
DPD + GLS, Paypal + Klarna, Anti-Scammer-Pakt, JD.com + Joybuy, Google, Temu + Shein, Online-Reisebuchung, KI-Shopping
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
DPD und GLS taufen ihr Paketstationen-Netz „Inboxx“
DPD und GLS führen laut Pressemitteilung mit „Inboxx“ eine gemeinsame Marke für ihr anbieteroffenes Paketstationen-Netzwerk ein. Bis Ende 2027 solle das Netz auf 20.000 Abholpunkte wachsen, darunter bis zu 6.000 Paketstationen. Bereits heute betrieben die Partner rund 10.000 gemeinsam nutzbare Paketshops. Das Netzwerk stehe perspektivisch auch anderen Paketdiensten und Retail-Partnern offen.
Verbraucherzentrale: Paypal und Klarna blocken bei Problemen
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen registriert eine wachsende Zahl an Beschwerden über Paypal und Klarna, berichtet NDR.de. Kunden würden bei Problemen wie ausbleibenden Lieferungen oder bei Widerruf nur vertröstet, sei es im Chat, per E-Mail oder am Telefon. Die Dienstleister würden die Verantwortung regelmäßig an die Händler weiterreichen. Finanzexperte Philipp Rehberg rate Betroffenen, unberechtigten Forderungen schriftlich zu widersprechen und im Ernstfall die BaFin einzuschalten, die bei gehäuften Beschwerden regulatorisch eingreifen könne.
Gratis-Auto gefahren, Werbe-Label vergessen: Schleichwerbung
Auch kostenlose Produkte verpflichten zur Werbekennzeichnung auf Social Media, selbst wenn niemand ausdrücklich um einen Post gebeten habe, so ein Urteil des OLG Karlsruhe laut Haendlerbund.de. Eine Influencerin habe regelmäßig Fahrzeuge auf Instagram vorgestellt, für die sie zu Presseterminen eingeladen worden sei. Reise, Verpflegung und Testwagen seien kostenlos gewesen – eine Pflicht, etwas zu posten, habe nicht bestanden. Das Gericht habe dennoch unzulässige Schleichwerbung festgestellt: Entscheidend sei nicht die vertragliche Verpflichtung, sondern die Erwartungshaltung des Herstellers. Wer Gratisleistungen annehme und darüber poste, betreibe kommerzielle Kommunikation.
Kleine Firmen tappen bei der Digitalisierung oft im Dunkeln
Jedes fünfte Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten hat keine Digitalstrategie, zeigt eine Bitkom-Befragung. Nur 21 Prozent dieser Betriebe verfügten über eine zentrale Strategie, die Mehrheit setze auf Insellösungen in einzelnen Bereichen. Bei mittelgroßen Firmen mit bis zu 499 Beschäftigten sehe es kaum besser aus: 17 Prozent arbeiteten komplett planlos. Erst ab 500 Beschäftigten sinke der Anteil der Strategielosen auf acht Prozent, doch selbst dort dominieren Einzelstrategien gegenüber einem Gesamtkonzept.
HANDEL INTERNATIONAL
Acht Tech-Riesen verbünden sich gegen Online-Betrug
Google, Microsoft, Meta, Amazon, OpenAI, Adobe, LinkedIn und Match Group haben gemeinsam den „Online Services Accord Against Scams“ unterzeichnet, berichtet Engadget.com. Die Allianz wolle, mit neuen Erkennungs-Tools, schärferer Verifizierung bei Finanztransaktionen und einem systematischen Austausch mit den Behörden, gegen organisierte Online-Betrüger vorgehen. Die Koalition fordere Regierungen auf, Betrugsbekämpfung zur nationalen Priorität zu erklären, obwohl der eigene Pakt eher zahnlos bleibe: Sanktionen bei Nichteinhaltung seien nicht vorgesehen.
Der chinesische Handelskonzern JD.com hat seinen Marktplatz Joybuy in sechs europäischen Ländern (UK, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg) gestartet, berichtet Finedayradio.com. Das Sortiment umfasse Elektronik, Kosmetik und Lebensmittel. Bestellungen vor elf Uhr erreichten Kunden noch am selben Tag – zum Start in über 15 Mio. Haushalten. Das Abo „JoyPlus“ biete für 3,99 Euro monatlich unbegrenzten Gratisversand, ähnlich wie Amazon Prime, nur deutlich günstiger. (Laut Amazon kostet Prime momentan 8,99 Euro)
Europas Digitalbranche verliert die Geduld mit Brüssel
Europäische Verleger, Tech-Firmen und Startups fordern die EU-Kommission in einem gemeinsamen Brief auf, ihr fast zweijähriges Verfahren gegen Google wegen Selbstbevorzugung in der Suche noch diese Woche abzuschließen, berichtet Reuters.com. Unter den Unterzeichnern seien das European Publishers Council mit Axel Springer und News Corp, der Deutsche Startup-Verband sowie mehrere europäische Branchenverbände. Die Glaubwürdigkeit der Kommission stehe auf dem Spiel, heiße es in dem Schreiben an von der Leyen, Kartellchefin Ribera und Tech-Kommissarin Virkkunen. Googles bisherige Zugeständnisse reichten den Beschwerdeführern nicht; sie verlangten eine formelle Non-Compliance-Entscheidung samt Geldstrafe unter dem Digital Markets Act.
130 Mio. Europäer nutzen Temu – Spanien und Italien holen auf
Temu zählte im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 129,7 Mio. monatliche Nutzer in der EU – ein Plus von zwölf Prozent, berichtet Ecommercenews.eu. Besonders Südeuropa ziehe die Plattform magnetisch an: Spanien sei um 17 Prozent auf 14,7 Mio. Nutzer gewachsen, Italien um 16 Prozent auf 14,9 Mio. Deutschland bleibe mit 20,9 Mio. Nutzern der größte Einzelmarkt, lege aber gemächlichere 8,3 Prozent zu. Konkurrent Shein erreiche zwar 155,7 Mio. EU-Nutzer, wachse mit nur 6,9 Prozent aber deutlich langsamer.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Online-Reisebuchung verbucht 81,7 Prozent Warenkorbabbrüche
Keine Branche verliert so viele Kunden an der digitalen Kasse wie der Reisesektor: Die Warenkorbabbruchrate liegt bei 81,7 Prozent, berichtet Itij.com unter Berufung auf einen Benchmarkreport von Ecommpay. Gut ein Drittel der Abbrüche gehe auf Zahlungsprobleme zurück: zu wenige Optionen, fehlendes Vertrauen oder abgelehnte Karten. Allein in Großbritannien schlummerten so rückgewinnbare 16,5 Mrd. Pfund. Die führenden Online-Reisebüros, darunter Booking.com, TUI und Expedia, setzten bereits auf Mobile-First-Checkouts, digitale Wallets und Ratenzahlung, um den Schwund einzudämmen.
KI-gesteuerte Shopping-Engines bewerten Produkte künftig eigenständig, noch bevor Kunden eine Suchergebnisseite erreichen, so der Leitfaden „Agentic Commerce Optimization“ von Refibuy.com. Bis 2030 könnte dieser agentische Online-Handel 300 bis 500 Mrd. Dollar des US-E-Commerce ausmachen. Die Engines bauten für jedes Produkt eine sogenannte „Product Card“ aus strukturierten Daten, Attributen und Kontextinformationen zusammen. Zwei Jahrzehnte SEO-Optimierung hätten Produktkataloge jedoch auf ein Minimum reduziert – genau das Gegenteil dessen, was KI-Agenten benötigten. Wer Produktdaten weiterhin nur als Content statt als Infrastruktur behandle, riskiere künftig seine Unsichtbarkeit.
Beschwerdestelle Eco mit neuem Rekord an Meldungen
Die Beschwerdestelle des Internetwirtschaftsverbands Eco hat 2025 so viele Meldungen zu Darstellungen sexuellen Missbrauchs und Verstößen gegen die Selbstbestimmung von Minderjährigen erhalten wie nie zuvor, berichtet Heise.de. Insgesamt habe Eco 30.035 von 51.358 gemeldeten Inhalten als rechtswidrig eingestuft und 98,58 Prozent davon weltweit entfernen lassen. Gleichzeitig ziehe sich die Löschung in die Länge: Erstmals seien weniger als 70 Prozent der Fälle binnen einer Woche beseitigt worden.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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