
Bergzeit, Picnic, Hellofresh, Deutschlands Exporte, Pineca, Coupang, Amazon, Chinas Exporte, Lieferinfos, Social-Media-Verbot
Aktuelle E-Commerce-News: Bergzeit, Picnic, Hellofresh, Deutschlands Exporte, Pineca, Coupang, Amazon, Chinas Exporte und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Bergzeit klettert auf 173 Mio. Euro Jahresumsatz
Der Münchner Outdoor-Händler Bergzeit steigerte seinen Umsatz im letzten Geschäftsjahr um 17 Prozent auf 173 Mio. Euro, wie Textilwirtschaft.de berichtet. Das Online-Business sei deutlich gewachsen, auch die beiden Münchner Filialen hätten um zehn Prozent zugelegt. Wachstumstreiber seien stärkere Marktdurchdringung und optimierte Logistik gewesen. Die deutsche Tochter der Südtiroler Oberrauch-Gruppe habe ihre Profitabilität durch effizienteres Retourenmanagement gesteigert und wirtschafte seit 25 Jahren durchgehend profitabel. Für 2025/26 peile Bergzeit ein Umsatzplus von über zehn Prozent an.
Picnic startet Europas größtes Roboter-Lebensmittellager
Der Online-Supermarkt Picnic hat sein 150 Mio. Euro teures, robotisiertes Fulfillment-Center in Oberhausen eröffnet und damit Europas größtes E-Food-Lager geschaffen, so das Unternehmen. Auf 50.000 Quadratmetern koordiniere eine eigenentwickelte Software 1.500 Hochleistungsroboter entlang von 21 Kilometern Fördertechnik durch drei vollautomatisierte Klimazonen. Die Technologie sei von 100 Picnic-Ingenieuren über zwei Jahre entwickelt worden. Parallel expandiere das Unternehmen nach Bayern und beliefere zusätzliche 350.000 Haushalte im Großraum Nürnberg.
Hellofresh setzt auf Bio-Vielfalt statt Masse
Hellofresh erweitert sein Angebot um mehr Bio-Optionen, um der steigenden Nachfrage nach gesünderen Alternativen zu entsprechen, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Geschäftsführerin Juliane Kappel erkläre, das Unternehmen gehe nach Jahren der Größenoptimierung wieder stärker auf Kundenwünsche ein. Mittlerweile böten 20 Rezepte eine Bio-Alternative, die zwischen 1,99 und 3,99 Euro teurer sei als konventionelle Varianten. Besonders bei Fleisch habe der Kochboxenhersteller neue Lieferantenkontakte geknüpft, um die Versorgung zu sichern.
Außenhandelsüberschuss schmilzt um ein Drittel zusammen
Deutsche Exporte sind im April um 1,7 Prozent auf 131,1 Mrd. Euro geschrumpft, während Importe um 3,9 Prozent auf 116,5 Mrd. Euro kletterten, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Außenhandelsüberschuss schrumpfte dadurch von 21,3 auf 14,6 Mrd. Euro zusammen. Besonders dramatisch entwickelten sich die USA-Geschäfte: Die Exporte dorthin brachen um 10,5 Prozent auf 13,0 Mrd. Euro ein – der schwächste Wert seit Oktober 2024. Auch die Lieferungen nach China gingen um 5,9 Prozent zurück, während die innerhalb der EU leicht um 0,9 Prozent zulegten.
HANDEL INTERNATIONAL
Pineca bringt litauische Holzhäuser nach Polen
Der litauische Holzgebäude-Anbieter Pineca startet seinen Online-Shop in Polen und erschließt damit den zehnten europäischen Markt, meldet Ecommercenews.eu. Das 2011 gegründete Unternehmen biete dort Wohnhäuser, Ferienhäuser, Gartenhütten und Saunen an, nachdem die Nachfrage nach fertigen Holzbauten in Polen zwischen 2018 und 2023 um 98 Prozent gestiegen sei. Polen markiere die fünfte Expansion innerhalb von zweieinhalb Jahren.
Coupang schafft Sprung auf Platz 142 der 500 Größten
Der südkoreanische E-Commerce-Riese Coupang hat seinen Umsatz in fünf Jahren auf 30 Mrd. Dollar verfünffacht und eroberte Platz 142 der Fortune 500, wie Excitingcommerce.de berichtet. Das Unternehmen habe 2024 amerikanische Produkte im Wert von vier Mrd. Dollar nach Südkorea, Taiwan und 190 weitere Länder exportiert. Während die Aufmerksamkeit meist auf Shein und Temu ruhe, entwickle sich auch Coupang zu einem bedeutenden Global Player. Durch die Farfetch-Übernahme machte sich das Unternehmen auch im deutschen Markt einen Namen.
Stellenabbau bei Amazons Ursprungsgeschäft: Büchern
Amazon streicht um die 100 Stellen in seinem Buchbereich, wie eine interne E-Mail laut Businessinsider.com zeigt. Amazon begründe den Schritt mit Effizienzsteigerung und besserer strategischer Ausrichtung. Das traditionelle Buchgeschäft werde jedoch nicht verkleinert, da die Positionen in andere Bereiche verlagert würden. „Amazon – der größte Buchladen der Welt“ lautete 1995 der Werbeclaim, direkt in das Logo integriert.
Chinas USA-Exporte brechen dramatisch ein
Chinas Exporte in die USA brachen im Mai um 34,5 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit Februar 2020, meldet Techinasia.com. Gleichzeitig seien die Importe aus Amerika um 18 Prozent gesunken, wodurch der bilaterale Handelsüberschuss auf 18 Mrd. Dollar geschrumpft sei. Während die Summe aller Exporte nur um 4,8 Prozent wuchs und damit die Erwartungen verfehlte, hätten sich andere Märkte als Rettungsanker erwiesen: Südostasien verzeichnete ein Wachstum von 15 Prozent, die EU zwölf Prozent und Afrika sogar 33 Prozent. Trotz der Amerika-Schwäche kletterte Chinas Gesamthandelsüberschuss um 25 Prozent auf 103,2 Mrd. Dollar.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Checkout-Falle: Online-Händler liefern Lieferinfos zu spät
Online-Händler liefern Lieferinformationen viel zu spät im Kaufprozess, zeigt eine Scurri-Studie laut Channelx.world. Während 24 Prozent der Kunden Lieferoptionen vor dem Checkout sehen möchten, böten nur neun Prozent der Händler diese frühe Transparenz. Die Fehleinschätzung sei gravierend: Händler dächten, lediglich sechs Prozent ihrer Kunden wollten vorab informiert werden. Besonders ältere Käufer suchten bereits vor der Artikelauswahl nach Lieferdetails, jüngere Kunden erwarteten zumindest Bestätigung nach dem Klick in den Warenkorb. Das Problem sei häufig das überraschende Plus in der Summe: 39 Prozent der Kunden würden wegen zusätzlicher Lieferkosten nicht auf „Kaufen“ klicken.
Instagram und Tiktok: Drei EU-Staaten fordern Altersgrenze
Spanien, Frankreich und Griechenland haben laut Heise.de auf der EU-Digitalministerkonferenz in Luxemburg ein EU-weites Social Media-Verbot für unter 15-Jährige gefordert. Die drei Länder sähen erhebliche Gefahren für Kinder durch algorithmische Inhalte, die Angststörungen und Depressionen förderten. Derzeit lägen die Altersgrenzen bei 13 Jahren, würden jedoch nur durch simple Geburtsdatum-Abfragen überprüft. Die französische Digitalministerin Chappaz betonte, Kinder erstellten bereits mit sieben bis acht Jahren ihre ersten Konten. Die Minister forderten strenge Alterskontrollen und integrierte Smartphone-Überprüfungen. Während Zypern und Slowenien Unterstützung signalisierten, reagierte die Konferenz verhalten auf den Vorstoß.
Jugendliche misstrauen Gesundheitstipps von Influencern
Jugendliche beziehen Gesundheitsinformationen hauptsächlich über YouTube, Tiktok und Wikipedia, wie die Sinus-Jugendstudie 2024/2025 der Barmer zeigt. Demnach nutzten 27 Prozent Youtube, 26 Prozent Tiktok und 25 Prozent Wikipedia als digitale Infoquellen. Bemerkenswert sei der Bedeutungsverlust etablierter Kanäle: Youtube fiel von 38 auf 27 Prozent, Nachrichtenmedien von 26 auf 14 Prozent, Behördenseiten wie das Robert Koch-Institut von 20 auf 13 Prozent. Gleichzeitig gewannen Krankenkasseninformationen von 13 auf 18 Prozent an Relevanz. Das Ende der Corona-Pandemie habe offenbar die Präferenzen verschoben, so Barmer-Chef Prof. Dr. med. Christoph Straub.
KI übernimmt den Einkauf: Visa und Amazon starten digitale Butler
Tech-Größen wie Visa, Amazon, Paypal und Mastercard entwickeln KI-Systeme, die vollautomatisch für Verbraucher einkaufen, berichtet OE24.at. Die digitalen Butler namens „Rufus“, „Agent Pay“ und „Intelligent Commerce“ sollen auf verbale Aufforderungen reagieren und eigenständig Produkte vergleichen, bezahlen und liefern lassen. Dennoch bleiben Verbraucher skeptisch: Eine Omnisend-Umfrage zeige, dass 58 Prozent Datenschutzbedenken hätten und zwei Drittel ihre Kaufentscheidungen nicht vollständig abtreten wollten. Experten warnen vor teuren Fehlkäufen und möglichen Interessenkonflikten zugunsten der Konzerne.
NACHHALTIGKEIT
Zalando-Studie: Nachhaltige Mode braucht Erkennbarkeit
Zalando hat die europaweite Studie „It Takes Many“ zur nachhaltigen Mode veröffentlicht. Demnach träfen bereits 66 Prozent der Befragten nachhaltigere Kaufentscheidungen, während 71 Prozent künftig nachhaltiger einkaufen wollten. Als Haupthürden nannten die Verbraucher den Preis (41 Prozent), mangelnde Erkennbarkeit nachhaltiger Optionen (27 Prozent) und fehlende Orientierung beim Einkauf (24 Prozent). Die Studie identifiziere vier Verbrauchertypen und zeige, dass 77 Prozent von den Marken konkrete Maßnahmen erwarteten. Ein Drittel befürworte ein staatlich unterstütztes Kennzeichnungssystem für nachhaltige Mode.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge