
Barrierefreiheit, DHL, Zalando, China, Amazon, UPS, Haushaltsgeräte, Shein, H&M, Alibaba, „Bracketing“ und „Deshopping“
Aktuelle E-Commerce-News: Barrierefreiheit, DHL, Zalando, China, Amazon, UPS, Haushaltsgeräte, Shein, H&M, Alibaba und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Barrierefreie Shops: So vermeiden Onlinehändler teure Compliance-Fehler
Ab Juni 2025 sind Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen gesetzlich verpflichtet, ihr Angebot barrierefrei zu gestalten. Doch viele Onlinehändler kümmert das noch zu wenig. Die Schludrigkeit der Branche beim Thema Barrierefreiheit erinnert verdächtig an die Einführung der DSGVO, sagt Eva Behling, Rechtsanwältin beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. In einem Gastbeitrag für Etailment erklärt sie, warum der Ernstfall schneller eintreten kann, als viele Händler denken, und zeigt praxisnah, wie Onlineshops inklusiv werden.
„Paket weg? Paket beschädigt? Systemgestützte Nachforschung mit FIEGE.
Die Bearbeitung von Klärfällen impliziert für den Customer Service eine mühsame und lästige Auseinandersetzung mit den Carriern. Das bindet Zeit und Ressourcen. Viele Online-Akteure schreiben daher ca. 0,2 % ihres Online-Umsatzes einfach ab. Das muss nicht sein. Sparen Sie bares Geld.“ Mehr lesen
DHL übernimmt türkischen Paketdienstleister MNG Kargo
Die DHL Group – das ist seit dem 1. Juli der offizielle Name der Deutschen Post – übernimmt den türkischen Paketzusteller MNG Kargo. Dieser liefere täglich Pakete an 600.000 Adressen und sei damit einer der führenden Player auf dem türkischen Paketmarkt, der in den kommenden Jahren zudem ein zweistelliges Wachstum verzeichnen soll, angetrieben von einer jungen, digital-affinen Bevölkerung. E-Commerce sei einer der wichtigen Schwerpunkte ihrer Strategie 2025, um das Kerngeschäft zu stärken und langfristiges Wachstum zu sichern, wie die DHL Group selbst mitteilt. Die Transaktion muss noch von den türkischen Behörden genehmigt werden.
Zalando-Versandkosten werfen Fragen auf
Vor gut einem Jahr hatte Zalando einen Mindestbestellwert für kostenlose Lieferungen eingeführt, der in Deutschland inzwischen bei 29,90 € liegt; darunter beträgt die Standardliefergebühr 4,90 €. Diese sorgt nun bei manchen für Verwirrung, denn sie falle auch dann an, wenn der Versand über das Partnerprogramm des Onlinehändlers getätigt wird. Zalando argumentiert, diese Kosten seien bereits im Gebührenmodell berücksichtigt, um die Profitabilität von niedrigpreisigen Artikeln auszugleichen. Ob das ganz logisch ist oder nicht, sei dahingestellt, aber das Thema scheint ohnehin entschärft zu sein, denn der Mindestbestellwert hat offenbar seinen Zweck erfüllt: Seit seiner Einführung stieg die durchschnittliche Warenkorbgröße und betrug im letzten Jahr 56,70 Euro. Der Anteil der Bestellungen unterhalb, die den entsprechenden Aufschlag verursachen, läge „im niedrigen einstelligen Prozentbereich“, wie Fashion United berichtet.
HANDEL INTERNATIONAL
China unterstützt Technologiesektor wieder – Aktien steigen
Nachdem die Regulierungsbehörden in China in den letzten Jahren die einheimischen Tech- und E-Commerce-Player mit restriktiven Maßnahmen gegängelt hatten, die zu Unsicherheit und Kursverlusten geführt hatten, scheint nun eine Trendwende in Sicht, wie IT-Times.de berichtet. Bereits vor zwei Wochen hatte sich Premier Li mit Spitzenvertretern der Branche getroffen. Nun veröffentlichten die Wirtschaftsplaner der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) eine Erklärung, in der die Förderung privater Investitionen betont wird; insbesondere wolle man Unternehmen im Technologiesektor wieder stärker unterstützen. Die Ankündigung wurde positiv aufgenommen und führte zu einem deutlichen Anstieg der Aktien von Alibaba, Baidu, Tencent und anderen führenden Technologiefirmen.
Umfrage: Was wünschen Sie sich für das Bezahlen der Zukunft?
Welche Wünsche haben Sie als Händlerin und Händler an das Bezahlen der Zukunft? Euro Kartensysteme hat dazu eine Umfrage aufgelegt. Nehmen auch Sie daran teil und beteiligen sich so an der Weiterentwicklung der girocard.
Amazon zwingt Mitarbeiter zurück ins Büro
Amazon schafft die flexiblen Arbeitsbedingungen aus der Pandemiezeit ab beordert seine Mitarbeiter zurück ins Büro. In den USA waren in den letzten Jahren viele Arbeitnehmer in günstigere Gegenden umgezogen, weshalb die Ankündigung auf heftige Proteste stieß. Amazon hat nun alle aufgefordert, nötigenfalls umzuziehen, um mindestens drei Tage in der Woche im Büro anwesend sein zu können. Andernfalls werde dies als „freiwillige Kündigung“ gewertet, heißt es in einer internen E-Mail, wie FAZ.net unter Berufung auf das Magazin „Business Insider“ berichtet. Für den Umzug werde eine Frist von zwei Monaten eingeräumt. Auch andere US-Konzerne wie Google, Meta und Salesforce beordern ihre Mitarbeiter ins Büro zurück.
Streik bei UPS in den USA nicht mehr ausgeschlossen
Der globale Logistik-Unternehmer UPS und die Gewerkschaft „The Teamsters“ haben zwar Ihre Verhandlungen wieder aufgenommen, aber nur bis zum 31. Juli Zeit, um einen Streik noch abzuwenden. Laut einem Gewerkschaftssprecher seien seine 340.000 Mitglieder „bereit zu kämpfen“, wie FastCompany berichtet. Die Rahmenbedingungen der Fahrer-Verträge seien seit 2018 nicht angepasst worden, dabei würden seitdem „Millionen mehr Pakete zugestellt“. Der Marktanteil von UPS in den USA beträgt 25 Prozent mit 24 Mio. Zustellungen am Tag. Der letzte Streik bei UPS fand im Jahre 1997 statt, als 185.000 Mitarbeiter die Arbeit niederlegten.
Online-Absatz von Haushaltsgeräten sinkt leicht
Nachdem der Online-Absatz von Haushaltsgeräten während der Pandemie deutliche Gewinne verzeichnet hatte, ist dieser nun leicht rückläufig, was als „Normalisierung“ wahrgenommen werde, wie ChannelX auf Basis einer Erhebung von Foxintelligence einordnet. Eine Produktgattung sei allerdings „immun“ gegen den Rückgang und verbesserte ihren Umsatz, zumal sie auch das Top-Hochzeitsgeschenk des Jahres in Großbritannien sei: Heißluftfritteusen. Der Anteil des stationären Handels mache bei Haushaltsgeräten zwar immer noch rund die Hälfte aus, sei aber von 2020 bis 2023 um weitere 10 Prozent gesunken.
Shein gibt im Quartal 600.000 Dollar für Lobbyarbeit aus
Das chinesische Fast-Fashion-Modeunternehmen Shein will demnächst in den USA an die Börse, steht aber wegen seiner Arbeitsbedingungen in China und anderer fragwürdiger Praktiken unter Beobachtung. Eine Gruppe von US-Abgeordneten forderte die Börsenaufsicht SEC im Mai auf, den Börsengang von Shein zu stoppen, bis das Unternehmen nachgewiesen habe, dass es keine Zwangsarbeiter einsetze. Nun hat Shein zum ersten Mal seine Lobbyausgaben veröffentlicht und damit dokumentiert, dass man im zweiten Quartal rund 600.000 US-Dollar ausgegeben habe. In seinem Bericht bezeichnet Reuters.com dies als „moderate Summe“; Walmart etwa habe 1,4 Mio. ausgegeben.
H&M klagt weiter gegen Shein wegen Urheberrechtsverletzungen
Nochmal Shein: Der schwedische Modehändler H&M hat am Hongkonger High Court eine Klage gegen den chinesischen Konkurrenten eingereicht. Shein verletze das Urheberrecht und die Markenrechte. Die Klage gehe bereits zurück auf das Jahr 2021, aber anlässlich einer aktuellen Anhörung wurden nun Details bekanntgegeben. Veröffentlichte Fotos von Dutzenden von Artikeln, darunter Bademode und Pullover, belegen laut H&M, dass Shein seine Designs gestohlen habe, wie Retail Detail EU berichtet. Laut Bloomberg wurden allein in diesem Jahr in den USA mehr als ein Dutzend Klagen gegen Shein eingereicht. Die meisten endeten mit einer außergerichtlichen Einigung. In einer anderen Meldung zeigt sich, dass H&M durchaus auch Shein kopiert, zumindest beim Preis: H&M verkauft Crop Tops für 1,70 Dollar.
TRENDS & TECH
Startup lanciert virtuelle Spardose mit Zalando als erstem Kunden
Das „Buy-now-pay-later“-Verfahren, im Volksmund auch „Abstottern“ genannt und von Zahlungsdienstleistern wie Klarna oder PayPal angeboten, ist bekannt – ebenso wie die Tatsache, dass manche Menschen dadurch mehr kaufen, als sie sich leisten können. Das Startup Savvr hat das Konzept deshalb umgedreht: Bei „Save-now-pay-later“ sparen Kunden Monat für Monat für einen Artikel, bis sie ihn sich buchstäblich leisten können. Savvr hat dafür Zalando als ersten Kunden gewonnen. Internetworld.de erzählt zudem die Anekdote, wie die Savvr-Gründer vor einem Monat mit ihrer Idee und einem Flyer, aber noch ohne jegliches Produkt, auf der Messe „K5“ in Berlin den Markt testeten. Für sie scheint es geklappt zu haben; nun bleibt abzuwarten, ob auch die Käufer das Prinzip der guten alten Spardose zu schätzen wissen.
NACHHALTIGKEIT
Alibaba senkt CO2-Ausstoß um 13 Prozent
Die chinesische B2B-Handelsplattform Alibaba hat im vergangenen Jahr ihre CO2-Emissionen um satte 13 Prozent reduziert, wie die hauseigene Nachrichtenplattform Alizila meldet. Das Unternehmen will seinen Netto-CO2-Ausstoß bis 2035 auf Null reduzieren. Durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien sei man diesem Ziel bereits deutlich näher gekommen, wird CEO Daniel Zhang zitiert. Erst letzte Woche hatte Amazon gemeldet, es habe seinen Ausstoß um vergleichsweise bescheidene 0,4 Prozent gesenkt („Morning Briefing“ vom 20. Juli), in Relation zum Umsatz immerhin um 7 Prozent. Wie vergleichbar die Zahlen zweier Konzerne mit so vielfältigen Aktivitäten sind, ist unklar. Eindeutig ist aber das Rennen um die CO2-Reduktionen eine neue Disziplin, in der die weltweiten Player gegeneinander antreten.
Von „Bracketing“ bis „Deshopping“: Wie schlecht sind Rücksendungen?
E-Commerce-Bestellungen von Mode haben eine Rücksendequote von bis zu 40%, der höchste Wert über alle Branchen. Das Bestellen von Waren in mehreren Größen oder Ausführungen, um eine Variante zu behalten, „Bracketing“ genannt, wird dabei von den meisten Online-Händlern als unvermeidlich hingenommen. Durch Mindestbestellmengen wird es de facto sogar incentiviert, indem für größere Bestellungen der Versand kostenlos ist. Problematischer ist die Variante „Deshopping“, bei der Kleidungsstücke einmal getragen und dann zurückgeschickt werden. Dennoch sind Online-Händler sich uneins, wie sie damit umgehen wollen. Eine Studie, von der Business Insider berichtet, untersuchte geplante und ungeplante Rückgaben. Käufer, die von vornherein planen, Waren zurückzugeben, seien mit größerer Wahrscheinlichkeit treue Kunden, und laxe Rückgaberegeln können den Umsatz so weit steigern, dass die Kosten für Retouren ausgeglichen werden. Unbestritten ist, dass Rücksendungen negative Auswirkungen auf Arbeitskräfte und Umwelt haben, da retournierte Kleidung häufig verbrannt wird. Im vergangenen Jahr wurden in Großbritannien 750.000 Tonnen CO2-Emissionen durch Mode-Retouren verursacht.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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