
Warum Opel auch Karstadt helfen kann
Kooperationen sind das ganz große Ding im Einzelhandel. Bei denen, die es alleine nicht mehr so gut schaffen. Was Otto und die ECE jetzt testen, kann auch anderswo probiert werden. Alles ist möglich: Kuscheln, Feuerwerk - und das Thema Erotik darf man sowieso nie vergessen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentIntersport wagt ja auch was Neues: Unsere Sportsfreunde aus Heilbronn wollen Altware auf Amazon verramschen. Und die Eigenmarken nicht etwa über die eigene Plattform, sondern via Sportmarken24. So sieht also der Ausbau des bisher mikroskopisch kleinen Digital-Geschäfts aus. 40 Prozent Onlineanteil vom Gesamtgeschäft ist ja das Ziel von Intersportchef Alexander ("Wir setzen einfach mal eine Benchmark") von Preen. Bis die Sportler ihre 40 Prozent erreicht haben ist für uns viel Zeit, ein paar Pflanzen zu kaufen, denn irgendwas Unerklärliches ist mit unserer Balkonflora passiert. Schlaff die Blätter, tot die Blüten. Zu viel Regen? Zu wenig? Dabei sollte es doch sein, so wie es Goethe gefiel:
Ein Blumenglöckchen
Vom Boden hervor
War früh gesprosset
In lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen
Und naschte fein -
Die müssen wohl beide
Für einander sein. Doch derzeit gibt es auf unserem Balkon für Bienchen nicht mehr viel zu Naschen. Neues Pflanzenwerk muss her. Bisher wurde im Gartenmarkt nachgekauft - doch jetzt kann man ja Blattwerk auch im Buchladen holen. Der Weltbild-Eigentümer Dröge hat sich ja den Fachversand-Gärtner Pötschke geschnappt, und demnächst wirds in der Buchhandelskette also ein entsprechendes Sortiment geben. Hat Sinn, denn Gartenmöbel gibts ja jetzt auch schon. Also kann man demnächst zum Gestühl das passende Usambaraveilchen kaufen.Davon inspiriert hat Etailment darüber nachgedacht, was sich noch für Kooperationen und Verkaufskonzepte anböten.
Gerry Weber: Mit Mode für, nun ja, Senioren läuft das Geschäft nicht mehr so gut, hier muss es eine Sortimentserweiterung geben. Blutdruckmessgeräte, Rollatoren, Stützstrümpfe und Knoblauchdragees beleben die siechenden Läden. Und Auftritte von den "Amigos" können das Einkaufserlebnis steigern. Für weiterführende Tipps empfehlen wir die Seniorenmarketingprofis von Meyer-Hentschel - oder den Kauf eines Sanitätshaus-Onlineshops.
Loop5: Vom Parkhaus des Einkaufszentrums bei Darmstadt hat man einen schönen Blick auf die A5, die Spargel-Äcker von Weiterstadt und auf einen Megastore vom Möbelhändler Segmüller. Nur zum Einkaufen fährt hier kaum jemand hin. Das lässt sich ändern: Das Center wird so gedreht, dass es quer über und nicht mehr parallel zur A5 verläuft. Daher müssen alle Autofahrer jetzt DURCHS Loop5 fahren, eine Geschwindigkeitsreduktion von aktuell Tempo 100 auf Schrittgeschwindigkeit sollte für die nötige Entschleunigung sorgen und etliche Kraftfahrer zum Aussteigen inspirieren. Pro-Tipp: Viele Food-Courts einrichten. Voswinkel: Die röchelnde Tochter von Intersport steht ja zum Verkauf, was aber bisher keinen zu interessieren scheint. Deswegen werden 22 Sportläden dicht gemacht. Unser Tipp: Der Rest wird auch noch folgen. Wenn, ja, wenn Intersport nicht gute Ratschläge annimmt und die Filialen für Sportler interessant macht. Vor den Regalen mit Fußballschuhen könnten Mitglieder von Ultras postiert werden, die dann ihre üblichen Choreografien und Feuerwerk-Shows inszenieren. Stimmung garantiert. Vielleicht mit Eintracht Frankfurt reden, deren Ultras sind europäische Spitze. Die Liste der Geldstrafen, die der Verein bisher deswegen entrichten musste, ist entsprechend lang. Expert: Elektronik verkauft sich stationär immer schlechter, das merkt auch die Verbundgruppe. Deswegen wird jetzt hier auch immer intensiver mit den Herstellern gekuschelt. Kann man machen. Expert braucht aber vor allem ein neues Verkaufskonzept. Die Menschen kaufen ja Fernsehgeräte nicht als Möbelstücke, sondern, damit sie dort hineingucken um etwas sehen, was sie daheim nicht zu sehen bekommen. Also: Holt das TV in die Läden. Tatort-Kommissare könnten ihre besten Szenen auf der Fläche nachstellen. ESC-Stars (nicht die Deutschen) singen ihre schönsten Lieder an der Kasse. Gut wäre ja Conchita Wurst, die/der ja nun ohne Bart auftritt. Top-Act vor der Rasierapparate-Abteilung. Beate Uhse: Das einstige Paradies für Ehehygiene ist mittlerweile so erotisch wie eine Karstadt-Kunden-Toilette und hält den inoffiziellen Rekord für Insolvenzanmeldungen. Hier kommt die Rettung: Beate Uhse ist ein idealer Übernahmekandidat für Home24. Der Aktie des Onlinemöbelhändlers geht es ja derzeit auch nicht gut. Mit dem Love-Toy-Anbieter könnte Home24 ein Sortiment im häuslichen Bereich auf einen Schlag massiv erweitern. Niedrigiere Retourenquote inklusive. Da lassen sich manche Produkte auch sehr gut im Bundle verkaufen.
In diesem Sinne: Viel Spaß im häuslichen Bereich.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
Alle Beiträge