Der Internethändler von nebenan

Der Internethändler von nebenan

Von kleinen Attendorn bis zur Großstadt Mönchengladbach: Immer mehr Kommunen setzen auf lokale Online-Marktplätze. Doch ob die Händler vor Ort Amazon & Co. wirklich Paroli bieten können, ist unklar.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Vorreiter der Bewegung ist Wuppertal. Die Stadt hat zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda bereits Ende 2014 den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal (OCW) ins Leben gerufen. Rund 70 Händler aus der bergischen Stadt präsentierten dort gemeinsam ihre Produkte. Der Clou dabei: Geliefert werden kann noch am selben Tag.

Inzwischen findet das Vorbild Nachahmer. Noch in diesem Jahr sollen drei weitere lokale Internet-Marktplätze ans Netz gehen: im niedersächsischen Wolfenbüttel, im nordrhein-westfälischen Attendorn und im baden-württembergischen Göppingen. Und das soll nicht das Ende sein: "Da wird jetzt eine Stadt nach der anderen kommen", sagt Atalanda-Geschäftsführer Roman Heimbold.

Insgesamt sei das Unternehmen mit 130 Städten im Gespräch. Einen anderen Weg geht Mönchengladbach: Die 250.000 Einwohner-Stadt plant ab Herbst das Pilotprojekt "Mönchengladbach bei Ebay".

Der Druck ist groß. Nach einer aktuellen Studie der GfK wird sich der Online-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz bis 2025 noch einmal verdoppeln - auf Kosten der rein stationären Händler.

Der Weg ins Netz ist mühsam

Das Beispiel Wuppertal zeigt allerdings auch, wie mühsam der Weg für kleine Händler ins Internet ist - und wie groß die Herausforderung. Die rund 70 dort Beteiligten führen bislang auf ihrer Seite gerade einmal 8.000 Produkte, während allein Amazon auf seiner Website über 200 Millionen Angebote auflistet.

Nicht viel mehr als 100 Online-Bestellungen sind seit der Gründung 2014 bei den Händlern der OCW eingegangen, wie die zuständige Projektmanagerin Christiane ten Eicken einräumt. Doch ist das für Atalanda-Chef Heimbold kein Anlass, Trübsal zu blasen. "Lokaler E-Commerce funktioniert anders als gedacht", räumt er ein.

Zuallererst sei der Marktplatz ein Informationsangebot für die Kunden: "Sie gucken im Internet und kaufen dann im Geschäft." Die Initiative habe etlichen Händlern schon Umsatzzuwächse von mehr als 10 Prozent beschert.

Der E-Commerce-Experte Lars Hofacker vom EHI Retail Institute warnt denn auch vor übertriebenen Erwartungen. "Für viele kleine Händler, die sich vom Internet bedroht sehen, ist es ein Strohhalm, nach dem sie greifen können. Es kann ihnen helfen, online wahrgenommen zu werden und so mehr Kunden in ihre Läden zu locken. Das ist besser als nichts."

Sich im harten Onlinehandel gegen Internetriesen wie Amazon und Zalando zu behaupten - das werde den allermeisten kleinen Händlern auch mit Hilfe von lokalen Marktplätzen kaum gelingen.

Bündnis mit Ebay als alternativer Weg

Einen anderen Weg als Wuppertal oder Göppingen geht Mönchengladbach. Um die Fußgängerzonen der Stadt mit dem Internet zu vernetzen, wird unter dem Motto "Mönchengladbach bei Ebay" ein Bündnis mit einem der größten Online-Marktplätze geschmiedet. Hunderte Händler von dort sollen künftig in einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt auf einer eigenen Einstiegsseite bei Ebay zu finden sein.

Der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein, die das Projekt begleitet, sieht in der Zusammenarbeit mit dem Internet-Giganten den besseren Weg. "Regionale Marktplätze schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden, sind aber häufig offensichtlich nur Potemkinsche Dörfer, die mit viel Naivität von Städten, Gemeinden und vielfach auch Regionalzeitungen initiiert werden", meint er. Die Gründung von Marktplätzen gehöre aber zu den schwierigsten Vorhaben im Web. Die Erfahrung und die Reichweite eines etablierten Portals wie Ebay sei hier ein großer Vorteil.

Der Nachteil ist, dass sich die Händler dort dann auch im harten Preiswettbewerb auf dem großen Marktplatz behaupten müssen. "Bei regionalen Plattformen ist der Druck sicher geringer", meint Hofacker.

Das sieht Atalanda-Geschäftsführer Heimbold ganz ähnlich. "Wir werden nie die Günstigsten sein. Es geht eher um das Einkaufserlebnis. Bei uns können Sie sehen, was es bei dem Händler um die Ecke gibt", wirbt er für die lokalen Marktplätze in Wuppertal und anderswo.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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