
Delivery Hero, SAP, Kleinanzeigen + Hermes, Stripe, Girocard, Billie, Amazon, Tiktok, Temu, Wiz + Alphabet, KI + Klima, USA + Luxus
Aktuelle E-Commerce-News: Delivery Hero, SAP, Kleinanzeigen + Hermes, Stripe, Girocard, Billie, Amazon, Tiktok, Temu und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
EU leitet Untersuchung gegen Delivery Hero ein
Die Europäische Kommission hat eine förmliche Untersuchung gegen Delivery Hero und seine spanische Tochtergesellschaft Glovo eingeleitet. Es bestehen Bedenken wegen möglicher wettbewerbswidriger Absprachen zur Marktaufteilung und zum Austausch sensibler Geschäftsinformationen. Die Untersuchung folgt auf unangekündigte Durchsuchungen der Büros des Unternehmens in den Jahren 2022 und 2023. Delivery Hero warnte kürzlich Investoren vor einer möglichen Kartellstrafe von bis zu 400 Mio. Euro.
SAP will 10.000 Stellen abbauen
Um Kosten zu sparen und sich auf künstliche Intelligenz zu konzentrieren, weitet SAP sein Stellenabbauprogramm auf bis zu 10.000 Jobs aus, berichtet Tagesschau.de. Der Softwarekonzern rechnet ab 2025 mit jährlichen Einsparungen von 700 Mio. Euro, obwohl er bis Ende des Jahres eine ähnliche Mitarbeiterzahl wie zu Jahresbeginn erreichen will. Die SAP-Aktie erreichte nach der Meldung ein Rekordhoch von 196,68 Euro.
Kleinanzeigen nun auch mit Hermes
Kleinanzeigen integriert neben dem bestehenden DHL-Versand nun auch Hermes als neue Option, berichtet Computerbild.de. Verkäufer können diese Versandart schon jetzt beim Erstellen ihrer Anzeige auswählen, Kleinanzeigen erstellt dann nach einem Verkauf automatisch ein Versandetikett und zieht die Kosten vom Verkaufspreis ab. Bei Größenänderungen kann das Label angepasst werden. Pakete können in 17.000 Hermes Paketshops aufgegeben oder an Kuriere überreicht werden. Den Versandstatus kann man direkt über die Plattform verfolgen.
Stripe integriert Girocard
Stripe integriert in Deutschland nach erfolgreicher Pilotphase die Girocard als neue Bezahlmethode, so eine Pressemitteilung des Unternehmens. Die Zahlungsart, die bei 70 Prozent aller persönlichen Kartentransaktionen in Deutschland genutzt wird, ermöglicht den Kunden von Onlinehändlern ein an ihre Gewohnheiten angepasstes Zahlungserlebnis. Die Einführung dürfte auch für internationale Unternehmen beim Eintritt in den deutschen Markt nützlich sein.
HANDEL INTERNATIONAL
Stripe integriert Billie
In Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ermöglicht Stripe Onlineshops und Marktplätzen, ihren Geschäftskunden auch die BNPL-Zahlungslösung des Berliner Fintech-Start-ups Billie anzubieten, berichtet Fintechmagazine.com. Dies erlaubt Unternehmen Zahlungsaufschub bis zu 30 Tage, ohne den Cashflow der Händler zu beeinträchtigen. Noch in diesem Jahr soll die Lösung allen gewerblichen Stripe-Nutzern zugänglich sein.
Italien: Amazon wegen Steuerhinterziehung bestraft
Die italienischen Behörden haben gegen Amazon wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung eine vorläufige Geldstrafe von 121 Mio. Euro verhängt, berichtet Spiegel.de. Die Mailänder Polizei wirft dem Unternehmen vor, durch ein System von Subunternehmern für seine Lieferaufträge Steuern zu hinterziehen und Arbeitskräfte auszubeuten. Amazon, das allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres einen Gewinn von mehr als 10 Mrd. Euro erzielte, beteuerte seine Gesetzestreue und sicherte den Behörden Kooperation zu.
Tiktok Shop nur in Spanien und Irland
Tiktok will seine In-App-Shopping-Plattform im Oktober in Spanien und Irland einführen, berichtet Fortune.com. Das Unternehmen hat seine Partner aufgefordert, sich auf den Start von Tiktok Shop in diesen Ländern vorzubereiten. In Spanien wartet bereits ein Team von rund 40 Mitarbeitern auf den Launch der E-Commerce-Sparte. Ursprünglich war für dieses Jahr auch die Expansion nach Frankreich, Deutschland und Italien geplant, doch im Mai kündigte Tiktok an, sich lieber auf seine 170 Mio. monatlichen Nutzer in den USA konzentrieren zu wollen. Solange das noch möglich ist.
Temu könnte Amazon 2025 überholen
Für 2024 rechnet Amazon mit einem Bruttowarenvolumen von 757 Mrd. US-Dollar, während Temu 661 Mrd. US-Dollar erwartet. Die Muttergesellschaft PDD Holding verzeichnete 2023 ein Umsatzwachstum von 90 Prozent – bei diesem Tempo wäre Amazon folgerichtig im nächsten Jahr überholt. Onlinehaendler-News zitiert dazu Kai Hudetz vom IFH: „Die Wachstumsbremsen sind aber zu stark. Das Vertrauen in die Portale ist zu gering. Deshalb dürfte es schwer werden, den Hype aufrechtzuerhalten.“
März schlechtester Monat im griechischen Onlinehandel
Die „Hellenic Electronic Commerce Association“ meldet für den März 2024 „den schlechtesten Monat“, berichtet Naftemporiki.gr. Laut Quartalsbericht startete die Modebranche zwar stark ins Jahr, brach dann aber noch stärker ein; Technologieprodukte verkauften sich nur am Wochenende gut und das einzige Segment ohne große Einbußen blieben die Onlineapotheken. Der E-Commerce verzeichnete damit die schlechteste Quartalsentwicklung aller Branchen in Griechenland.
Wiz schlägt Alphabet-Übernahme aus
Das Cybersicherheits-Start-up Wiz hat ein Übernahmeangebot von Alphabet in Höhe von 23 Mrd. Dollar abgelehnt, berichtet Manager-Magazin.de. Laut CEO Assaf Rappaport konzentriere sich das Unternehmen lieber auf einen geplanten Börsengang. Wiz bietet KI-basierte Cloud-Sicherheitslösungen zur Abwehr von Bedrohungen in Echtzeit an. Weder Wiz noch Alphabet äußerten sich zu dem Vorgang.
TRENDS & TECH
Schadet oder nützt KI dem Klima?
Künstliche Intelligenz läuft in Rechnern. Der rasante Nutzungsanstieg führt also zu mehr Rechenleistung und damit zu erheblich mehr Stromverbrauch. Doch es deuten sich Lösungen für das Klimaproblem an – mit Nutzung von KI, wie sonst. Etailment.de-Autor Helmut van Rinsum skizziert die Lage und die Lösungsansätze.
Google schafft Cookies nun doch nicht ab
Google hat seine Pläne zur Abschaffung von Drittanbieter-Cookies aufgegeben und wird sie weiterhin in Chrome (Marktanteil: 60 Prozent) unterstützen, berichtet ABC.net.au. Ursprünglich hatte das Unternehmen angekündigt, Drittanbieter-Cookies auf Wunsch der Nutzer bis Ende 2022 abzuschaffen. Nun will Google stattdessen „eine neue Funktion einführen, die es Nutzern ermöglicht, über ihre gesamte Webnutzung zu entscheiden“.
USA: Luxus bleibt offline
Amerikanische Verbraucher bevorzugen bei Luxusgütern den stationären Handel gegenüber dem Onlineshopping, so eine Umfrage von Morning Consult. Rund 50 Prozent der Befragten kaufen Luxuskleidung, -schuhe, -schmuck und -uhren gerne im Geschäft, weniger als 20 Prozent lieber online. Die Vermutung liegt nahe, dass Kunden, die bereit sind, viel Geld auszugeben, ein exklusives Einkaufserlebnis und persönlichen, zwischenmenschlichen Service schätzen. Beides lässt sich online nur schwer nachbilden.
NACHHALTIGKEIT
Kartenzahlungen sind nachhaltiger
Bargeldlose Zahlungen verursachen deutlich weniger CO2-Emissionen als Barzahlungen, behauptet eine Studie der European Digital Payments Industry Alliance. Eine Kartenzahlung verursache nur 3 Gramm CO2-Äquivalente, eine Barzahlung dagegen 18 Gramm. 2023 wurden zwar noch 51 Prozent der Transaktionen am Point of Sale mit Bargeld abgewickelt, doch das ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Gemessen am Umsatz liegt die Debitkarte mit 32 Prozent der Gesamtausgaben jedoch bereits an der Spitze.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge