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Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
Tiktoks Altersabfrage entspricht nicht dem DSA
Das Landgericht Berlin untersagt Tiktok die Nutzung personenbezogener Daten von 13- bis 15-Jährigen für personalisierte Werbung ohne Einwilligung der Eltern, berichtet der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Plattform habe sich ausschließlich auf von den Nutzern eingetragene Geburtsdaten verlassen, was keine ausreichende Alterskontrolle darstelle: Kinder könnten sich so mühelos als älter ausgeben. Die Verbraucherschützer argumentieren, seit Inkrafttreten des Digital Services Act sei profilbasierte Werbung generell unzulässig, sobald Minderjährige betroffen sein könnten. Die Klage gegen Tiktoks umfangreiche Datensammlung – einschließlich Tastenanschlagmustern – wies das Gericht aus formalen Gründen ab.
Hermes verteuert Päckchen und S-Pakete
Hermes erhöht ab März die Preise für Päckchen und S-Pakete, berichtet T3n.de. Betroffen seien vor allem Alltagssendungen, wie typische Kleinanzeigen- oder Ebay-Verkäufe. Ein Päckchen von Shop zu Shop koste künftig 3,99 statt 3,70 Euro, das S-Paket 4,89 statt 4,50 Euro. Die Haustürzustellung werde mit 30 Cent Aufschlag noch teurer. Als Gründe nennt Hermes Investitionen, gestiegene Personalkosten und die sich verteuernde letzte Meile. Wer online bezahle und auf Haustürzustellung verzichte, spare noch am meisten.
Handelsstimmung klettert gegen den Trend
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verharrt im Januar mit unveränderten 87,6 Punkten auf niedrigem Niveau, meldet das Ifo-Institut. Während der Index im Handel deutlich zulege – sowohl Einzel- als auch Großhändler seien zufriedener und weniger pessimistisch –, trübe sich das Bild im Dienstleistungssektor ein. Besonders Logistik und Tourismus bewegten sich nach unten. Das verarbeitende Gewerbe zeige sich weniger skeptisch, allerdings falle die Kapazitätsauslastung auf 77,5 Prozent und liege damit weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt von 83,2 Prozent.
HANDEL INTERNATIONAL
Erste Suchtklage gegen Social Media
Meta, Tiktok und Youtube müssen sich diese Woche erstmals vor Gericht gegen den Vorwurf wehren, Jugendliche süchtig zu machen, berichtet Reuters.com. Eine 19-jährige Kalifornierin klage, das Design der Plattformen habe bei ihr Depression und Suizidgedanken ausgelöst. Parallel werben die Konzerne massiv für die Sicherheit ihrer Produkte: Meta sponsere seit 2018 Eltern-Workshops an US-Schulen, Tiktok kooperiere mit 100 regionalen Elternverbänden, Google nutze die Pfadfinderinnen für Image-Kampagnen. Die Tech-Giganten hätten zudem Anwälte engagiert, die bereits Konzerne in der Opioid-Krise verteidigt hätten.
Amazon und Flipkart verschärfen den Preiskrieg gegen etablierte Expresslieferdienste in Indien, meldet Indiatimes.com. Laut UBS seien die Rabatte im gesamten Markt von 53 Prozent im November auf 55 Prozent im Januar gestiegen; Amazon Now habe seine Nachlässe von 26 auf 57 Prozent mehr als verdoppelt. Marktführer Blinkit verliere in einzelnen Segmenten Anteile und habe ebenfalls die Liefergebühren in Metropolen gesenkt. Weitere Konkurrenten seien die Dienste Zepto, Swiggy Instamart und die aufstrebende Reliance-Tochter Jiomart. Blinkit-CEO Albinder Dhindsa bezeichne die Lage als „irrationale Wettbewerbsintensität“.
Südkoreas Online-Händler buhlen um Coupang-Flüchtlinge
Ein Datenleck bei Coupang treibt koreanische Verbraucher zur Konkurrenz und heizt den Wettbewerb um Mitgliedschaftsmodelle an, berichtet Chosun.com. SSG.com verzeichne mit seinem neuen „SSG Seven Club“ (1,68 Euro monatlich, sieben Prozent Cashback) einen Besucherzuwachs von 330 Prozent. Navers Abo (2,84 Euro) locke mit Wahloptionen zwischen Netflix und anderen Diensten, Coupangs teuerstes Modell (4,58 Euro) punkte mit unbegrenzten Gratis-Retouren. Market Kurly biete faktisch kostenlose Mitgliedschaft durch Cashback, allerdings mit höheren Produktpreisen. Die Verbraucher wählten zunehmend nach individuellem Einkaufsverhalten statt nach Markentreue.
Ikea startet Second-Hand-Plattform in der Heimat
Ikea startet noch im Januar seine Second-Hand-Plattform in Schweden und sei damit in fünf Ländern präsent, meldet Retail-News.de. Kunden könnten dort gebrauchte Ikea-Produkte lokal handeln. Verkäufer erhielten wahlweise Bargeld oder eine um 15 Prozent erhöhte Gutschrift, Käufer bekämen Montageanleitungen mitgeliefert. Die Ingka Group plane, bis Ende 2026 rund 170.000 Produkte zu listen.
EU erklärt Whatsapp zur sehr großen Plattform
Whatsapp gilt künftig als besonders große Online-Plattform und unterliegt damit verschärfter EU-Aufsicht, berichtet Zeit.de. Meta habe vier Monate Zeit, die öffentlichen Kanäle der App an europäische Digitalgesetze anzupassen. Private Chats blieben wegen ihrer Verschlüsselung außen vor. Brüssel könne nun bei verbotenen Inhalten in öffentlichen Kanälen eingreifen und Bußgelder verhängen. Das Gesetz für digitale Dienste verpflichte große Plattformen, Hassrede und Morddrohungen zu löschen, Wahlmanipulation zu verhindern und transparent mit Werbung umzugehen.
EU laut Apple Schuld am Aus von Setapp
Der ukrainische Anbieter Macpaw schließt seinen alternativen App-Marktplatz Setapp bis Mitte Februar, weil Apples „Geschäftsbedingungen zu komplex“ seien und „nicht zum eigenen Geschäftsmodell“ passten, berichtet Heise.de. Apple wehrt sich: Man habe der EU-Kommission bereits im Oktober vorgeschlagen, die Gebühren von 50 Cent pro Installation auf fünf Prozent Umsatzanteil zu senken. Brüssel verweigere jedoch die Implementierung und ändere ständig die Zielvorgaben, um ein „amerikanisches Unternehmen unfair zu benachteiligen“. Die EU-Kommission sehe hingegen Apples Untätigkeit als Ursache für das Setapp-Aus.
EU entlastet Auslandsversand
Die EU will Händlern den grenzüberschreitenden Versand erleichtern, berichtet Haendlerbund.de. Das Ende 2025 vorgestellte Maßnahmenpaket sehe vor, dass Unternehmen bei Batterien, Verpackungen und Elektrogeräten künftig keine Bevollmächtigten mehr in jedem EU-Land benennen müssten. Die bisherige erweiterte Herstellerverantwortung habe sich zum undurchschaubaren Verwaltungsapparat entwickelt. Händler könnten bis 2035 selbst entscheiden, ob sie auf diese Strukturen verzichten. Die Kommission rechne mit Einsparungen von einer Mrd. Euro jährlich.
TRENDS & TECHNOLOGIE
70 Prozent der Großunternehmen setzen auf Open Source
Sieben von zehn der großen Online-Händler setzen auf modulare E-Commerce-Werkzeuge statt auf SaaS-Lösungen, zeigt eine Untersuchung von Acquia laut Designrush.com. Open-Source-Plattformen wie Magento böten vollständige Kontrolle über Performance und Integrationen. Unternehmen könnten damit Workflows eigenständig optimieren, Lizenzgebühren umgehen und nach eigenen Bedingungen wachsen. SaaS-Systeme stießen hingegen durch fragile Integrationen, steigende Kosten und unflexible Prozesse an Grenzen. Open-Source schütze Margen besser und ermögliche reibungsloseres Wachstum – das Versprechen, dass Software-as-a-Service die einfachere Lösung darstelle, werde zunehmend hinterfragt.
Europa beschleunigt den Ausstieg aus US-Cloud-Infrastrukturen, berichtet Golem.de. Zwei schwere Ausfälle – AWS legte im Oktober Millionen Dienste lahm, Cloudflare blockierte im Dezember 28 Prozent des weltweiten Webverkehrs – hätten die Verwundbarkeit offengelegt. Amazon, Microsoft und Google kontrollierten aber immer noch 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes und exportierten 2024 digitale Dienstleistungen im Wert von 360 Mrd. Dollar nach Europa. Ob deren neue lokalisierten Angebote genügten, um die europäische Entkopplung aufzuhalten, bleibe fraglich.
AI sorgt für gute Einnahmen auf Karibikinsel
Die Zahl der .ai-Domains hat die Millionenmarke überschritten und beschert der Karibikinsel Anguilla weiter wachsende Einnahmen, meldet Heise.de. Bis November habe das britische Überseegebiet mit nur 16.000 Einwohnern dadurch rund 59 Mio. Euro eingenommen – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Wachstumsrate liege bei einem Prozent pro Woche. KI-Firmen zahlten zwischen 140 Dollar und mehrere tausend Dollar jährlich pro Domain, einzelne Adressen seien für hunderttausende Dollar versteigert worden. Die Regierung investiere die Mittel in Infrastruktur und kostenlose Krankenversicherung für Kleinkinder, plane jedoch auch einen Staatsfonds für kommende Generationen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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