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Aktuelle E-Commerce-News: Apple, Amazon, Boost, Personalmangel, Landesbank Berlin, Intershop, Trendyol, Kofler, FTC und weitere Themen im Überblick.
Thomas RehmRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Im Apple Store zahlen, nach Hause geliefert bekommen
Vielen dürfte die folgende Multichannel-Geschichte schon passiert sein: Im Austausch mit dem Verkaufspersonal stellt sich heraus, dass der gewünschte Artikel nicht im Laden, wohl aber im Webshop verfügbar ist. Typischerweise lautet der Ratschlag des Personals: „Dann bestellen Sie es doch später online“ – ärgerlich nur, wenn der Kunde es sich auf dem Weg zu seinem Computer oder Smartphone anders überlegt. Daher wollen es die Apple-Stores ab August besser machen, auch für sperrige Waren, personalisierte Artikel oder Vorbestellungen: Alles kann man sich nun nach Hause liefern lassen, mit der neuen Option „Easy Pay Online Ordering“ aber trotzdem an Ort und Stelle beim Store-Mitarbeiter bezahlen. Gemäß einem internen Memo wolle Apple so sicherstellen, „dass alle unsere Kunden den Laden mit genau dem verlassen, was sie gesucht haben“. Wie Heise Online vermutet, unternehme man mit der neuen Funktion auch einen wichtigen Vorbereitungsschritt für den Verkaufsstart des Mixed-Reality-Headsets Vision Pro, das ohnehin immer personalisiert ausgeliefert werden soll.
„Paket weg? Paket beschädigt? Systemgestützte Nachforschung mit FIEGE.
Die Bearbeitung von Klärfällen impliziert für den Customer Service eine mühsame und lästige Auseinandersetzung mit den Carriern. Das bindet Zeit und Ressourcen. Viele Online-Akteure schreiben daher ca. 0,2 % ihres Online-Umsatzes einfach ab. Das muss nicht sein. Sparen Sie bares Geld.“ Mehr lesen
Mobilabo „Boost Infinite“ für Amazon-Prime-Kunden in den USA
Seit einer Weile ging bereits das Gerücht um, Amazon könne in den USA im Rahmen seines Prime-Angebots auch Mobiltelefonie anbieten, nun ist es offiziell: Amazon spannt zusammen mit dem Satellitenbetreiber Dish, der das neue Abo über seine Discount-Marke Boost Mobile anbietet, bisher ein Prepaid-Anbieter. Prime-Mitglieder erhalten beim Abo „Boost Infinite“ für 25 Dollar Zugang zum 5G-Netzwerk, unlimitierte Gespräche und Daten sowie zu Beginn einen Monat gratis und einen marginalen Rabatt von 5 Dollar auf der SIM-Karte, die Amazon zustellt. Fierce Wireless zitiert Branchenexperten, die nicht überzeugt sind, dass Amazon und Boost mit diesen Preisen den Markt aufrollen werden und schätzen das stationäre Netzwerk von 18'000 Filialen der drei grossen US-Provider als wichtiger ein. Ob Amazon ähnliche Angebote auch in anderen Ländern plant, ist nicht bekannt.
Welches Personal im E-Commerce am dringendsten gesucht wird
Der Arbeitskräftemangel bereitet auch dem Handel Kopfschmerzen. Welche Fähigkeiten gesucht werden, zeigt der Arbeitsmarktreport von Dekra, über den das Com-Magazin berichtet. Dazu wurden Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen und Tageszeitungen ausgewertet. Einige Ergebnisse: Die Hälfte der Stellen ist bei Betreibern von Onlineshops und -plattformen zu besetzen. Die meisten Personen werden für Kundenbetreuung und -beratung benötigt. Weitere 40 Prozent sollen sich der Pflege von Stammdaten widmen. Als „Skills“ werden Kenntnisse von Warenwirtschaftssystemen und Webshop-Software, Office-Programmen wie auch Englischkenntnisse gefordert. Der noch junge Ausbildungsberuf „Kaufmann/frau im E-Commerce“ deckt den Bedarf nicht, daher suchen Arbeitgeber auch nach anderen kaufmännisch ausgebildeten Personen und wollen Quereinsteiger berücksichtigen.
Landesbank Berlin stellt Kreditkarte mit Amazon-Logo ein
Die Gratis-Visa-Kreditkarte von Amazon Deutschland für Prime-Kunden wird eingestellt. Die Landesbank Berlin (LBB), De-facto-Herausgeberin der Karte, beendet die Zusammenarbeit. Die einseitig ausgesprochenen Kündigungen werden bereits zum 30. September wirksam. Die LBB bietet als Ersatz eine andere Visa-Kreditkarte an, die aber nicht mehr gebührenfrei sein wird. Amazon auf der Website bekannt, man arbeite ebenfalls an einem Ersatzprodukt. Das Ende der Zusammenarbeit könnte auf Unzufriedenheit der Bank mit den vereinbarten Gebühren und eine zu geringe Nachfrage nach der Karte als Zahlungsmittel zurückzuführen sein. Deutsche Verbraucher nutzen nach wie vor im Inland öfter ihre Girocard.
Softwareanbieter Intershop spürt Zurückhaltung, schreibt Verlust
Der Jenaer Softwareanbieter Intershop spüre eine Investitionszurückhaltung von Kunden und senkte daher nach einem schwachen ersten Halbjahr die Geschäftserwartungen, wie süddeutsche.de berichtet. Der Umsatz im ersten Halbjahr betrug 19,4 Mio. Euro, ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was jedoch in einem Verlust von 1,1 Mio. Euro resultiert. Für das gesamte Jahr 2023 werde weiterhin ein leichtes Umsatzwachstum und ein negatives Betriebsergebnis erwartet, ohne dass jedoch Entlassungen nötig würden. Das Unternehmen sehe sich trotz Verzögerungen im Trend zur Digitalisierung auf gutem Weg. Intershop ist seit 25 Jahren an der Börse und zählt zu den wenigen verbliebenen Unternehmen aus der Internet-Pionierzeit.
Türkische Trendyol seit einem Jahr in Deutschland
Die nach eigenen Angaben führende E-Commerce-Plattform der Türkei, Trendyol, ist seit einem Jahr in Deutschland aktiv und hat in dieser Zeit über eine Million Kunden beliefert, wie das Unternehmen mitteilt. Das Angebot umfasse mehr als 800 Marken sowie eine umsatzstarke Eigenmarkenkollektion und diene auch als Schaufenster für aufstrebende türkische Labels in Deutschland. In den kommenden Wochen plant Trendyol die Einführung neuer Kategorien wie „Beauty“, „Homeware“ und „Jewellery“.
Kofler: Kurz vor Pleite noch Aktien für 2 Mio. verkauft?
Die Insolvenz des Unternehmens The Social Chain, an dem die „Höhle der Löwen“-Investoren Georg Kofler und Ralf Dümmel beteiligt sind, hat möglicherweise juristische Konsequenzen. Die Schutzgemeinschaft SdK erwägt eine Strafanzeige. Nachdem Fehler im Geschäftsbericht 2021 bereits vor einiger Zeit von der Bafin gerügt wurden, steht aktuell ein millionenschwerer Aktienverkauf kurz vor der Insolvenz im Blickpunkt: Ende Juni 2023 hatte Georg Kofler 825.000 Aktien für rund 2,1 Mio. Euro verkauft. Am Dienstag notierte die Aktie nur noch bei einem Fünftel dieses Werts. Als Vorstandschef dürfte Kofler über Insiderinformationen zur Lage des Unternehmens verfügt haben. Die Finanzaufsicht gab an, sie untersuche „Preis- und Umsatzentwicklungen im Zusammenhang Insolvenzen routinemäßig“.
HANDEL INTERNATIONAL
US-Kartellbehörde kurz vor umfassender Klage gegen Amazon
Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) steht offenbar kurz vor einer lang erwarteten Kartellklage gegen Amazon, die im Extremfall zur Zerschlagung des Unternehmens führen könnte, berichtet die US-Website Politico. Die Klage soll eine der aggressivsten Maßnahmen der Biden-Regierung sein, um die Macht der Tech-Giganten zu begrenzen. Details sind noch nicht bekannt, aber es wird erwartet, dass sich die Klage gegen verschiedene Praktiken von Amazon richtet, wie zum Beispiel das Verbot niedrigerer Preise auf konkurrierenden Websites oder den Zwang für Händler, Amazons Logistik- und Werbedienste zu nutzen; auch das „Prime“-Abonnement wird als Mittel gesehen, Amazons Marktmacht zu zementieren. Die FTC habe in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Ermittlungen durchgeführt, zahlreiche Zeugen befragt und Millionen von Dokumenten gesammelt. Die Klage werde voraussichtlich Ende August eingereicht.
Umfrage: Was wünschen Sie sich für das Bezahlen der Zukunft?
Welche Wünsche haben Sie als Händlerin und Händler an das Bezahlen der Zukunft? Euro Kartensysteme hat dazu eine Umfrage aufgelegt. Nehmen auch Sie daran teil und beteiligen sich so an der Weiterentwicklung der girocard.
Virtueller Colruyt-Berater am Weinregal hilft Kunden
Der belgische Detailhändler Colruyt testet in den kommenden Wochen in sechs Filialen seiner Supermarktkette Colruyt Lowest Prices einen digitalen Weinassistenten. Der Detailhändler will damit Kunden helfen, die sich vor dem Weinregal nicht entscheiden können, wie konsider.ch berichtet. Auf einem großen Touchscreen am Weinregal können die Kunden das Gericht, zu dem der Wein serviert werden soll, die Preisspanne, die Farbe des Weins und die gewünschte Region angeben, oder ob der Wein verschenkt werden soll. Anschließend schlägt ein virtueller Berater Weine vor, Kunden können Informationen zu Herkunft und Geschmack abrufen. Die App nutze KI-Technologie, um individuelle Empfehlungen zu geben und das Einkaufserlebnis zu personalisieren.
Fanatics bringt Live-Homeshopping-App für Sammelkarten
Der Sportartikelhändler Fanatics, Spezialist für Fanartikel und Fan-Merchandising, hat eine Live-Shopping-App für Apple iOS herausgebracht. Die neue App bietet den Kunden ein interaktives Einkaufserlebnis mit Events und exklusiven Angeboten für limitierte Produkte. Fans können in Echtzeit mit Influencern, Sportlern und anderen Fans interagieren und Produkte kaufen – im Prinzip ein ins 21. Jahrhundert übertragenes Homeshopping-Netzwerk, wie Fast Company es nennt. Ironischerweise konzentriert sich die Online-Plattform zunächst vor allem auf den Handel mit Sammelkarten – auf Papier. Ein nicht zu unterschätzender Markt: 44 Mrd. Dollar beträgt er bereits heute, bis 2027 soll er auf 100 Milliarden Dollar anwachsen.
TRENDS & TECH
„Shopify Sidekick ist wie ChatGPT, nur für E-Commerce-Händler“
Über diese Schlagzeile des US-Portals Tech-Crunch hat sich der deutsche Shopify-CEO Tobi Lütke sicher gefreut: „Shopify Sidekick is like ChatGPT, but for ecommerce merchants“, denn genauso will man es wohl verstanden wissen. Entsprechend nennt Shopify seine neuen Funktionen unbescheiden „Shopify Magic“. Diese solle den Händlern maßgeschneiderte Antworten an ihre Kunden, die automatische Generierung von Blog-Beiträgen, Produktbeschreibungen und Marketing-E-Mails erlauben. Zusätzlich wurde „Sidekick“ präsentiert, ein KI-Assistent, der Fragen der Händler beantworten und ihnen bei verschiedenen Aufgaben wie Berichterstellung und Shop-Anpassungen helfen solle. Das „Morning Briefing“ hatte diese Woche bereits berichtet, dass Shopify seine KI-Tools offenbar auch selbst einsetzt und daher schon vor dem offiziellen Launch begonnen hatte, Entlassungen vorzunehmen.
Tiktoks integrierter US-Marktplatz soll nun im August kommen
Der Launch von Tiktoks E-Commerce-Store, der bereits seit längerem diskutiert wird (das „Morning Briefing“ berichtete vor drei Wochen über ausgeschriebene Stellen) scheint näher zu rücken und nun im August zu starten, wie The Verge einen Bericht des Wall Street Journal zitiert. Marken und Influencer sollen ihre Produkte direkt auf der TikTok-Plattform verkaufen können. Mit diesem Schritt wolle TikTok sein Geschäftsmodell erweitern und eine nahtlose Einkaufserfahrung für die Nutzer schaffen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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