
Amazon, The Platform Group + Fintus, Geschäftsklima, Niederlande, Alibaba, Tiktok, Patente, Retresco, Sky, Napster
Aktuelle E-Commerce-News: Amazon, The Platform Group + Fintus, Geschäftsklima, Niederlande, Alibaba, Tiktok, Patente und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Die stationären Experimente von Amazon
Amazon Books ist schon lange Geschichte, im November schloss Amazon seine Fresh-Standorte in Deutschland – und machte Mitte Februar in Mailand den Laden „Amazon Parafarmacia & Beauty“ auf. „Amazon geht es nie per se um das Retailgeschäft, sondern nur um das Erschließen von neuen Kundengruppen außerhalb des reinen Onlinehandels“, kommentiert Nils Seebach von Etribes in seinem Gastbeitrag auf Etailment.de. Vom Omnichannel-Konzept könne sich der klassische Handel einiges abschauen, zurzeit der Drogeriehandel.
The Platform Group schnappt sich Fintech-Perle Fintus
Der Düsseldorfer E-Commerce-Konzern The Platform Group erwirbt eine 51-Prozent-Mehrheit an der Frankfurter Finone Holding, berichtet Fashionunited.de. Die Übernahme umfasse die Geschäftsaktivitäten von Fintus und Fintus AI, deren SaaS-Lösungen für Finanzinstitute bereits zweistellige Millionenumsätze erzielen würden. Nach der Übernahme von Firstwire zum Jahreswechsel sei Finone das zweite Fintech-Unternehmen im chronisch anschwellenden Portfolio der Platform Group.
Neue Initiative spendiert Händlern Terminals zur Kartenzahlung
Commerz Globalpay, Deutsche Bank, Flatpay, Mastercard, SumUp, Unzer, Visa und VR Payment haben die Initiative „Deutschland zahlt digital“ gestartet, inklusive eigener Webseite. Kleine stationäre Händler könnten so ein Jahr lang kostenlos digitale Bezahlmöglichkeiten anbieten – die Initiatoren übernähmen Kosten für Terminal, Installation und Transaktionen bis zu 50.000 Euro Umsatz. Laut Bitkom würden 40 Prozent der Verbraucher einen Laden verlassen, wenn bargeldloses Bezahlen nicht möglich sei.
Ifo-Index: Deutsche Unternehmen atmen vorsichtig auf
Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im März auf 86,7 Punkte, nach 85,3 Punkten im Februar. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage zufriedener und blickten merklich optimistischer in die Zukunft. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe sei die Stimmung frühlingshafter, im Dienstleistungssektor keime neue Hoffnung und sogar der Handel zeige sich weniger pessimistisch.
HANDEL INTERNATIONAL
Niederländischer E-Commerce steigt trotz sinkender Bestellzahlen
Der niederländische E-Commerce wuchs im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 36 Mrd. Euro, berichtet Ecommercenews.eu. Besonders die Ausgaben für Dienstleistungen hätten mit einem Plus von 10 Prozent kräftig zugelegt. Die Anzahl der Bestellungen sei hingegen um ein Prozent gesunken. Erstmals dominierten chinesische Plattformen mit einem Marktanteil von 28 Prozent die Auslandskäufe der Niederländer, Deutschland belegte mit 23 Prozent nur noch den zweiten Platz, während Großbritannien sogar auf sieben Prozent abgerutscht sei.
Alibaba stoppt Entlassungen nach Xi-Treffen
Alibaba-Vorsitzender Joe Tsai kündigt Neueinstellungen nach zwölf Quartalen des Personalabbaus an, berichtet Koha.net. Das Unternehmen habe nach einem Treffen zwischen Präsident Xi und Tech-Größen wie Jack Ma „den Tiefpunkt beim Personalstand“ erreicht. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze solle in Chinas kriselnder Wirtschaft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit neues Vertrauen bei Geschäftsleuten und Verbrauchern schaffen. Die vormalige Härte Pekings gegenüber der Technologiebranche sei spürbar abgeschwächt.
Digitale Visitenkarte für Kreative: Tiktok führt „Service+“ ein
Tiktok bietet seinen Kreativen mit „Service+“ ein neues Tool, ihre Dienstleistungen in Live-Streams anzubieten, wie aus Screenshots erkennbar ist, die auf Threads gepostet wurden. Service+ erlaube das Einrichten einer digitalen Visitenkarte mit Basisinformationen, Titeln und Leistungsbeschreibungen, die Besucher während des Live-Streams aufrufen könnten, um direkt mit den Kreativen Kontakt aufzunehmen. Die Plattform untersage dabei lizenzpflichtige Angebote und verlange nachweisbare Fachkompetenz.
TRENDS & TECHNOLOGIE
25.033 deutsche Patente: Innovation bei Frauenmangel
Mit 25.033 Anmeldungen stand Deutschland 2024 wieder an der Spitze des Patentgeschehens; übertroffen nur von der USA mit 47.787 Anmeldungen, berichtet Businessinsider.de. Im vergangenen Jahr dominierte die Computertechnologie inklusive KI die Innovationen, wobei Deutschland mit 1558 Patenten hinter den USA und China auf den dritten Platz kam. Weltweit führend sind hiesige Erfinder, wie zu erwarten, im Transportwesen, allerdings landet das Land der Bastler und Tüftler auf den hinteren Rängen, wenn es um die Gleichberechtigung geht: Nur jedes fünfte Patent schmückt ein weiblicher Name.
Retresco erleichtert das Erstellen von Frage-Antwort-Systemen
Die Berliner KI-Plattform Retresco hat laut Pressemitteilung eine neue, sofort einsatzfähige Frage-Antwort-KI für dialogbasierte Services vorgestellt. Die innovative Lösung ermögliche es, mit geringem Implementierungsaufwand unternehmenseigene Inhalte aus umfangreichen Datenbeständen wie Produktdatenbanken und Support-Dokumentationen kontextbezogen aufzubereiten. Besonders E-Commerce-Unternehmen könnten so von personalisierten Einkaufsassistenten und interaktiven Katalogen profitieren.
Sky scheitert beim Versteckspiel mit dem Kündigungsbutton
Sky hat zum dritten Mal vor Gericht im Streit um den Kündigungsbutton verloren, berichtet Golem.de. Das Oberlandesgericht München habe der Verbraucherzentrale NRW weitgehend Recht gegeben. Seit mindestens März 2023 habe Sky den Kündigungsbutton raffiniert verborgen: So galt es zeitweise im Fußteil der Webseite, im Bereich des Impressums, auf „Weitere Links einblenden“ zu klicken, um auf einer neu geöffneten Seite mit 50 anderen Links, wieder im Fußbereich, den Punkt „Kündigen“ zu finden. Diese Verstecktaktik verstoße aber laut Gericht gegen die seit Juli 2022 geltende Pflicht zur unmittelbaren und leichten Zugänglichkeit.
Napster für 207 Mio. Dollar an infinite Reality verkauft
Nein, diese Meldung ist nicht von 2001. Infinite Reality hat sich Napster gekauft, um im Metaverse auf virtuellen Konzerten Musik zu verkaufen. Wie Internet-Veteranen wissen, hatte Napster 1999 ein weniger kommerzielles Modell: Mit der Software wurde „gerippte“ (korrekte Aussprache: „geklaute“) Musik verteilt, eben ohne sie zu verkaufen. Aber das Move-Fast-And-Break-Things-Dings endete 2001, als eine Firma namens Roxio die bankrotte Firma übernahm. 2008 wurde Best Buy der nächste Besitzer, 2011 schlug Rhapsody zu und 2022 dann Blockchain-Unternehmen unter Führung von Hivemind and Algorand. Jetzt ist Napster also im Metaverse. Klingt modern.
NACHHALTIGKEIT
Fast Fashion: Noch nie kauften Europäer so viel Kleidung
Die Bürger der EU haben noch nie so viel neue Kleidung gekauft wie im letzten Jahr, berichtet die europäische Umweltagentur (EEA) laut Textilwirtschaft heute. Pro Kopf waren es 19 Kilogramm, was einem prallgefüllten Reisekoffer entspricht. Die Entwicklung scheint unaufhaltsam: So waren es vor einigen Jahren noch 14 Kilogramm, die 17 Kilogramm-Marke wurde 2019 erreicht. Die EEA hofft nun auf die neue EU-Richtlinie, die ab Januar die getrennte Entsorgung von Textilien vorschreibe, da bislang 85 Prozent aller Textilabfälle im Restmüll landeten.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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