
Deutschland tut sich schwer mit der digitalen Revolution
Deutsche Unternehmen hinken beim Thema "Digitale Agenda" noch hinterher. Was den Grad der Digitalisierung angeht haben vor allem die Händler Nachholbedarf.
Beim Grad der Digitalisierung gibt jeder zweite Befragte aus Telekommunikationsunternehmen und IT-Dienstleister sowie vier von zehn aus der Finanz- und Versicherungsbranche an, im Vergleich zu seinen Wettbewerber mit der eigenen Digitalstrategie gut aufgestellt zu sein. Im Handel denkt das gerade einmal jeder vierte Befragte. Der Durchschnitt quer durch die Branchen liegt bei 33 Prozent.
Produkte und Services wichtig
Als Aufgaben für die eigene "Digitale Agenda" geben gut vier von zehn befragte Entscheider aus dem Handel an, Produkt- und Serviceentwicklung mit Partnern und Kunden betreiben zu wollen. Fast ebenso viele würden ihre Aus- und und Weiterbildung auf Digitalisiwerungsprojekte ausrichten.
Für 37 Prozent der Befragten aus dem Handel ist die Anpassung der internen Technologielandschaft wichtig. Jeder dritte gab an, Methoden und Prozesse für Digitalisierungsprozesse entwickeln und knapp jeder vierte, Fachpersonal für Digitalisierungsprojekte rekrutieren zu wollen.
Wie die Umfrage weiter zeigt, ist die Schweiz im Ländervergleich mit der Planungsphase am weitesten fortgeschritten. Knapp jedes zweite Schweizer Unternehmen (48 Prozent) hat bereits eine digitale Agenda verabschiedet. In Österreich sind es 42 Prozent und in Deutschland 35 Prozent. Größte Stolpersteine für die Umsetzung sind zu wenig Fachkräfte, Finanzierungslücken und Mängel bei der Aus- und Weiterbildung.
Und was kostet das alles?
Das aufgeschlüsselt nach dem schon erreichten Grad digitaler Projekte im Wettbewerbsvergleich schätzen sich jedoch die deutschen Firmen mit 37 Prozent am fortschrittlichsten ein. Zum Vergleich: In Österreich und der Schweiz hält rund jedes vierte Unternehmen den eigenen digitalen Reifegrad für hoch bis sehr hoch.
Bei den Chancen der digitalen Transformation steht in allen drei Ländern eine verbesserte Kundenkenntnis- und Kundenbeziehung (47 Prozent) auf Platz eins. Was die Risiken angeht, bewegt die Unternehmen in den drei Ländern neben der Datensicherheit vor allem die Frage nach den Investitionen sowie die Zusammenarbeit mit externen Partnern.
Zur Studie
Die CSC-Studie "Digitale Agenda 2020" wurde von August bis September 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Die Nettostichprobe beträgt 500 Interviews in der sogenannten DACH-Region - davon 300 in Deutschland, 100 in Österreich und 100 in der Schweiz. Schwerpunkt der Teilnehmer waren Entscheidungsträger aus Unternehmen mit 50 oder mehr Mitarbeitern. Die Kernbranchen der Umfrage sind Industrieunternehmen, Handel und IT.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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