
Aldi Süd, App-Installationen, Windeln.de, Klingel, Tiktok, Sumup, Sprinque, Robotik, Migros, Diconium, Ökodesign-Verordnung
Aktuelle E-Commerce-News: Aldi Süd, App-Installationen, Windeln.de, Klingel, Tiktok, Sumup, Sprinque, Robotik, Migros und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Aldi Süd baut seinen Lieferdienst nicht aus
Aldi Süd hat Ende August seinen Lieferdienst „Mein Aldi“ in Mülheim an der Ruhr, Duisburg und Oberhausen getestet und will das Angebot nach diesen Erfahrungen nicht flächendeckend ausbauen. „Der Online-Handel mit Lebensmitteln ist aufgrund der hohen Kosten für Personal, Rohstoffe und Logistik derzeit kein rentables Geschäftsmodell“, zitiert Zeit.de eine Unternehmenssprecherin. Marktführer im Online-Lebensmittelhandel ist der Konkurrent Rewe, der mit seinem Shop im vergangenen Jahr 650 Mio. Euro erwirtschaftete.
Ab dem 14. Februar 2024 startet die Durchführung des englischsprachigen CAS in International Retail Management! Hochkarätige Referenten aus Forschung und Praxis vermitteln das Rüstzeug, um Ihr Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Das flagship Programm orientiert sich an aktuellen Managementherausforderungen im Handel und fördert den informellen Austausch zwischen Branchenkollegen:innen. Weitere Details und Anmeldung bis 15. Dezember 2023
Jeder Vierte shoppt wöchentlich online
28 Prozent der Deutschen kaufen mindestens einmal pro Woche online ein – ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr, zeigt eine Studie von Visa und Forsa. 53 Prozent kaufen Kino-, Theater- und Konzertkarten meistens oder immer online, 38 Prozent tun dies bei Elektronikartikeln und 24 Prozent bei Kleidung. Die wichtigsten Vorteile des Online-Shoppings sind für die 1.700 Befragten die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten (82 Prozent), keine Fahrtwege (67 Prozent) und der einfache Preisvergleich (61 Prozent). Aber es gibt auch Wünsche: 74 Prozent würden gerne ohne Registrierung einkaufen, die Hälfte möchte nicht für jeden Shop ein eigenes Passwort anlegen und verwalten müssen.
App-Installationen auf Android haben sich verdoppelt
Im Jahr 2023 hat sich die Zahl der App-Installationen auf Android-Geräten verdoppelt, während auf Apples iOS nur ein Wachstum von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war, allerdings mit einem besonderen Wachstum am Black Friday, als die Zahl im November um 25 Prozent anstieg. Appsflyer hat in einer Studie rund fünf Millionen Installationen von 112 E-Commerce-Apps auf dem deutschen Markt ausgewertet und festgestellt, dass die In-App-Käufe auf beiden Betriebssystemen am Black Friday um 80 Prozent gestiegen sind, die Einkäufe aber im Vergleich zum Vorjahr auf Android um 20 Prozent und auf iOS um 22 Prozent zurückgegangen sind.
Windeln.de mit Insolvenzplan
Am 30. Januar 2023 wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Windeln.de wegen Zahlungsunfähigkeit eröffnet, da kein Investor zur Deckung des Finanzbedarfs gefunden werden konnte. Nun hat die Gläubigerversammlung laut Pressemitteilung der Pluta einem Insolvenzplan mit einer Insolvenzquote von 43,95 Prozent zugestimmt, der die Übernahme durch eine Investorengruppe ermöglicht, die die Geschäfte von Windeln.de fortführen und die Börsennotierung erhalten will. Hauptabsatzmarkt des Münchner E-Commerce-Unternehmens ist – über die Plattform windeln.jd.hk – China.
Klingel verkauft Miamoda
Die Klingel Gruppe verkauft ihre Plus-Size-Modemarke Miamoda aus dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an die Popken Fashion Group, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt gab. Popken ist ein Omnichannel-Anbieter für große Größen und kann damit seine Marken Ulla Popken, Laurasøn, Studio Untold und JP1880 um das Angebot von Miamoda erweitern. Happysize, ebenfalls aus dem Klingel-Portfolio, hatte den Wechsel bereits zuvor vollzogen. Ein Investor für die gesamte Klingel-Gruppe konnte nicht gefunden werden.
HANDEL INTERNATIONAL
Tiktok übernimmt Tokopedia
Nachdem Tiktok Shop in Indonesien wegen der von der Regierung geforderten strikten Trennung von Social Media und Handel seine Pforten schließen musste, übernimmt Tiktok nun die Mehrheit an der indonesischen E-Commerce-Plattform Tokopedia. Für 840 Mio. Dollar geht ein Anteil von 75,01 Prozent an die chinesische Tochter von Bytedance, meldet Excitingcommerce.de. Insgesamt sollen 1,5 Mrd. Dollar investiert werden, um die Plattform auch auf die Kunden und Verkäufer von Tiktok Shop auszuweiten.
Der Vorteil einer Standortpartnerschaft? Eine Fläche, doppelter Nutzen.
Das Thema E-Mobilität ist das Thema der Stunde: In Deutschland sollen bis 2030 mindestens 15 MillionenE-Fahrzeuge auf die Straßen gebracht werden. Dieses Ziel kann nur mit einer stark ausgebauten Ladeinfrastruktur erreicht werden. An verkehrsgünstigen Orten wird deshalb in den nächsten Jahren verstärkt in Ladeinfrastruktur investiert werden. Mehr lesen
Sumup erhält Finanzierung von 285 Mio. Euro
Das Berliner Fintech-Start-up Sumup hat in einer neuen Finanzierungsrunde 285 Mio. Euro eingesammelt, berichtet Businessinsider.de. Das Unternehmen, das benutzerfreundliche Zahlungsprodukte wie Kartenzahlungsterminals für kleine Unternehmen anbietet, hat seit seiner Gründung 2012 weltweit bereits vier Mio. Kunden gewonnen und im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von 30 Prozent erzielt.
TRENDS & TECH
Start-ups: So will Sprinque die Hürden für das internationale B2B-Geschäft senken
Auch im B2B-Handel gilt: Viele potenzielle Kunden kaufen nicht, wenn ihnen nicht die Möglichkeit gegeben wird, per Rechnung zu bezahlen. Eine Herausforderung für Anbieter, besonders im grenzüberschreitenden Handel. Das niederländische Fintech-Start-up Sprinque hat eine Buy-Now-Pay-Later-Lösung aufgesetzt, die es B2B-Händlern ermöglicht, auch ausländischen Kunden ohne zusätzliche Risiken Rechnungskauf anzubieten.
Fragmentierung bremst Wachstum – Retail Media-Markt braucht Einheitlichkeit
Das steile Wachstum des Retail Media ist zugleich seine größte Herausforderung: im fragmentierten Markt fehlen Standards und Transparenz. Das Commerce Media-Unternehmen Criteo gibt einen Überblick über Auswirkungen, nächste Schritte und technologische Lösungen für einen einheitlichen Markt und gemeinsames ungebremstes Wachstum. Mehr lesen
Markt für mobile Roboter wächst weiter
Mobile Roboter im Fulfillment sind ein stark wachsender Markt, wie Interactanalysis.com erklärt. Im Jahr 2022 wuchs er um 33 Prozent auf 120.000 verkaufte Einheiten, für 2023 wird ein Wachstum von 45 Prozent und für 2024 von weiteren 30 Prozent prognostiziert. Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Perpektiven bleiben die Aussichten für mobile Roboter sehr positiv, da die Automatisierung im Fulfillment als langfristige Strategie für die Wettbewerbsfähigkeit immer wichtiger wird. Für das kommende Jahr wird ein weltweiter Umsatz von sechs Mrd. US-Dollar und der Verkauf von rund 250.000 mobilen Robotern erwartet.
Migros beendet Experiment mit eigenem Lieferroboter
Im Februar schickte die Migros ihren autonomen Lieferroboter „Migronomous“ im schweizerischen Ebikon auf die Reise vom Supermarkt zu den Mitarbeitenden der Firma Schindler. Nach Abschluss des Experiments zeigten sich alle Beteiligten zufrieden, doch die Zukunft des selbstfahrenden Einkaufswagens mit vier Fächern ist noch ungewiss. Ähnliche Pilotprojekte wurden laut Konsider.ch bereits von Carrefour, Rewe und Colruyt gestartet.
Diconium startet „Trustworthy AI“
Der Stuttgarter Digitaldienstleister Diconium stellt in einer Pressemitteilung seinen neuen Service „Trustworthy AI“ vor, um Unternehmen bei der Entwicklung vertrauenswürdiger KI für geschäftskritische und sicherheitsrelevante Anwendungen zu unterstützen. Eine zukunftssichere Integration von Künstlicher Intelligenz muss auch die am 8. Dezember 2023 beschlossene Regulierung im Rahmen des „AI Acts“ der Europäischen Union berücksichtigen, die umfangreiche Prüf- und Dokumentationspflichten vorsieht. Diconium ist dem KI-Bundesverband als neues Mitglied beigetreten.
NACHHALTIGKEIT
Krisenfester Trend zur Nachhaltigkeit
58 Prozent der Verbraucher weltweit wollen ihr nachhaltiges Verhalten trotz steigender Kosten beibehalten oder sogar ausbauen, ein Viertel will mehr nachhaltige Produkte als bisher kaufen, auch wenn der Preis etwas höher ist. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Publicis Sapient, bei der weltweit 8.830 Verbraucher befragt wurden, trauen 66 Prozent Nachhaltigkeitskennzeichnungen, insbesondere Nachhaltigkeitszertifizierungen, nicht. Für die Hälfte der Befragten ist es entscheidender, dass Unternehmen ihre Beschaffungs- und Produktionsmethoden offenlegen. Am wichtigsten waren den Verbrauchern die Herstellung langlebiger Produkte (52 Prozent), die Vermeidung von Verpackungsmaterial (52 Prozent) und die Reduzierung von Abfall, einschließlich der Verringerung des Wasserverbrauchs (47 Prozent).
BEVH kritisiert Ökodesign-Verordnung
Mit der provisorischen Einigung zwischen EU-Parlament und Rat ist die Ökodesign-Verordnung der EU einen Schritt näher gerückt und muss nur noch von beiden Institutionen gebilligt und formell verabschiedet werden. Sie verbietet unter anderem die Vernichtung von „nicht weiterverkäuflichen Kleidungsstücken, Schuhen und Textilien“. In einer Stellungnahme kritisiert der BEVH die neue Verordnung, da Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette verankert werden müsse und nicht auf einzelne Vertriebskanäle beschränkt bleiben dürfe. Der E-Commerce sei bereits heute der wichtigste Hebel für eine Kreislaufwirtschaft. Beispielsweise sollten unverkaufte Waren, die Unternehmen als Sachspenden gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen, nicht der Umsatzsteuer unterliegen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge