
Kleinanzeigen + Immoscout24, Adidas + Offspring, Otto + Nvidia, Lookiero Outfittery Group, Amazon, Galaxus + Zalando, Dark Data
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteur Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Kleinanzeigen: Großangriff auf Immoscout24
Kleinanzeigen startet eine Offensive gegen Immoscout24, berichtet Manager-Magazin.de. Die Eigentümer Permira und Blackstone wollen das Portal mit Bezahlangeboten für Makler zum professionellen Immobilienmarktplatz ausbauen. Mit 500.000 Immobilieninseraten generiere Kleinanzeigen bereits 90 Mio. Visits monatlich und liege damit nur knapp hinter dem Münchner Konkurrenten. Dessen „rabiate Preiserhöhungen“ böten eine Flanke. Das klassische Trödel-Geschäft verzeichne zwar 30 Mio. Nutzer, aber bringe nur 256 Mio. Euro Umsatz, da Privatanzeigen kostenlos seien.
Adidas und Offspring bauen digitales Sneaker-Archiv
Adidas startet mit dem Händler Offspring die digitale Plattform „House of ZX“, berichtet Fashionunited.com. Die Seite archiviere vier Jahrzehnte ZX-Sneaker-Geschichte – vom ersten ZX500 aus dem Jahr 1984 bis zu Kollaborationen mit Atmos oder Sean Wotherspoon. Offspring-Mitglieder kuratierten die Inhalte und steuerten eigene Beiträge bei. Die Plattform informiere zudem über kommende Releases und Store-Events. Den Auftakt habe am Samstag der ZX 8000 MIG „Made in Germany“ in zwei Farbvarianten gemacht.
Nvidia-KI koordiniert Otto-Logistik per Simulation
Die Otto Group entwickelt mit Nvidia einen „Robotic Coordination Layer“, der Roboterflotten an rund 120 Logistikstandorten koordinieren soll, wie das Unternehmen mitteilt. Basis sei „Nvidia Omniverse“ und „Isaac Sim“, die Infrastruktur laufe auf Google Cloud. Der IT-Dienstleister Reply habe bereits einen digitalen Zwilling des Pilotstandorts Löhne erstellt, in dem verschiedene Robotertypen simuliert, trainiert und in Echtzeit gesteuert würden. Die initiale Entwicklung verschlinge einen zweistelligen Millionenbetrag. Langfristig solle das System sämtliche Geräte vom mobilen Roboter bis zur Sortieranlage zentral verwalten.
Lookiero Outfittery Group sammelt 17 Mio. Euro ein
Die Lookiero Outfittery Group hat sich 17 Mio. Euro Kapital gesichert, berichtet Retail-News.de. Die 2025 aus der Fusion des spanischen Lookiero mit dem Berliner Outfittery entstandene Gruppe wolle damit KI-gestützte Styling-Funktionen ausbauen und ihre Logistik in Europa verstärken. Trotz zunehmender Automatisierung bei Personalisierung und Nachfrageprognosen sollten Personal Shopper der zentrale Fokus bleiben. Das Unternehmen sei inzwischen in zwölf Märkten aktiv und habe 2025 erstmals ein positives Ebitda erzielt.
HANDEL INTERNATIONAL
Digital Networks Act setzt auf Dialog statt Sanktionen
Der Digital Networks Act soll Big Tech zur Finanzierung europäischer Netzinfrastruktur bewegen, setzt nun aber auf freiwillige Kooperation statt Strafen, berichtet Heise.de. Anders als der Digital Markets Act, der bereits dreistellige Millionenbeträge von Apple, Google und Meta eingetrieben habe, drohe dem am 20. Januar vorgestellten Regelwerk die Zahnlosigkeit. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen wolle offenbar die transatlantischen Beziehungen schonen – die Trump-Regierung werte europäische Regulierung als gezielten Angriff auf US-Konzerne. Ob EU-Länder und Parlament die sanfte Gangart mittragen, bleibe offen.
Amazon erhielt die Genehmigung für einen 21.000 Quadratmeter großen Supermarkt nahe Chicago, berichtet Businessinsider.com. Das Konzept kombiniere Lebensmittel, Haushaltswaren und Bekleidung mit einem übergroßen Lagerbereich, der gleichzeitig als Fulfillment-Center für Online-Bestellungen diene. Kunden könnten Waren vor Ort kaufen oder online bestellte Produkte abholen. Mit der Größe eines Walmart Supercenters trete Amazon nun direkter gegen stationäre Konkurrenten an – während diese ihr E-Commerce-Geschäft ausbauen, kopiere der Online-Händler deren physisches Playbook.
Carpathia-Prognose: Galaxus überholt Zalando
Der Schweizer Online-Handel wächst 2026 einstellig und gewinnt weiter Marktanteile, prognostiziert Carpathia.ch. Galaxus werde Zalando im Umsatzranking überholen, während Temu sein Local-to-Local-Programm ausbaue und möglicherweise frische Lebensmittel anbiete. ChatGPT und andere KI-Tools übernähmen zunehmend die Vermittlungsfunktion klassischer Marktplätze durch direkte Check-outs, was deren Provisionsmodell unter Druck setze. Junge Käufer kauften verstärkt direkt aus Social-Media-Feeds und bei Influencern ein, getrieben vom deutschen Tiktok Shop – der Schweiz-Start der Plattform bleibe ungewiss.
Portugals E-Commerce wächst weihnachtlich 19 Prozent
Der Online-Handel in Portugal verzeichnete bei den Transaktionen während der Weihnachtszeit einen Anstieg um 19 Prozent, wie Ecommercenews.eu berichtet. Der Wert der Käufe sei um 14 Prozent gestiegen. E-Commerce habe mittlerweile 18 Prozent aller Transaktionen ausgemacht, beim Umsatzwert sogar 21 Prozent. Am 24. Dezember seien bis zu 446 Transaktionen pro Sekunde verzeichnet worden. Besonders stark gewachsen seien digitale Geldbörsen: Das portugiesische System MB WAY habe online 36 Prozent mehr Zahlungen abgewickelt.
Peking will Apps an die digitale Leine nehmen
China plant strengere Datenschutzregeln für Apps, berichtet Techinasia.com. Die Cyberspace Administration habe am 10. Januar einen Entwurf veröffentlicht, der Apps verpflichte, Datensammlung transparent zu erklären und nur nach informierter Nutzerzustimmung durchzuführen. Besonders Minderjährige und biometrische Informationen sollten zusätzlich geschützt werden. Kamera und Mikrofon dürften künftig ausschließlich während aktiver Nutzung zugreifen – wer gerade kein Foto schießt, bleibe unbeobachtet. Bis 9. Februar laufe die öffentliche Kommentierungsfrist.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Kundentreue stirbt an ungenutzten Daten
Zwei Drittel der Konsumenten bekennen sich zu ihrer Lieblingsmarke, doch 61 Prozent wechseln trotzdem für einen besseren Preis, zeigen laut Pressemitteilung Daten von SAP Emarsys. Fast die Hälfte springe nach negativen Erlebnissen ab. Im B2B-Geschäft bleibe die Mehrheit der Käufer aus Bequemlichkeit: 72 Prozent zeigten lediglich „Default Loyalty“, also Beharrung aus Wechselschmerz statt echter Bindung. Das Problem liege nicht am Willen der Marken, sondern an „Dark Data“ – Daten, die bereits erfasst worden seien, aber in getrennten Systemen festhingen und deshalb nicht aktiviert werden könnten.
Nach der Cyber Week steigen die IT-Risiken
Die Zeit nach Black Friday und Cyber Week birgt höhere IT-Risiken als die Aktionstage selbst, zeigt eine Auswertung von Dynatrace. Demnach seien zwischen Black Friday und Cyber Monday 100 Petabyte Daten verarbeitet worden – dreimal so viel wie im Vorjahr. Der Web-Traffic habe 80 Prozent über dem normalen Wochenendniveau gelegen, am Black Friday sogar 100 Prozent darüber. Besonders heikel: Die Belastung komme in kürzeren, heftigeren Wellen. Während Aufmerksamkeit und Personalbesetzung nach den Promo-Tagen sinken würden, blieben die Systeme unter Spannung – ein unterschätztes Risiko für Verfügbarkeit und damit Kundenvertrauen.
Zwei Drittel der deutschen Unternehmen übertragen personenbezogene Daten in Länder außerhalb der EU, zeigt eine Bitkom-Umfrage. Fast alle nutzten dafür Cloud-Dienste und Kommunikationsplattformen, zwei Drittel den globalen 24/7-Support. Drei Viertel warnten vor unmittelbar höheren Kosten bei einem Verzicht, 71 Prozent vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Nicht-EU-Konkurrenten. Die USA blieben mit 61 Prozent wichtigstes Zielland, gefolgt von Großbritannien mit 43 Prozent. 78 Prozent erwarteten von der Politik endlich Rechtssicherheit.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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