
Modebranche leidet unter kopierter Markenware
Weil zahlreiche Händler gefälschte Sandalen verkauft haben sollen, zieht sich Birkenstock von der US-Seite von Amazon zurück. Auch in Deutschland machen Plagiate der Modebranche zu schaffen.
Thomas RehmRedakteurDer Schuhhersteller Birkenstock hatte Ende vergangener Woche angekündigt, den Verkauf seiner Produkte auf der US-Verkaufsseite von Amazon zu stoppen. Über Amazon Marketplace - der Plattform für eigenständige Händler - seien gefälschte Sandalen aus China in den Umlauf gekommen. Das Unternehmen aus Neustadt/Wied (Rheinland-Pfalz) wirft Amazon vor, den Vertrieb "schlechter Kopien" toleriert zu haben.
Markenhersteller im Clinch mit Amazon
Birkenstock ist nicht das erste Unternehmen, das mit Amazon über Geschäftspraktiken auf Marketplace im Clinch liegt: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hatte auch der Konsumgüter- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson im Jahr 2013 den Verkauf auf Amazon zeitweise eingestellt. Das Unternehmen befürchtete einen Schaden für die eigene Marke, da auf Amazon angeblich beschädigte oder abgelaufene Ware vertrieben worden sein soll.
Vor täuschend echten Fälschungen sind auch Konsumenten in Deutschland nicht sicher. «Online-Shops, in denen gefälschte Waren angeboten werden, machen einen immer professionelleren und seriöseren Eindruck», wie eine Zoll-Sprecherin erklärte. Häufig sei der Preisunterschied auch nicht zu groß, damit die Käufer keinen Verdacht schöpften.
Mode wird gerne kopiert
Mode-Plagiate zählen zu den gefragtesten Fälscherwaren: Der Gesamtwert von eingezogenen gefälschten Schuhen und gefälschter Kleidung (14,4 Millionen Euro) lag nach Körperpflegeprodukten (18,8 Millionen) in Deutschland zuletzt an zweiter Stelle. Zwischen 2010 und 2015 wurden Kopien bekannter Schuh- oder Kleidungshersteller im Wert von insgesamt 132 Millionen Euro vom Zoll sichergestellt. Gefälschte Sneakers, Designer-Kleider oder Sporttrikots kommen aber nicht nur in Container oder Paketen, sondern auch in Koffern von Urlaubern über die Grenze. Der Zoll warnt: Viele der vermeintlichen Schnäppchen seien qualitativ minderwertig und teilweise gesundheitsgefährdend.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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