
Amazon, Prosus + Delivery Hero, Mister Spex, Wettbewerbszentrale, JD.com + Ceconomy, Temu + Shein, Tiktok, Soziale Medien, KI-Umsetzung
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Thomas RehmRedakteur+++Anzeige+++
NRF 2026: Retail’s Big Show Europe Programm und Höhepunkte
Die NRF 2026: Retail’s Big Show Europe kehrt vom 15. bis 17. September 2026 nach Paris zurück und verspricht drei Tage voller Innovation, Diskussionen, Begegnungen und Inspiration. Die Veranstaltung findet in der Paris Expo Porte de Versailles statt und dauert genau diesen Zeitraum. Mehr
HANDEL NATIONAL
Amazon verschärft Anforderungen für FBM-HändlerAmazon verschärft schrittweise die Anforderungen für selbst versendende Händler (FBM), wie ein Beitrag in „Seller Central“ zeigt. Ab Mitte Juli müssten mindestens 90 Prozent der Sendungen bis zum versprochenen Datum ankommen, sonst drohe ab September die Deaktivierung von Angeboten. Gleichzeitig schrumpfe die wählbare Standard-Bearbeitungszeit auf null oder einen Tag. Ab Ende September komme eine zweite Schwelle hinzu: 90 Prozent der Lieferungen an Geschäftskunden müssten innerhalb deren Betriebszeiten eintreffen.
Prosus will wieder Delivery Hero Aktien kaufen
Prosus will mit neuen Aktienkäufen bei Delivery Hero gegen den US-Konzern Uber kontern, der seine Beteiligung zuvor still aufgestockt hat, berichtet XTB.com. Der niederländische Großaktionär wolle seine Machtposition sichern und das Feld nicht räumen. Problematisch sei die Lage wegen einer EU-Auflage: Nach der Just-Eat-Übernahme („Lieferando“) müsse Prosus seinen Anteil an Delivery Hero eigentlich auf unter zehn Prozent drücken. Durch zusätzliche Käufe drohe daher Ärger mit den Brüsseler Wettbewerbshütern.
Mister Spex speckt ab
Mister Spex schließt Ende dieses Jahres seinen Logistikstandort Berlin-Spandau und gibt Logistik sowie die Produktion an externe Partner ab, meldet Logistik-Heute.de. Der Omnichannel-Optiker wolle damit zu einer „Asset-Light-Struktur“ wechseln. Arvato übernehme Lagerhaltung, Wareneingang, Versand und Retouren, Rodenstock die komplette Fertigung verkaufsfertiger Sehhilfen. Die Übergabe laufe bis zum Jahreswechsel. Von den Maßnahmen betroffen seien rund 125 Mitarbeiter.
Wettbewerbszentrale mahnt und klagt mehr
Das Internet bleibt der wichtigste Schauplatz wettbewerbsrechtlicher Streitigkeiten, zitiert Händlerbund.de den Jahresbericht der Wettbewerbszentrale. Allein bei der Preisgestaltung habe die Zentrale 644 Fälle bearbeitet, ein Plus von 11,6 Prozent. Vor allem Streichpreise stolperten über die Pflicht, den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage anzugeben. Auch befristete Rabattaktionen, die über den angekündigten Zeitraum hinaus weiterliefen, kassierten Abmahnungen. Daneben beschäftigten Fake-Bewertungen und unmarkierte Influencer-Werbung die Wettbewerbshüter. In 241 Fällen sei eine Klage erfolgt, eine Steigerung von 18,1 Prozent.
Deutschland genehmigt die 2,2 Mrd. Euro schwere Übernahme von Ceconomy durch JD.com, meldet Scmp.com. Berlin knüpfe die Freigabe an Auflagen: Die Kundendaten müssten geschützt bleiben, das Ministerium behalte sich starke Kontrollrechte und einen Widerruf vor. JD.com erwarte den Abschluss in der zweiten Jahreshälfte. Brüssel prüfe derweil mögliche wettbewerbsverzerrende Subventionen aus China. Weitere Prüfungen erfolgten in Österreich und Spanien; Freigaben in Frankreich und Italien seien bereits erteilt.
E-Commerce zieht den Einzelhandel ins Plus
Der deutsche Einzelhandel setzte im Mai 2026 real 1,1 Prozent mehr um als im Vormonat, meldet das Statistische Bundesamt. Den Schub liefere vor allem der Internet- und Versandhandel, dessen Umsatz real um 3,4 Prozent zum Vormonat und um 7,0 Prozent gegenüber Mai 2025 zugelegt habe. Der Gesamthandel komme im Jahresvergleich auf ein reales Plus von 1,8 Prozent.
Inflation sinkt auf 2,3 Prozent
Die Inflationsrate in Deutschland liegt im Juni voraussichtlich bei 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, meldet das Statistische Bundesamt. Gegenüber Mai sänken die Verbraucherpreise sogar um 0,3 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie betrage 2,5 Prozent. Vor allem die Teuerung der Energiepreise hätte an Schub verloren: Sie stiegen noch um 3,4 Prozent, nach 6,6 Prozent im Mai und 10,1 Prozent im April.
HANDEL INTERNATIONAL
Frankreich verbietet Temu und Shein die Werbung
Frankreichs Senat hat ein Gesetz gegen Ultra-Fast-Fashion verabschiedete, meldet Retail-News.de. Ab kommendem Jahr seien klassische Werbekampagnen und Influencer-Kooperationen untersagt; wer dennoch werbe, riskiere empfindliche Strafen. Getroffen würden gezielt Shein, Temu und Aliexpress, nicht aber H&M oder Inditex – deswegen seien Produktfülle, Niedrigpreise und kurze Nutzungszyklen maßgeblich. Hinzu kämen steigende Umweltabgaben pro Stück sowie eine Pflicht, über Reparatur und Wiederverwertung aufzuklären.
Beim Urlaubs-Shopping landen Österreichs Reisende fast ausschließlich im Laden vor Ort, Online-Shops kommen auf magere sechs Prozent, berichtet Handelsverband.at. 64 Prozent planten heuer eine Urlaubsreise und für fast die Hälfte zähle Einkaufen selbstverständlich zum Erlebnis. Pro Jahr gäben Urlauber so im Schnitt 285 Euro aus, am liebsten für regionale Produkte, Souvenirs und Mode.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Predictive Advertising: Warum SaaS-KI-Kampagnentools die Steuerung nicht übernehmen werden
KI-Werbetools versprechen Händlern Kontrolle über digitale Ads-Kampagnen. Doch die Plattformen haben die Entscheidungslogik längst nach innen verlagert. Wo ist also direkt Steuerung wirklich noch möglich und vor allem: Wo kann Wachstum 2026 tatsächlich entstehen? Thomas Bausenwein von Feinripp Studios GmbH beleuchtet das Thema kritisch in seinem neuen Expertenbeitrag auf Etailment.de.
Tiktok startet mit „Symphony Agent“ ein KI-Werkzeug für Werbetreibende, das Anzeigenvideos baut, passende Creator-Inhalte heraussucht und geeignete Creator findet, meldet Channelx.world. Verfügbar sei das Tool im „Symphony Creative Studio“ (Ad-Erstellung per Chat), der „Content Suite“ (Durchsuchen vorhandener Creator-Videos) und in „Tiktok One“ (Creator-Briefings, mehrsprachige Ansprache). Marken könnten zudem kuratierte Creator-Netzwerke aus eigenen Mitarbeitern oder Partnern aufbauen und deren markenrelevante Videos direkt in Anzeigen verwandeln.
Im Feed entdecken, im Shop kaufen
Fast jeder zweite Deutsche lässt sich beim Einkaufen von sozialen Medien beeinflussen, doch nur 14 Prozent kaufen dort auch ein, zitiert Lebensmittelpraxis.de die ESW-Studie „Signals“. Entdeckt werde das Produkt im Feed, gekauft werde aber am liebsten im klassischen Online-Shop. Auch fühlten sich 16 Prozent mit KI-Zahlungen unwohl. Deutsche Kunden seien im internationalen Vergleich altmodisch und ließen sich nur mit bewährten Zahlungsmethoden, transparenten Kosten und einfacher Rückgabe gewinnen.
Nur bei elf Prozent der Unternehmen funktioniert KI
Nur rund elf Prozent der Unternehmen optimieren ihre Geschäftsprozesse bereits mit KI, berichtet ITMagazine.ch. Die übrigen 89 Prozent kämen über frühe Testphasen kaum hinaus. Am Geld liege es nicht: Knapp 60 Prozent verfügten über ein eigenes KI-Budget, für dieses Jahr erwarteten trotzdem viele steigende Ausgaben. Es hapere vielmehr an der Erfolgsmessung, nur 18 Prozent hätten überhaupt umfassende Kennzahlen definiert. Ohne sie bleibe schlicht im Dunkeln, welches Projekt auf welche Weise Zeit, Kosten oder Umsatz bewege.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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