
Kunden erwarten digitale Hilfe beim Einkauf
Im Online-Geschäft werden oft gravierende Fehler gemacht. Doch nicht nur da. Auch der stationäre Handel hat vielerorts noch nicht verstanden, was die digitale Stunde geschlagen hat. In beiden Bereichen werden Kunden verprellt, die leicht zu halten wären – wenn ein paar simple Erkenntnisse beachtet würden
Bedürfniss nach digitaler Unterstützung beim Einkauf
„Die Digitalisierung hat den Machtschwerpunkt zugunsten des Kunden verschoben. Die Einzelhandelstechnologie hat den Blick üblicherweise nach innen gerichtet und muss nun kundenzentriert werden“, formuliert der Crowdtesting-Dienstleister Applause eine ganz ähnliche Empfehlung.
Dies bedeutet, Kundenbedürfnisse zu beachten, beispielsweise das Bedürfnis nach digitaler Unterstützung beim Einkauf im Einzelhandel.
Die Bereiche Web und Mobile wachsen zwar, doch der größte Teil der Umsätze wird aber immer noch in Ladengeschäften erzielt. Laut des amerikanischen Statistikbüros machten In-Store-Käufe im dritten Quartal 2017 mehr als 90 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze in den USA aus.
Wenn Kunden einkaufen gehen, spielt digitale Präsenz auch dort eine große Rolle. Käufer nutzen vor, während und nach diesen Besuchen der Ladengeschäfte digitale Kanäle. Tendenz steigend. Ein Beispiel: Eine Studie von Deloitte sagt, dass 71 Prozent der Millennials und Nicht-Millennials digitale Hilfsmittel nutzen, bevor sie einkaufen. 55 Prozent der Millennials und 44 Prozent der Nicht-Millennials verwenden digitale Hilfsmittel während des Einkaufens. Die Interaktion mit dem Smartphone wird zunehmend relevant – insbesondere im Zusammenspiel mit In-Shop-Experiences. Je jünger die Shopper, desto mehr ziehen sie ihr Smartphone dem Laptop oder PC vor.
Übergreifende Markenerfahrung bieten
Die Empfehlung, in Lösungen zu denken, gilt also umfassend für jeden der Touchpoints mit einer Marke oder einem Handelsunternehmen, egal ob im Online- oder im stationären Shop. Die Empfehlung, digitale Kanäle, Social Media, Onlineshops, Fashion Shows und physische Stores so zu verknüpfen, dass dies eine nahtlose Omni-Experience ermöglicht, ist oft wiederholt worden. Dennoch neigen Retailer immer wieder dazu, nur individuelle Kanäle zu bedienen, statt Kunden eine übergreifende Markenerfahrung zu bieten. Einzelhändler glauben häufig, dass Omnichannel nur die Vernetzung einer digitalen und einer physischen Erfahrung umfasst (zum Beispiel online kaufen und im Laden abholen). Laut einer US-amerikanischen Studie von Deloitte bevorzugen zwei Drittel aller Verbraucher aber eine selbstgesteuerte Einkaufstour. Anders gesagt: Kunden wollen aussuchen, wie und wann sie mit Einzelhändlern interagieren. Der Drogeriemarkt dm hat das erkannt und will seinen Kunden die Leistungen dort bereitstellen, wo sie nachgefragt werden, „ob in der realen oder in der digitalen Welt“, so Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung: „Die Kunden sollen selbst entscheiden, auf welchem Weg sie sich über unsere Angebote informieren wollen, auf welchem Weg sie die Ware von uns erhalten und welche Zahlungsform sie wählen wollen.“ Die Chancen, dass sich die Investition rechnen, stehen gut, denn Multikanal-Shopper werden immer wertvoller. Eine Studie der Harvard Business Review unter 46.000 Verbrauchern kommt zum Ergebnis, dass Omnichannel-Shopper im Vergleich zu ihren Einzelkanal-Pendants 4 Prozent mehr in den Stores und 10 Prozent mehr online ausgeben.
Inwiefern der Prozentsatz hätte höher sein können, wenn die eingangs erwähnte Abbruchquote niedriger wäre, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass lange oder komplizierte Checkout-Vorgänge einer der Hauptgründe für einen Abbruch sind. Sprich: Konsumenten empfinden es als schwer, Unternehmen ihr Geld zu geben. Studien zeigen regelmäßig, dass ein Fünftel und mehr Kunden bereits Transaktion aufgrund fehlender Zahlungsoptionen abgebrochen haben.
Auch im stationären Handel lässt sich der Bezahlvorgang noch optimieren. dm bietet seinen Kunden bereits eine entsprechende App an, mit der Kunden über ihre Smartphones mobiles Selfscanning der Waren betreiben können.Die Diagnose ist für Applause eindeutig: „Wenn Konsumenten während des Kaufvorgangs auf ein Hindernis treffen, sinkt ihre Kaufmotivation.“ Bis am Ende die Bereitschaft, sich von seinem Geld zu trennen, auf Null geht.
Abhilfe zu schaffen, ist eigentlich einfach: Erstens sollte das Einkaufserlebnis durchweg benutzerfreundlich und unkompliziert sein. Zweitens sollte im E-Commerce bei der Gestaltung des Bestellvorgangs großen Wert auf die einzelnen Prozessschritte von der Artikelauswahl und Prüfen des Warenkorbs bis zur Bestellbestätigung gelegt werden. Kunden sollten niemals hilflos im Dunkeln tappen müssen, weshalb beispielsweise eine Fortschrittsanzeige überaus wichtig ist!
Redakteur
1987 Beginn als freier Journalist für regionale Tagesszeitungen, ab 1994 Redakteur bei Horizont, der Fachzeitung für Marketing, Werbung und Medien im Deutschen Fachverlag, ab 1997 Pressereferent der Das Werk GmbH, Frankfurt am Main, später Pressesprecher der Das Werk AG. Ab Juli 2003 selbständig als PR-Berater, Autor und Redakteur tätig, immer wieder auch für Horizont. Von April 2012 bis August 2017 leitender Redakteur des von der dfv Association Services, Frankfurt am Main, herausgegebenen Magazins für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rechtsabteilungen „unternehmensjurist“. Seit September 2017 wieder frei tätig, unter anderem für Packaging 360 Grad, Horizont und etailment.
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