
Amazon, Media-Saturn, Kleinanzeigen.de, Hello Fresh, Spielzeug, Getir, Alibaba und Lazada, Musinsa, JD Logistics und Geopost, KI-Kennzeichnung, Influencer Marketing, Österreichische Post
Aktuelle E-Commerce-News: Amazon, Media-Saturn, Kleinanzeigen.de, Hello Fresh, Spielzeug, Getir, Alibaba und Lazada und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Aufregung um angeblichen „Pendlermob“ von Amazon-Mitarbeitern
Der Bahnhof von Achim in Niedersachsen liegt nicht weit entfernt von einem Amazon-Logistikzentrum. Dessen Mitarbeiter werden nach Feierabend mit Bussen zum Bahnhof gefahren. Als es letzte Woche wegen einer Baustelle knapp wurde, den Zug zu erreichen, schlug sich eine Gruppe von Pendlern durchs Gebüsch und lief über die Gleise auf den Bahnsteig, was den Zug anhalten und die Polizei anrücken ließ. In einigen Meldungen war von einem „Pendlermob von 200 Personen“ die Rede, was sogar Fernsehteams vor Ort in Stellung gehen ließ. Spiegel Online reiste ebenfalls an und korrigierte am nächsten Tag, vermutlich hätten „nur fünf Personen den Zug aufgehalten und nicht 200“. Auch Amazon selbst war präsent, um „zu sensibilisieren“, aber offenbar auch zu warnen: Falls Mitarbeiter an den Gleisübertritten beteiligt waren, toleriere das Unternehmen ein solches Verhalten nicht.
„Paket weg? Paket beschädigt? Systemgestützte Nachforschung mit FIEGE.
Die Bearbeitung von Klärfällen impliziert für den Customer Service eine mühsame und lästige Auseinandersetzung mit den Carriern. Das bindet Zeit und Ressourcen. Viele Online-Akteure schreiben daher ca. 0,2 % ihres Online-Umsatzes einfach ab. Das muss nicht sein. Sparen Sie bares Geld.“ Mehr lesen
Media-Saturn dezentralisiert und zentralisiert Reparaturservice
Die Media-Markt und Saturn-Märkte schließen ihr Tochterunternehmen Tec-Repair und dessen 16 Servicecenter in Deutschland, wovon rund 850 Mitarbeiter betroffen seien. Mutterkonzern Ceconomy bestätigte einen entsprechenden Artikel der „Wirtschaftswoche“, über den n-tv.de berichtet. Man wolle Effizienz und Kundenservice verbessern und daher Beratung, Service und Reparatur in den Märkten vereinen. Dafür sollen 400 neue Stellen geschaffen und 1200 interne Mitarbeitende qualifiziert werden, die Dienstleistungen künftig aus einer Hand anzubieten. Aufwändigere Reparaturen sollen in einem Service-Zentrum in Erfurt ausgeführt werden, wo dafür zunächst 20 neue Stellen eingerichtet werden sollen. Insgesamt wolle man das Reparatur-Geschäft ausbauen; Ceconomy-Chef Carsten Wildberger hatte stets betont, er sehe Service als Wachstumsfeld.
Kleinanzeigen.de pusht Sofortkauf-Feature – mit Hürden
Die Anzeigenplattform Kleinanzeigen.de (bis Mai „eBay Kleinanzeigen“) führt neue Funktionen ein, darunter „Sicher bezahlen“ und „Direkt kaufen“. Letztere ermöglicht es, Waren direkt über die Plattform zu verkaufen und das Geld über eine Online-Payment Platform zu erhalten. Kritikwürdig sei, dass das Feature „Direkt kaufen“ derzeit bei jeder neuen Anzeige als Standardeinstellung aktiviert werde, wie t3n.de berichtet. Dies könne zu unerwünschten Folgen führen, einerseits, indem man womöglich versehentlich nur einen niedrigeren Preis erlöse als gewünscht, andererseits indem während der Feriensaison ein Käufer zwar direkt kaufen, aber der Verkäufer womöglich in Abwesenheit nicht direkt versenden könne. Verkäufer sollten daher auf realistische Preise und schnelle Reaktionen achten oder die Option beim Einstellen deaktivieren.
HANDEL INTERNATIONAL
Hello Fresh spart sich im Q2 zu Rekordgewinn von 190 Mio.
Für den Kochboxen-Versand Hello Fresh lief das vergangene zweite Quartal 2023 positiver als erwartet. Während der Umsatz auf dem Vorjahresniveau blieb und währungsbereinigt nur um ein Prozent auf 1,9 Mrd. Euro stieg, wird nach vorläufigen Berechnungen das bereinigte operative Ergebnis zwischen 185 und 195 Mio. Euro liegen. Wie onlinehaendler-news.de berichtet, liege die Verbesserung vor allem an geringeren Ausgaben für Wachstum und Werbung, die man stattdessen in die zweite Hälfte des Geschäftsjahres verschieben wolle. Zudem sei auch die Anzahl der aktiven Kunden zuletzt „um einen hohen einstelligen Prozentsatz“ zurückgegangen; allerdings erhöhten sich der durchschnittliche Bestellwert und die Anzahl Bestellungen pro Kunde etwa im gleichen Maße.
E-Commerce-Boom führt zu immer mehr giftigem Kinderspielzeug
Der Online-Handel mit Spielzeug boomt weiterhin. Etwa 60 Prozent der Deutschen kaufen Spielzeug im Internet; laut Statistischem Bundesamt werden gut 40 Prozent des Umsatzes von zuletzt 4,7 Mrd. Euro (2022) im Netz erwirtschaftet. Substanziell zugenommen haben insbesondere Direktbestellungen bei chinesischen Anbietern. Dies führt zu Sicherheitsrisiken, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, die dazu auch das EU-Schnellwarnsystem „Safety Gate“ analysiert hat. Experten warnen vor giftigen Fingerfarben, Teddybären mit schlechten Nähten oder Hüpfbällen mit giftigen Chemikalien. Im vergangenen Jahr wurden über 200 gefährliche Spielzeuge gemeldet, doch die tatsächliche Anzahl sei vermutlich viel höher. Gefordert werden schärfere Sanktionen für Hersteller und Importeure von gefährlichem Spielzeug sowie klare Vorgaben für Kontrollen und Sicherheitsstandards.
Umfrage: Was wünschen Sie sich für das Bezahlen der Zukunft?
Welche Wünsche haben Sie als Händlerin und Händler an das Bezahlen der Zukunft? Euro Kartensysteme hat dazu eine Umfrage aufgelegt. Nehmen auch Sie daran teil und beteiligen sich so an der Weiterentwicklung der girocard.
Getir verkauft Motorroller und sucht nach Finanzierung
Der Sparkurs von Getir geht weiter. Am Mittwoch begann das Unternehmen in türkischem Besitz mit der Versteigerung von Fahrzeugen und Ausrüstung, da es eine Reihe seiner „dunklen Läden“ in Großbritannien schließen wolle. Die auf der Website eines Gewerbeimmobilienmaklers aufgelisteten Gegenstände reichten von Motorrollern und Sturzhelmen über isolierte Lebensmittellieferboxen bis zu Kühltruhen für den Einzelhandel, wie thenextweb.com berichtet. Getir soll derzeit außerdem versuchen, eine Finanzierungsrunde unter Einbezug der bestehenden Investoren auf die Beine zu stellen.
Alibaba pumpt weitere 845 Mio. in Südostasien-Marktplatz Lazada
Die Alibaba Group hat mit ihrer E-Commerce-Tochter Lazada in Singapur offenbar weiterhin Probleme. Die Firma hat bereits mehrere CEO-Wechsel hinter sich. Nun investiert Alibaba umgerechnet weitere 845 Mio. US-Dollar in den Marktplatz, mit denen lokale Händler auf der Plattform unterstützt werden sollen, wie IT Times Germany berichtet. Lazada war 2012 mit der Unterstützung von Rocket Internet gegründet worden. Alibaba übernahm im Jahr 2016 die Mehrheit und hat nun insgesamt knapp sechs Milliarden Dollar investiert. Im letzten Jahr war Lazada mit einem Brutto-Warenvolumen von 20 Mrd. Dollar die zweitgrößte E-Commerce-Plattform in Südostasien, hinter dem Marktführer Shopee mit 48 Mrd. Dollar.
„K-Fashion“-Store Musinsa sichert sich 170 Mio. in C-Runde
Korea ist weiter im Aufschwung, nach „K-Pop“ und „K-Drama“ (Squid Game) nun auch mit „K-Fashion“. Der 2001 in Seoul als Sneaker-Versand gegründete Musinsa hat sich zu einer der wichtigsten Plattformen für südkoreanische Mode entwickelt, inzwischen Produkte von 8.000 einheimischen und internationalen Marken im Sortiment und ist in 13 Ländern aktiv. Mit der aktuellen „Series-C“-Finanzierungsrunde sollen umgerechnet 170 Mio. Euro ins Unternehmen fließen, wie Fashion United berichtet. Angeführt wird die Runde von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft KKR, die erstmals in eine südkoreanische Firma investiert.
JD Logistics und Geopost kooperieren für weltweiten Versand
JD Logistics, Logistikarm des chinesischen Internetriesen JD.com, und Geopost, Mutterkonzern von DPD und Tochter von La Poste, haben eine strategische Partnerschaft bekanntgegeben, um ihrerseits die Wege zwischen China und Europa zu verkürzen. Die Unternehmen wollen diverse Direktversandlösungen anbieten inklusive Sendungsverfolgung, Haustürzustellung und globaler Rückwärtslogistik. JD kündigt in seinem Blog an, Kunden könnten nicht nur mit wettbewerbsfähigen Preisen rechnen, sondern auch mit beschleunigten Lieferzeiten, die „die Benchmarks der Branche um ein bis zwei Tage übertreffen“. Erst vor zwei Wochen hatte Alibabas Tochter Cainiao einen „branchenweit einmaligen globalen 5-Tage-Lieferservice“ angekündigt („Morning Briefing“ vom 12. Juli). Die Benchmarks der Branche für weltweite Lieferungen sind offenbar in Bewegung.
TRENDS & TECH
Amazon, Google und Co. sagen Kennzeichnung von KI-Inhalten zu
Wichtige Techunternehmen, darunter Amazon, Google, Microsoft und OpenAI, haben sich nach Angaben der US-Regierung dazu verpflichtet, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen, wie Spiegel Online berichtet. Das Weiße Haus sähe diese Zusicherung als „entscheidenden Schritt zur Entwicklung verantwortungsvoller KI“. Die Unternehmen wollen Verbrauchern helfen, künstlich erzeugte Inhalte zu erkennen. Neben digitalen Wasserzeichen sollen externe Sicherheits-Audits, Meldewege für Sicherheitsforscher und die Veröffentlichung von Berichten über technische Schwachstellen und gesellschaftliche Risiken erfolgen. Die Unternehmen wollen damit auch einer möglichen gesetzlichen Regelung zuvorkommen. Auch auf EU-Ebene wird eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte im Rahmen des „AI Act“ diskutiert.
Instagram Influencer Marketing: etabliert, aber leicht rückläufig
Der Onlineshop Parfumdreams hat die nach eigener Aussage größte Instagram-Influencer-Studie Deutschlands in Auftrag gegeben: 390.000 Posts der 1000 reichweitenstärksten deutschen Influencer von Toni Kroos (Fußballspieler, 37 Mio. Follower auf Instagram) bis Toni Garrn (Model, 4.4 Mio. Follower) wurden analysiert und zu Dutzenden von Statistiken verarbeitet. Einige Erkenntnisse: Von den Top 1000 Influencern haben rund 70 Prozent in den letzten 3 Jahren mindestens einen gesponserten Post veröffentlicht. Branchenleader ist Mode mit 53 Prozent der Kooperationen und Zalando als aktivster Marke; es folgen die Branchen Technologie (37%), Essen & Trinken (35%) und Sport (33%). Sylvie Meis, ehemals van der Vaart, hält den Rekord für die meisten Likes eines gesponserten Posts: 1,3 Mio. Eine wichtige Aussage steht ganz am Ende: Instagram verzeichnet einen leichten Rückgang der Influencer-Aktivitäten über den untersuchten Zeitraum – vermutlich weil diese inzwischen auch auf Tiktok, Twitch oder Youtube Shorts aktiv sind und sich das Marketingbudget auf verschiedene Kanäle verteilt.
NACHHALTIGKEIT
Österreichische Post bietet Mehrweg-Verpackungen als Service
Mit „Post Loop“ bietet die Österreichische Post einen neuen Service für Geschäftskunden an. Online-Shops können ihre Produkte damit in wiederverwendbaren Verpackungen versenden. Der Empfänger entnimmt die Produkte, faltet die Verpackungen und sendet sie über Briefkästen, Post-Partner, Postfilialen oder SB-Geräte zurück. Angeboten werden zwei Tarife: Bei der Basisvariante „Post Loop Service“ können Unternehmen ihre eigenen wiederverwendbaren Verpackungen verwenden, die Post kümmert sich um den Rücktransport. Bei „Post Loop Service Plus“ vermietet die Post zusätzlich die Verpackung, übernimmt Reinigung, Aufbereitung und Inventarisierung sowie das fachgerechte Recycling am Lebensende. Je nach Verpackung sollen bis zu 30 Versandzyklen durchlaufen werden können, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärt.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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