
"Als Händler muss ich auf das Navi im Auto kommen"
Relevante Angebote, in Echtzeit auf dem Navi-Bildschirm eingeblendet: "Vehicle-Commerce" ist der Königsweg zum Kunden, meint Simon Hecker, Mitgründer und Geschäftsführer von 4.screen. Aber der Nutzen für den Fahrer muss hoch sein - und der Umweg darf maximal zwei Minuten dauern.
Björn BöerChefredakteurNehmen wir einen gehobenen Supermarkt, der gerade Ladesäulen installiert hat und Neukunden gewinnen will. Wenn der jetzt in seiner Region gezielt in den E-Autos einer Marke wirbt, deren Fahrer er als potenzielle Kunden seines Ladens sieht, dann sind die Erfolgschancen höher als bei der Nutzung von Medien, die kein gezieltes Aussteuern ermöglichen.Welche Werbebotschaften wirken denn auf dem Navi-Display besonders gut?
Alles, was dem Fahrer einen Mehrwert bietet und zu einem besseren Fahrerlebnis führt. Das Kriterium dafür lautet "Kontext-Relevanz": Fahrer eines E-Autos schätzen das Angebot einer günstigen Ladestation, beim Einkaufen freuen wir uns über einen kostenfreien Parkplatz, auf der Autobahn über den Gratis-Kaffee an der Raststätte. Also Angebote, die aktuell, konkret und ohne großen Aufwand realisierbar sind. Deshalb werden auf dem Display übrigens auch nur Logos von Geschäften als Pin angezeigt, die maximal zwei Fahrminuten entfernt liegen.Was muss ich als Autofahrer tun, um die Angebote zu nutzen?
Wenn ich das angezeigte Logo interessant finde - die Tankstelle, weil mein Kraftstoff zur Neige geht, den Schnellimbiss, weil ich Hunger habe - und darauf klicke, sehe ich eine gegebenenfalls hinterlegte Zusatzinformation inklusive eines QR-Codes. Diesen kann ich mit dem Handy scannen und wie einen traditionellen Gutschein im Geschäft einlösen. Das Ganze kostet mich nichts und funktioniert, sobald ich bei einem Software-Update eingewilligt habe, entsprechende Werbung auf meinem Auto-Display zu erhalten.Wie teuer ist die Werbung für den Händler?
Die Währung ist der sogenannte "Tausender-Kontakt-Preis", der zurzeit drei Euro beträgt. Das bedeutet: Bucht ein Retailer beispielsweise für seine Kampagne bei einem Autohersteller zu einem TKP von 3 Euro 500.000 Kontakte, so kostet ihn das 1.500 Euro. Gezählt wird jeweils nur, wenn die Pin bei einem Fahrer tatsächlich im Display auftaucht, er also die Chance hat, das Logo wahrzunehmen. Eine Logo-Impression pro Fahrt kostet in unserem Beispiel 0,3 Cent. Im Vergleich zu anderen Werbeformen ist also nicht nur die zielgenaue Ansprache, sondern auch der Preis sehr attraktiv. Alle Anzeigen sind natürlich DSGVO-konform und nie ablenkend für den Fahrer.Wer ist der stärkste Konkurrent im Kampf um die Screens?
Das Smartphone! Andere Wettbewerber haben es dagegen schwer, da wir uns als Single-Source-Supplier im Vehicle-Commerce etablieren - schließlich will kein Autohersteller gern das anspruchsvolle Prozedere, das von den ersten Gesprächen bis zur technischen Implementierung durchaus zwei Jahre dauern kann, mit mehr als einem Anbieter durchaufen. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir die von uns derzeit erreichte Zahl von einer Million Fahrzeugen in Deutschland und drei Millionen weltweit rasch steigern können.
Das Interview führte Björn P. Böer.
Dieser Artikel erschien zuerst in Der Handel.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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