den Erfolg im Wertschöpfungskosmos.
GS1 Germany verwaltet die Vergabe der GTIN und stellt Unternehmen einen kompletten Werkzeugkasten der GS1 Standards zur Verfügung:
- Identifikation (zum Beispiel GLN, GTIN/EAN, NVE oder EPC für RFID)
- Kennzeichnung (zum Beispiel GS1-128, GS1 DataMatrix)
- Kommunikation (EANCOM®, GS1 XML, WebEDI)
- Prozessgestaltung (Supply Chain Management, Category Management)
Selbstverständlich bauen die GS1 Standards aufeinander auf und lassen sich passend zur individuellen Anforderung flexibel miteinander kombinieren.
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Redakteurin Der Handel / etailment
Iki Kühn ist Redakteurin von Der Handel und etailment.de. Sie studierte Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften, absolvierte ihr Volontariat bei der Lebensmittel Zeitung im Deutschen Fachverlag, für den sie über zehn Jahre arbeitete, und war unter anderem als Autorin für den Burda-Verlag sowie als stellvertretende Chefredakteurin für Titel der Medienunion tätig. Seit rund zehn Jahren widmet sie sich digitalen Medien wie Online-Publikationen und der Produktion von Kurzvideos.
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