
Im Zeichen des Apfels
Morgen eröffnet der erste Apple Store in Deutschland. Der Elektronikhandel verfolgt gespannt, ob der US-Riese seine Erfolgsgeschichte auch im heimischen Markt fortschreiben kann.
David WöllensteinRedakteurUmsatz im Vordergrund
Im Gegensatz zu manchen internationalen "Flagship Stores" großer Verbraucher-Marken will Apple mit seinen Läden nicht nur die Marke pflegen, sondern vor allem Umsatz machen und Geld verdienen.
Im Geschäftsjahr 2008 (30. September) setze Apple in seinem Retail-Segment 6,3 Milliarden Dollar (4,3 Mrd. Euro) um und erwirtschaftete dabei 1,3 Milliarden Dollar (920 Millionen Euro) Gewinn. Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr sind allerdings nicht so rosig, denn die Hauptmärkte von Apple stecken in einer Rezession.
Erfolg trotz Krise
Trotz allgemeiner wirtschaftlicher Abschwungtendenzen in den USA und Europa kann Apple jedoch weiterhin Absatzerfolge verzeichnen. Rechner mit dem Apfel-Symbol erzielen in manchen Segmenten wieder zweistellige Marktanteile, nachdem Ende der neunziger Jahre manche Beobachter schon Apple vor dem Aus gesehen hatten.
Außerdem sind die Musikplayer von Apple extrem erfolgreich. Und mit dem iPhone gelang Apple ein geradezu sensationeller Einstieg in den Mobilfunktmarkt.
Unruhe unter Handelspartnern
Unter den Vertriebspartnern von Apple herrscht nun teilweise Unruhe, wie es nach dem direkten Einstieg von Apple in den deutschen Einzelhandel weitergehen wird.
Reinhard Weidinger mit seinem Münchner Apple-Fachgeschäft "In Time Computer" muss nun damit leben, dass keine zwei Kilometer Luftlinie von seinem Laden der Apple Store in einer 1A-Lage um Kunden wirbt. "Der Store wird uns schaden", sagte Weidinger der Presseagentur dpa.
Er wirft Apple vor, schon in der Vergangenheit bei knappen Waren den eigenen Online-Store im Web bevorzugt zu haben. "Wir konnten wochenlang keine MacBooks liefern, während online im Apple Store die Geräte vorrätig waren."
Immerhin hofft Weidinger, dass über einen hohen Absatz des Münchner Apple-Ladens indirekt auch Geschäft bei ihm landen wird. Mit seiner autorisierten Apple-Werkstatt kann er zudem Dienstleistungen anbieten, die es im Apple Store nicht gibt.
Mehr Wettbewerb
Künftig werden sich aber auch Apple-Händler außerhalb Münchens auf den Wettbewerb durch ihren Hauslieferanten einstellen müssen. Vertriebsvorstand Ron Johnson hatte zuletzt indirekt Apple Stores in Berlin, Frankfurt, Köln und Düsseldorf angekündigt.
Archibald Horlitz, Geschäftsführer von Gravis, reagiert im Gegensatz zum kleineren Fachhändler Weidinger gelassen auf die neue Konkurrenz. Der Apple-Store werde den deutschen Apple-Markt beleben und noch mehr Kunden auf Apple-Produkte aufmerksam machen.
Aber auch Horlitz fordert von Apple "Fairness in den Punkten Warenverfügbarkeit und Preisgestaltung für die Endkunden" ein. "Ein Verdrängen der bisherigen Partner ist nicht im Interesse von Apple. Langfristig glauben wir, dass die Präsenz des Apple-Stores unsere Umsatzzahlen ankurbeln wird."
Christoph Dernbach, dpa

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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