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Aktuelle E-Commerce-News: Adidas, Hellofresh, Amazon, Online-Medikamentenkauf, Boohoo wird Debenhams, Twint, Tiktok und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Europa treibt Adidas Wachstum an
Sportartikelhersteller Adidas steigerte seinen Online-Umsatz laut Ecommercenews.eu um sechs Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz des Unternehmens sei 2024 auf 23,7 Mrd. Euro geklettert, was einem Plus von elf Prozent entspreche. In Europa habe Adidas besonders stark zugelegt und den Nettoumsatz um 20 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro gesteigert – in den USA hingegen schrumpften die Umsätze unter anderem wegen hoher Lagerbestände um zwei Prozent.
Weniger Kunden, mehr Gewinn – Hellofresh ändert den Kurs
Hellofresh peilt dieses Jahr trotz erwarteter Umsatzeinbußen einen deutlichen Gewinnanstieg an, berichtet Retaildetail.eu. Der Kochboxenversender habe nach fünf Wachstumsjahren seine Strategie radikal umgestellt und setze nun auf Profitabilität statt Expansion. CEO Dominik Richter bezeichne diesen Kurswechsel als „Efficiency Reset“, bei dem sich das Unternehmen auf hochwertigere Kunden mit größeren Bestellmengen konzentriere. Die ersten Früchte dieser Neuausrichtung seien bereits im vierten Quartal 2024 erkennbar gewesen, als die Marge auf 27,1 Prozent kletterte, während die Marketingausgaben auf 16 Prozent des Gesamtumsatzes schrumpften.
Verpackt zurücksenden kostet jetzt bei Amazon extra
Amazon verlange neuerdings Gebühren zwischen 1,95 und 2,95 Euro für verpackte Retouren, berichtet Onlinehaendler-News.de. Lediglich unverpackte Rücksendungen in DHL- oder UPS-Paketshops sowie die Einlieferung ohne Karton in DHL-Packstationen blieben kostenfrei. Die verfügbaren kostenfreien Optionen würden sich nach dem Verkäufer richten, wobei bei Amazon-eigenen Produkten mehr gebührenfreie Alternativen zur Verfügung stünden. Der Marktplatz folge damit einem Branchentrend, bei dem große Händler kostenlose Retourenmöglichkeiten zunehmend einschränkten.
Online-Medikamentenkauf wächst langsam aber stetig
Jeder fünfte Deutsche zwischen 16 und 74 Jahren bestellt mittlerweile Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel online, berichtet das Statistische Bundesamt. Der Anteil sei seit 2021 von 16 auf 21 Prozent geklettert und spiegle einen klaren Geschlechterunterschied: 24 Prozent der Frauen besuchten digitale Apotheken, aber nur 17 Prozent der Männer. Zum Vergleich: 83 Prozent der Deutschen shoppen online.
HANDEL INTERNATIONAL
Von Boohoo zu Debenhams – Marktplatz als Rettungsanker
Der Online-Modehändler Boohoo benennt sich mit sofortiger Wirkung in Debenhams Group um und stellt alle Marken auf ein Marktplatz-Modell um, berichtet Drapersonline.com. Der britische Fast-Fashion-Anbieter, der einen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 1,2 Mrd. Pfund verkraften musste, will durch das schlankere Betriebsmodell Überbestände reduzieren und Retouren bekämpfen. Kritiker betrachteten die Umbenennung skeptisch und meinten, sie diene möglicherweise dazu, sich von früheren Lieferkettenproblemen zu distanzieren. „Ein Boohoo, das sich Debenhams nennt, bleibt trotzdem Boohoo“, so Einzelhandelsanalyst Richard Hyman.
Twint lanciert drei neue Funktionen
Die mit 5 Mio. Nutzern erfolgreichste Schweizer Bezahl-App Twint erweitert laut Medienmitteilung ihr Angebot durch drei neuen Funktionen für Händler und Konsumenten. Das Unternehmen führe eine „Business Portal App“ als mobile Transaktionszentrale ein, die Händlern Echtzeit-Überblick verschaffe und Push-Benachrichtigungen ermögliche. Mit dem „Express Checkout“ könnten Nutzer, ähnlich wie bei Paypal, hinterlegte Lieferdaten per Klick übermitteln, während der neue „Zahlungslink“ Händlern ohne eigenen Online-Shop Einnahmen über E-Mail oder Whatsapp erlaube.
Amazons Produktfinder führt Kunden zum Wunschkauf
Amazon hat ein neues Tool namens „Produktfinder“ für Markenhändler eingeführt, berichtet Ecommercebytes.com. Das interaktive Quiz-System führe Kunden durch gezielte Fragen zum am besten passenden Produkt und könne in etwa 20 Minuten im eigenen Markenshop eingerichtet werden. Marken könnten bis zu 35 Produkte hinterlegen, die dann basierend auf den Kundenantworten intelligent empfohlen würden. Ein Beispiel aus Deutschland wäre der Produktfinder von Bosch.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Schlafenszeit auf Tiktok – Neue Jugendschutzfeatures
Tiktok rollt neue Funktionen zum Schutz von Teenagern auf seiner Plattform aus, berichtet Techcrunch.com. Eltern könnten künftig den Zugriff ihrer Kinder auf die App zu bestimmten Zeiten blockieren und außerdem Einblick in deren Follower-Listen erhalten. Zusätzlich erscheine bei unter 16-Jährigen nach 22 Uhr eine bildschirmfüllende Nachricht mit beruhigender Musik, die zum Schlafengehen animiere. Die neuen Features seien Teil der Bemühungen Tiktoks, Bedenken von Gesetzgebern über die Auswirkungen sozialer Netzwerke auf junge Nutzer zu zerstreuen.
Alibabas Accio hat eine Million Nutzer
Alibabas KI-gestützte B2B-Suchmaschine Accio hat innerhalb von fünf Monaten eine Million Nutzer erreicht, berichtet das Unternehmen. Die Plattform biete nun zwei neue Funktionen: „Business Research“ automatisiere zeitaufwändige Marktanalysen und verwandle vage Produktideen in umsetzbare Geschäftspläne mit Kostenschätzungen. „Deep Search“ hingegen optimiere die globale Beschaffung durch intelligente Anpassung an die Anforderungen und erstelle KI-kuratierte Lieferanten-Shortlists. Dabei setze Accio auf das Open-Source-Sprachmodell „Qwen“ und Reasoning-Modelle, die mit realen Branchendaten trainiert worden seien.
AWS bringt günstiges KI-Sprachmodell Deepseek in die Cloud
AWS hat als erster Cloud-Anbieter das KI-Sprachmodell Deepseek-R1 als Komplettangebot bereitgestellt, teilt Amazon Web Services mit. Das Modell beeindrucke durch ausgefeilte Reasoning-Fähigkeiten und tiefes Kontextverständnis bei komplexen Aufgaben und stehe nun allen AWS-Kunden für unternehmensweite Einsätze zur Verfügung. Deepseek-R1 sei außerdem laut Branchenbeobachtern bis zu 95 Prozent kostengünstiger als vergleichbare Modelle.
Deutschland im KI-Wettlauf abgehängt
Deutschland ist bei der KI-Implementierung das Schlusslicht: Z.B. verfügten nur 47 Prozent der Unternehmen über KI-optimierte Daten (Großbritannien 74 Prozent, USA 64 Prozent, Frankreich 65 Prozent), so der „Data Complexity Report“ von NetApp. China hingegen halte über 60 Prozent aller KI-Patente; die USA habe im vergangenen Jahr 67 Mrd. Euro in die neue Technologie investiert. Eine intelligente, flexible Dateninfrastruktur stelle laut NetApp-Deutschlandchefin Begoña Jara den Schlüssel dar, um den drohenden Wettbewerbsnachteil auszugleichen und im KI-Zeitalter bestehen zu können.
NACHHALTIGKEIT
Fashionette entdeckt den Secondhand-Luxus für sich
Der Online-Händler Fashionette steigt mit einem neuen Pre-loved-Channel in den Secondhand-Luxusmarkt ein, berichtet Textilwirtschaft.de. Das Unternehmen, eine Tochter der Düsseldorfer The Platform Group, werbe mit verifizierten Designerstücken zu attraktiven Preisen und positioniere sich damit als Plattform für nachhaltigeren Luxuskonsum. Zum Start des noch überschaubaren Angebots fänden Kunden 1485 Taschen, 120 Accessoires aber nur 16 Schmuck- und Uhrenartikel im Vintage-Sortiment.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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