
Amazon, Marke „Black Friday“, Getir, Springer, H&M, Shein, Zalando, ChatGPT, Umsatzbringer Smartphone, Klima-Lernplattform, Verpackung, Apple
Aktuelle E-Commerce-News zu Amazon, Marke „Black Friday“, Getir, Springer, H&M, Shein, Zalando, ChatGPT und weiteren Themen des Tages im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Amazon-Deutschland-Chef feiert erfolgreichsten Prime Day
Amazons Prime Day(s) am Dienstag und Mittwoch letzter Woche waren bisher die erfolgreichsten ihrer Art, freut sich Amazon-Deutschland-Chef Rocco Bräuniger im Interview mit Wirtschaftswoche.de. Obwohl der Onlinehandel schwächelt, blicke Amazon optimistisch in die Zukunft und erwarte weiteres Wachstum. Den Druck durch chinesische Billiganbieter wie Shein und Temu spielt Bräuniger herunter und betont stattdessen das weiter insgesamt große Wachstumspotenzial. Amazons Trumpf im Vergleich zu den Asiaten sei vor allem die schnelle Lieferung; daher investiere man weiter intensiv in das Netzwerk und plane sowohl neue Logistikzentren als auch den Aufbau einer nachhaltigen Flotte für die Auslieferung. Die kürzlich angekündigten 300 elektrische Liefervans der US-Firma Rivian seien nur der Anfang, Amazon wolle das Netzwerk bis 2025 mit mehr als 10.000 elektrischen Lieferfahrzeugen ausbauen und demnächst auch die Nutzung von Lastenrädern für nachhaltige Zustellungen in den Innenstädten testen.
Wortmarke „Black Friday“ muss in Deutschland gelöscht werden
Nach sechs Jahren ist ein kurioser Rechtsstreit zu Ende gegangen: Die Wortmarke „Black Friday“ wird gelöscht, entschied das Deutsche Patent- und Markenamt. Sie war seit 2013 in Deutschland geschützt. Inhaberin war eine Firma in Hongkong, die das Nutzungsrecht an die „Black Friday GmbH“ aus Wien abgetreten hatte, die ab 2016 begann, Unternehmen abzumahnen, die den Schnäppchentag in ihrer Werbung nannten. Mehrere Unternehmen wehrten sich daraufhin gegen die Eintragung der Marke mit dem Argument, „Black Friday“ sei ein Gattungsbegriff und daher nicht schutzfähig. Jetzt haben sie Recht bekommen, wie Heise Online berichtet.
Test mit Springer-Verlag: Getir liefert neu auch Lesestoff
Der Quick-Commerce-Anbieter Getir steht nach der Übernahme des deutschen Rivalen Gorillas vor drastischen Einschnitten, wie bereits letzte Woche berichtet. Auch deswegen versucht man nun, ein neues Standbein aufzubauen – als Zeitungszusteller. In Hamburg übernehmen die Lebensmittel-Boten testweise die Zustellung der Springer-Titel „Welt“ und „Bild“, wie Lebensmittelzeitung.net berichtet. Die Kooperation solle bei Erfolg ausgeweitet werden.
HANDEL INTERNATIONAL
H&M geht nach Brasilien und schreibt wieder bessere Zahlen
Der schwedische Modehändler H&M plant für 2025 seinen Markteintritt in Brasilien mit Eröffnung des Online-Shops und mehrerer Stores in den großen Städten im Südosten. Das erste Geschäft in Lateinamerika hatte H&M 2012 in Mexiko eröffnet und ist aktuell auch in Peru, Uruguay, Chile, Kolumbien, Ecuador, Panama und Costa Rica aktiv. Die Präsenz in Brasilien solle nach und nach ausgebaut werden. Noch Ende 2022 hatte H&M ein Kosten- und Effizienzprogramm mit Stellenabbau und geplanten Einsparungen von umgerechnet rund 175 Mio. Euro aufgelegt. Nun geht es offenbar wieder aufwärts, und die Gruppe konnte im ersten Halbjahr 2023 beim Umsatz neun Prozent zulegen, wie Onlinehändler News berichtet.
Designerinnen verklagen Shein nach Anti-Mafia-Gesetz
Die chinesische Fast-Fashion-Plattform Shein wird einmal mehr verklagt, diesmal mit einer Sammelklage nach dem „Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO)“, einem Gesetz, das vor 50 Jahren ursprünglich gegen die amerikanische Mafia erlassen wurde. Drei unabhängige Designerinnen beschuldigen Shein, systematisch mit gefälschten Produkten zu handeln und bewusst in Kauf zu nehmen, dass das geistige Eigentum anderer Personen und Unternehmen gestohlen werde, wie Retail Dive berichtet. Die Modebranche kämpft schon lange gegen die zunehmende Anzahl von Fälschungen und Urheberrechtsverletzungen, und Shein gerät dabei immer wieder in den Fokus.
Zalando mit «Body Measurement»-Feature für Größenberatung
Bei Zalando liegt die Retourenquote über alle Märkte hinweg bei rund 50 Prozent. Schätzungen gehen davon aus, dass in rund einem Drittel der Fälle die falsche Größe bestellt wurde. Mit einem verbesserten Prozess zur Größenberatung soll diese Quote nun gesenkt werden, wie die E-Commerce-Berater von Carpathia berichten. Zalando hatte sich im Oktober 2020 durch die Übernahme des Schweizer Startups Fison das Know-how für die Umsetzung eines digitalen Anprobe-Tools eingekauft. Bis man Kleider mit seinem Avatar anprobieren kann, scheint es zwar noch ein weiter Weg zu sein, aber immerhin ist die virtuelle Umkleidekabine etwas näher gerückt.
Amazon pusht am Prime Day dieses Jahr auch Services
Amazons Prime Day steht vor allem für physische Schnäppchen von Geschirrspültabs über Kopfhörer bis hin zu Fernsehern. In diesem Jahr hat Amazon auch Serviceangebote prominent ins virtuelle Schaufenster gestellt, wie Reuters berichtet. Prime-Mitgliedern wurden einerseits Rabatte auf den eigenen Diensten angeboten, wie Amazon Music, Prime Video und Kindle Unlimited oder auch Amazons mitgliedschaftsbasierter Telemedizindienst „One Medical“. Ebenso wurden auch Hotelbuchungen über Priceline oder Restaurantbestellungen über Grubhub beworben. Mit dieser Hervorhebung der Serviceangebote will Amazon die Kundenbindung stärken und den Mehrwert der Prime-Mitgliedschaft hervorheben, ebenso wie auch das Wachstum im Servicebereich sowie im bereits substanziellen Werbegeschäft weiter voranzutreiben.
TRENDS & TECH
Neue Arbeitsteilung: Wo ChatGPT punktet
Die Mehrheit der Verbraucher bevorzugt die Interaktion mit einem Menschen gegenüber einem Chatbot. Dennoch kann künstliche Intelligenz im Hintergrund beim Kundenservice wertvolle Dienste leisten. In welchen Arbeitsbereichen ChatGPT Unternehmen noch entlasten kann, erklärt Technologie-Expertin Cosima von Kries in einem Beitrag für Der Handel.
Smartphone als Einkaufsbegleiter und Umsatzbringer
Das Handy ist der wichtigste Umsatzbringer für den Onlinehandel und hat PC, Laptop und Tablet inzwischen deutlich abgehängt. Über 42 Mrd. Euro, 50 Prozent der Onlineumsätze, werden laut aktuellem HDE-Onlinemonitor über das Smartphone umgesetzt, wie onlinemarktplatz.de berichtet. Für rund die Hälfte der Einkäufe würden Apps genutzt – welche Handels-App auf dem Gerät des Kunden vertreten sei, könne von entscheidender Bedeutung sein. Zu einem Viertel werde mit dem Handy von unterwegs online eingekauft; ebenso sei es auch Einkaufsbegleiter in den Geschäften selbst, zur Nutzung standortbezogener Dienste oder als Recherchetool: „Auch ein erheblicher Teil der stationären Umsätze wird über eine Informationssuche auf dem Smartphone vorbereitet“, so der HDE.
NACHHALTIGKEIT
Zalando, About You und Yoox Net-A-Porter erweitern Lernplattform
Im Juli 2022 kündigten die Modegiganten Zalando, About You und Yoox Net-A-Porter den Launch der Nachhaltigkeitsplattform „Fashion Leap for Climate“ an. In Zusammenarbeit mit der Consulting Firm Quantis wurde ein Lernprogramm für die Markenpartner, sprich Lieferanten, rund um die Klimaziele und ihre Messung im Einklang mit der Initiative „Science Based Targets“ entwickelt, an dem sich zunächst 55 Marken beteiligten. Ein Jahr später ist man mit den Ergebnissen zufrieden: Erfolgsmessungen zeigten, dass die Teilnehmer ihre Kenntnisse wissenschaftlicher Zusammenhänge rund um die Klimakrise um bis zu 85 Prozent verbessert hätten. Die Lernplattform soll nun auf 250 Markenpartner ausgeweitet werden, wie Ecommercenews.eu berichtet.
Amazon will weniger Pakete einpacken
Amazon will immer mehr Pakete verschicken, aber keineswegs auch alle einpacken. Schon seit längerem werden insbesondere Produkte mit großem Umfang lediglich in der Originalverpackung des Herstellers versandt. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Sendungen sind leichter, Kosten für Versand und Verpackung werden reduziert, es entstehen geringere Emissionen pro Paket, und nicht zuletzt muss der Kunde weniger entsorgen. Typische Produkte ohne Umverpackungen sind etwa Tierfutter, Toilettenpapier, Gartenwerkzeuge und Heimwerkerartikel. Seit 2015 hat Amazon nach eigenen Angaben das Gewicht der Versandverpackungen pro Sendung im Schnitt um 38 Prozent reduziert, und dadurch über 1,5 Millionen Tonnen Verpackungsmaterial eingespart, wie Inside Digital berichtet.
Apple bietet keine Geschenkverpackung mehr an
Und gleich nochmal Verpackung: Das amerikanische Apple-Blog MacRumors hat darauf aufmerksam gemacht, dass Apple bei Bestellung im Online-Store keine Möglichkeit mehr anbietet, die Ware als Geschenk zu verpacken. Offenbar wurde diese stillschweigende Anpassung inzwischen weltweit umgesetzt, wie ifun.de nachgeprüft hat. Geblieben ist dagegen die Option zur kostenlosen Gravur gekaufter Artikel. Ob ökologische Überlegungen dabei die wichtigste Rolle spielen oder die Dienstleistung sich schlicht nicht gerechnet habe, ist nicht bekannt.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge